Zahlen, bitte!

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100 Pfund (rund 120 Euro) legt ein Arsenal-Profi ab, wenn er in der Kabine eine Zeitung liest.

„Wahnsinn“, schluckt Markus Suttner. Er verwaltet die Mannschafts-Kasse der Wiener Austria.

„Das gibt es bei uns nicht“, versichert er. Doch Strafenkataloge gehören freilich auch am Verteilerkreis und beim Rest der Bundesliga-Mannschaften dazu.

„Für kleinere Vergehen, also Dummheiten“, sagt Trainer Peter Stöger. Das geht von läutenden Handys bei Besprechungen über falsche Bekleidung bei offiziellen Terminen bis zu Verspätungen.

Rieder Park-Sheriffs und furzende Rapid-Amateure

Im Großen und Ganzen werden bei allen Vereinen dieselben Dinge geahndet. Wobei hin und wieder auch Spezial-Fälle dabei sind.

„Wenn wir im Stadion trainieren, darf nur außerhalb des Geländes geparkt werden“, berichtet Markus Hammerer, „Kassier“ der SV Ried. Er hat den Job übrigens übernommen, weil Anel Hadzic davon zurückgetreten ist.

„Ich bin auch im Mannschaftsrat. Irgendwie war das unvereinbar“, sagt dieser. Als Jus-Student scheint Hammerer sowieso prädestiniert zu sein, um Recht und Ordnung walten zu lassen.

Ein Schmankerl ist auch auf der Liste der Rapid-Amateure zu finden – wer in der Kabine furzt, muss zahlen.

Magath bestrafte Fehler im Spiel

Alles harmlos im Vergleich zu dem, was 2011 in Wolfsburg ans Licht der Öffentlichkeit gelangte. Dort führte Felix Magath Geldstrafen für technisch-taktische Fehler ein.

Wer nach einem Ballverlust nicht auf seine Position zurückkehrte, musste 10.000 Euro ablegen. Ein unnötiger Rückpass kostete 1.000 Euro.

Eigenverantwortung der Spieler

Bei den Bayern kassiert Bastian Schweinsteiger

Mittlerweile sammeln Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger das Geld von ihren Kollegen ein.

Letzterer erinnert sich an ein Erlebnis aus seiner Bayern-Zeit unter Magath: „Da wurde genau berechnet, wenn einer zu spät kam. Pro Minute kostete das 50 Euro. Einmal hatte ich mit Owen Hargreaves auf dem Weg zum Flughafen schon eine halbe Stunde Verspätung, ich habe schon auf dem Handy ausgerechnet, wie teuer das wird. Und an wem rollen wir dann ganz langsam im Stau vorbei? An Magath. Die Strafe haben wir trotzdem zahlen müssen. Magath hat auch gezahlt.“

Auch die Trainer zahlen

Zum Teil müssen die österreichischen Geldeintreiber auch ihre Trainer zur Kasse bitten. Wenngleich Stöger beteuert: „Ich als Trainer mache keine Dummheiten, also gibt es bei mir nichts zum Einkassieren.“ Kühbauer sagt: „Wenn ich etwas mache, zahle ich sofort. Wenn ich mal bei der Hösche mitspiele, kann ich keine Strafe kriegen, weil ich keinen ‚Lauf‘ kriege.“

Pfeifenberger kostet diese Aussage einen herzhaften Lacher: „Die kassieren ja nur nicht, weil sie Angst vor ihm haben. Ich bin immer der Top-Einzahler, wenn ich in der Hösche mitspiele, weil ich die meisten Gurken kassiere.“

Geld für die Masseure

Ähnliches gibt es in der österreichischen Bundesliga nicht. Vielmehr halten sich die meisten Trainer raus, wenn es um die Mannschafts-Kasse geht.

„Ich schaue da gar nicht drauf. Das ist Sache der Spieler. Ich habe damit nichts zu tun“, sagt etwa Ex-Sturm-Trainer Peter Hyballa. Auch RBS-Coach Roger Schmidt gibt an: „Darum kümmere ich mich gar nicht.“

Bei den anderen Klubs bestimmt die Mannschaft ebenfalls selbst. Zumindest zu einem großen Teil. „Ein paar Regeln habe schon ich festgelegt“, meint Heimo Pfeifenberger vom SC Wiener Neustadt.

Admiras Didi Kühbauer erklärt: „Ich bestimme nur den Richtwert, wenn wirklich etwas Gravierendes sein sollte. Den Rest regeln sie selbst, die sind ja alle alt genug. Man muss den Spielern eine gewisse Eigenverantwortung geben.“

Heynckes musste umdenken

Als Jupp Heynckes im Sommer 2011 seinen Job beim FC Bayern antrat, schaffte er den Strafenkatalog übrigens ab. „Ich vertraue auf die Vernunft der Spieler“, ließ er wissen. Kurz darauf musste der Coach umdenken. Die Münchner hatten regelmäßig mit Müllbergen in der Kabine zu kämpfen.

Bei einigen Vereinen muss zudem jeder Spieler monatlich einen gewissen Betrag beisteuern. „Damit werden die Betreuer entlohnt. Quasi als kleine Entschädigung dafür, dass sie uns aushalten müssen“, so Sturm-Goalie Christian Gratzei.

Nicht anders läuft es bei der Austria ab. „Suttner kommt jeden Ersten des Monats zu mir. Da sammelt er für die Masseure und den Zeugwart“, erzählt Stöger.

"Der ist beinhart"

Konsequenz ist eine Eigenschaft, die man als Kassier mitbringen muss. Wobei Gratzei meint: „Zuerst bin ich da eher soft und appelliere an den guten Willen, ab einem gewissen Zeitpunkt ist Kompromisslosigkeit aber nicht schlecht.“

Und Kühbauer sagt über seinen burgenländischen Landsmann Daniel Toth: „Der ist beinhart. Wenn etwas nicht bezahlt wird, droht er dir Prügel an.“ In Wiener Neustadt wird „Schatzmeister“ Bernd Besenlehner nachgesagt, „grundehrlich, aber sehr happig“ zu sein.

Team-Abende und karitative Zwecke

So kommt also in jeder Truppe bis zum Saisonende einiges an Geld zusammen. Zumeist wird ein Teil des Betrags für wohltätige Zwecke gespendet. Um den Rest unternehmen die Teams etwas.

„Es sind für diese Saison schon einige Vorschläge gekommen. Etwa Go-Kart-Fahren oder Paintball spielen“, berichtet Flügelflitzer Manuel Kerhe, der beim WAC das Geld verwaltet, und ergänzt, „einer hat gemeint, wir könnten irgendwo hinfliegen. Aber das wird sich um das Geld nicht ausgehen.“

Die Wolfsberger sind eben nicht Arsenal…


Harald Prantl / Bernhard Kastler

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