"Wollte beweisen, warum man mich geholt hat"

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Salzburg hat qualitativ die stärkste Mannschaft Österreichs.

Dies wird der österreichischen Red-Bull-Filiale zumindest regelmäßig von den konkurrierenden Bundesliga-Klubs bescheinigt.

Ebenso häufig hört man allerdings auch den Vergleich aus der Musik: Die „Bullen“ verfügen über hervorragende Solisten, seien aber kein gutes Orchester.

Die Kritik scheint in Wals-Siezenheim gefruchtet zu haben. Mit Cristiano da Silva scheint nach langer Suche der geforderte Dirigent gefunden zu sein. Eine echte Nummer 10 eben.

„Die Nummer 10 ist für mich kein zusätzlicher Druck. Es ist einfach meine Lieblingsnummer, mit der ich auch in Brasilien gespielt habe und die zufällig bei Salzburg frei war“, relativiert der Hoffnungsträger im Gespräch mit LAOLA1.

Der lang ersehnte Spielmacher

Mit Luigi Bruins wurde im Oktober 2011 schon einmal ein Spieler verpflichtet, dem attestiert wurde, die nötige Ruhe ins Salzburger Offensiv-Spiel bringen zu können.

Nach nur drei Partien war das Vertrauen in den Holländer allerdings bereits erschöpft. Mittlerweile verdingt sich der ehemalige U21-Teamspieler wieder in seiner Heimat bei Excelsior Rotterdam.

Anders verlief die Situation bei Cristiano. Seit Mitte November des vergangenen Jahres trainiert der 24-Jährige schon in Taxham, nach knapp zwei Monaten der Probe wurde der Transfer fixiert.

„Ich hatte auch ein Angebot von einem großen brasilianischen Verein, Internacional, habe mich aber für Salzburg entschieden. In den über 40 Tagen habe ich mir die Infrastruktur und die Pläne, die Philosophie, von Red Bull genau angeschaut. Das hat mich überzeugt“, erklärt der Mittelfeldspieler seine Entscheidung pro Austria.

Ein Anfang mit Hindernissen

Sein Bundesliga-Debüt gab die Neuverpflichtung von Esporte Clube Juventude am 19. Februar beim 0:0 gegen Sturm Graz, ein Datum, das der aktuell vierte Brasilianer im Salzburg-Kader am liebsten vergessen würde:

„Das Spiel gegen Sturm Graz war sehr schlecht von mir. Da war ich überhaupt nicht zufrieden und richtig traurig. Das habe ich analysiert und mir geschworen, alles zu geben, sobald ich eine neue Chance bekomme. Ich wollte beweisen, warum man mich geholt hat.“

Die zweite Chance sollte nicht lange auf sich warten lassen. Nach einem engagierten Auftritt in den letzten Minuten gegen den SV Mattersburg (0:1), kehrte die Nummer 10 in die Startelf zurück und war aus selbiger für die folgenden fünf Spiele nicht mehr zu verdrängen.

Cristiano im Gespräch mit LAOLA1

„Ich bin glücklich, der Mannschaft in den letzten Spielen geholfen zu haben“, dürfte beim Spielmacher auch kein sonderlicher Groll aufgekommen sein, als im Westderby erstmals wieder nur ein Platz auf der Bank blieb. Red Bull schlug Wacker mit 2:0 und schließlich „steht das Team im Vordergrund“.

Neue Rolle im Moniz-System

Dass sich der technisch versierte und beidbeinige Kicker auf Dauer nicht mit der Reservistenrolle zufrieden gibt, scheint jedoch auch klar. Er will spielen, auf welcher Position auch immer:

„In der Formation von Ricardo (Moniz, Anm.) spiele ich eine zweite Nummer sechs. Damit habe ich kein Problem, auch weil er mir viele Freiheiten gewährt. Am liebsten agiere ich aber schon als klassische Zehn. Es hängt immer davon ab, in welcher Situation sich die Mannschaft befindet und wie ich am ehesten helfen kann. Da stelle ich mich in den Dienst der Mannschaft.“

Die äußerst präsente Art des Mittelfeldregisseurs ist sein eigenes Charakteristikum: „So habe ich immer schon gespielt. Es gefällt mir einfach, den Ball zu verteilen und aktiv am Spiel teilzunehmen. Ricardo versucht mich auch immer etwas zu zügeln und mich dazu zu bewegen, die Position einzuhalten. Denn wenn es nach mir ginge, würde ich immer den Ball fordern.“

Der Brasilianer im Duell mit Admiras Patrick Mevoungou

Schaltzentrale hinter den Angreifern

Ersichtlich wird diese Liebe zum runden Leder in den Statistiken, die Cristiano in steter Regelmäßigkeit als Spieler mit den meisten Ballkontakten auswarfen.

Gemeinsam mit dem wieder genesenen David Mendes verfügen die Mozartstädter nun über eine starke Doppel-Sechs, die den Offensivkräften rund um Leonardo, Jonathan Soriano, Jakob Jantscher und Co. den Rücken freihalten soll.

Jener Mitspieler, von dem das jüngste Mitglied der „Bullen“-Familie am meisten beeindruckt ist, lässt sich im Übrigen nicht im Angriff finden, sondern in der Verteidigung.

Martin Hinteregger ist sehr gut. Für sein Alter spielt er unglaublich abgeklärt, das beeindruckt mich. Er hat ein sehr gutes Stellungsspiel und ist stark am Ball. Und all das für einen Linksfuß. In Brasilien gibt es kaum einen Linksfuß als Verteidiger“, macht der Ex-Coritiba-Profi klar.

Andere Welten

Brasilien und Österreich unterscheiden sich laut Cristiano – man glaubt ihm das gerne – ohnehin gehörig voneinander: „Die Differenzen sind sehr groß. In Brasilien wird mehr Wert auf Technik gelegt, in Österreich wird körperbetonter gespielt. Du hast viel weniger Platz. Du denkst, du hast Zeit, doch die Gegenspieler sind sofort da und gewinnen den Ball oder machen das Foulspiel.“

Nichtsdestoweniger attestiert der Neo-Legionär dem österreichischen Fußball ein „sehr gutes Niveau“, auch weil die Liga derart ausgeglichen ist. „Ein jedes Spiel ist wie ein Finale, egal ob du gegen einen direkten Konkurrenten oder einen Nachzügler spielst.“

Von diesen Finalspielen haben die Salzburger nun schon sieben in Folge nicht verloren, sechs davon unter kräftiger Mithilfe des streng gläubigen Cristiano. Grund genug für ihn, eine abschließende Prognose zu wagen:

„Wenn wir weiter so spielen, werden wir sicher Meister.“

 

Christian Eberle

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