Die verrückte Welt der Neulinge

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Die verrückte Welt der Aufsteiger

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Mit dem SCR Altach sorgt aktuell wieder einmal ein Bundesliga-Aufsteiger für Furore.

Die Vorarlberger sind seit neun Spielen ungeschlagen, liegen auf dem dritten Platz und dürfen sogar ein bisschen von einem Europacup-Startplatz träumen.

Anlass genug, um sich die jeweilige Aufstiegs-Saison der vergangenen zehn Liga-Neulinge ein wenig genauer anzusehen.

Da finden sich Aufsteiger, die es tatsächlich ins internationale Geschäft geschafft haben, ein Trainer, der gleich zwei Mal als Sechster beurlaubt wurde, und jede Menge andere Kuriositäten.

Von Polizisten, die beim Bus-Aussteigen von Spielern Geldstrafen kassieren, über Cannabis-Sünder bis zu Sportdirektoren, die selbst noch kicken.

 

2013/14 - SV GRÖDIG

"Die irre Saison der Village People"

Die Salzburger erlebten eine unglaubliche Saison. Sportlich sorgten sie für Furore und schafften es letztlich sogar in den Europacup. Das Rundherum sorgte aber für noch mehr Schlagzeilen. Angefangen bei infrastrukturellen Problemen zu Beginn (Zufahrt zum Stadion) bis hin zum Wettskandal.

DER TRAINER:

Adi Hütter

Der Vorarlberger lernte in einer Saison mehr, als so mancher Coach in einem ganzen Jahrzehnt. Durch sein aggressives Pressing antizipierte er einen Trend, mit dem die meisten Gegner zunächst schlichtweg überfordert waren. Noch höher zu bewerten waren seine Leistungen im psychologischen Bereich - die Mannschaft steckte die Causa Taboga ebenso gut weg wie die vielen Ausfälle. Im Sommer wurde er mit dem Engagement bei Titelverteidiger Salzburg belohnt.

Sein Saisonziel: "Mir ist es wichtig, dass wir mittelfristig denken, dass sich der Verein in der Bundesliga etabliert. Wir wollen in den ersten neun Runden einmal schauen, wie stark wir wirklich sind. Dann können wir die Liga auch besser einschätzen. Dann werden wir sehen, wo es hingeht."

PRÄGENDE SPIELER:

Mit 15 Toren vor der Winterpause war Philipp Zulechner der Erfolgsgarant der Salzburger, ehe er sich kurz nach dem Jahreswechsel nach Freiburg verabschiedete und seine Treffsicherheit zunächst schmerzlich vermisst wurde. In den Blickpunkt konnte sich auch das - Hütters Pressing perfekt umsetzende - Mittelfeld rund um Mario Leitgeb, Peter Tschernegg und Stefan Nutz spielen. Eine bärenstarke erste Bundesliga-Saison lieferte zudem Keeper Cican Stankovic ab.

UND SONST?

Der Wettskandal traf die Grödiger völlig unvorbereitet. Mit Dominique Taboga und dem nur peripher involvierten Thomas Zündel dominierten zwei Spieler, die zu diesem Zeitpunkt beim Aufsteiger unter Vertrag standen, die Schlagzeilen. Zudem machte dem SVG zwischenzeitlich Verletzungspech zu schaffen, was dazu führte, dass Amateur-Spieler und Platzwart Thomas Pfeilstöcker im Dezember 2013 im Alter von 35 Jahren sein Liga-Debüt feierte.

2012/13 - WOLFSBERGER AC

"Das positive Kärntner Beispiel"

Fußball in Kärnten - nach dem Wahnsinn rund um die EM-Arena in Klagenfurt und der Farce SK Austria Kärnten war man im Rest des Landes zunächst ein wenig skeptisch, als ein neuer Kärntner Verein in die Bundesliga aufstieg. Doch die Lavanttaler bewiesen, dass man auch in Kärnten gut arbeiten kann. Die Mannschaft des engagierten Klub-Boss Dietmar Riegler spielte erfolgreichen Fußball und verpasste erst am letzten Spieltag einen internationalen Startplatz.

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 5. 6/4/5 33:30 22 (1,47)
Saisonende: 3. 15/9/12 68:71 54 (1,50)

DER TRAINER:

Nenad Bjelica

Der Kroate erwies sich auch in der Bundesliga als richtiger Mann für den WAC. Seine Mischung aus harter Hand bei diziplinären Verfehlungen - als sich Christian Thonhofer und Marco Knaller in Salzburg vor deren eigenständiger Abreise nicht abmeldeten, wurden sie suspendiert; auch private Eishockey-Spiele von Sandro Zakany sanktionierte der Leit-Wolf - und sportlichem Pragmatismus funktionierte ausgezeichnet. Im Sommer nach der Aufstiegssaison warb ihn die Austria ab.

Sein Saisonziel: "Unser primäres Ziel ist der Klassenerhalt. Wir wollen 40 Punkte holen, und wenn wir das geschafft haben, können wir weiterplanen."

PRÄGENDE SPIELER:

Bei der Austria als nicht dynamisch genug erachtet und nicht mehr gefragt, blühte Michael Liendl in Kärnten so richtig auf - neun Tore, 13 Assists. Die beiden Stürmer Mihret Topcagic und Christian Falk trafen sogar jeweils zehn Mal. Zudem sorgten die beiden Spanier Jacobo und David de Paula im Mittelfeld für Stabilität und Kreativität. Nicht zu vergessen Keeper Christian Dobnik, der zehn Mal zu Null spielte.

UND SONST?

Nicht weniger als vier Spiele konnten in Wolfsberg nicht wie geplant ausgetragen werden. Spätestens seit dieser Saison wissen auch metereologisch nicht sonderlich bewanderte Fußballfans, dass das Wetter im Lavanttal gerne ein wenig verrückt spielt.

2011/12 - TRENKWALDER ADMIRA

"Die graue Maus treibt's bunt"

2005/06 hatte der iranische Investor (?) Majid Pishyar die Admira ins Verderben gestürzt. Nach vier Saisonen meldeten sich die Niederösterreicher unter der Leitung von Richard Trenkwalder in der Bundesliga zurück. Die Euphorie in der sonst nur mit spärlicher Fan-Liebe bedachten Südstadt war groß. Nach 15 Runden stand die Truppe von Trainer Didi Kühbauer gar an der Spitze. Am letzten Spieltag verhalf Sturm Graz der Admira mit einem Sieg gegen die Austria in den Europacup.

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 6. 5/4/6 20:21 19 (1,27)
Saisonende: 5. 12/11/13 53:56 47 (1,31)

DER TRAINER:

Didi Kühbauer

Der Burgenländer mischte die Liga mit dem von ihm praktizierten schnellen Umschaltspiel ordentlich auf. Immer für einen Sager gut, manchmal ein wenig zu aufbrausend und sich stets vor die teils unerfahrene Mannschaft stellend, war "Don Didi" genau das, was die Admira in dieser Aufstiegssaison gebraucht hat. Und er wurde nicht müde, zu betonen, dass das zweite Jahr viel schwerer werden würde - er sollte Recht behalten.

Sein Saisonziel: "Definitiv drinbleiben. Ob Platz 6 oder 9 ist mir egal."

PRÄGENDE SPIELER:

Patrik Jezek erlebte im Alter von 34 Jahren seinen letzten Frühling. Auf dem Platz routiniert, in der Kabine immer noch ein wenig Kindskopf, führte der Tscheche die Admira mit elf Toren und acht Assists von Erfolg zu Erfolg. Zudem ging der Stern des Philipp Hosiner (zehn Tore) auf. Und das junge Innenverteidiger-Duo bestehend aus Christopher Dibon (der das Frühjahr verletzungsbedingt größtenteils verpasste) und Richard Windbichler sorgte für Aufsehen. Außerdem durfte ein gewisser Marcel Sabitzer mit 17 Jahren erstmals Bundesliga-Luft schnuppern.

UND SONST?

So laut Jezek auf dem Platz auch war, so still wurde er, wenn er einen Journalisten erblickte. Dem Tschechen gelang es doch tatsächlich, über die gesamte Saison hinweg konsequent Interviews zu verweigern. Unvergessen auch der Saison-Abschluss, als in Salzburg die "Bullen" den Meistertitel und die Admira den Europacup-Platz mit einer Bier-Schütt-Orgie vom Feinsten feierten.

2010/11 - FC WACKER INNSBRUCK

"Das Hoch im heiligen Land"

Die gute Stimmung der rauschenden Aufstiegsfeier im Paschinger Regenschauer konnte über die Sommerpause hinweg konserviert werden. Die Fans in Innsbruck strömten zu tausenden auf den Tivoli, um den FC Wacker wieder in der Bundesliga zu sehen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Nach einem Traumstart in die Saison - in Runde elf standen die Tiroler zuletzt an der Tabellenspitze - wurde lange Zeit um die internationalen Startplätze mitgespielt.

DER TRAINER:

Walter Kogler

Der Kärntner brachte seine erste Saison in der höchsten Spielklasse reichlich unaufgeregt über die Bühne. Er ließ seine Innsbrucker nicht sonderlich spektakulär spielen, doch der Erfolg gab ihm - der mit Sportdirektor Oliver Prudlo ein ausgezeichnet eingespieltes Team bildete - Recht. Zudem vermochte es Kogler die, in Tirol nur zu schnell in völlig unrealistische Erwartungshaltung umschlagende, Euphorie zu bremsen.

Sein Saisonziel: "Wir wollen uns in der Bundesliga wieder endgültig etablieren. Wir wollen am Ende nicht zittern müssen und im Kampf um den Klassenerhalt dabei sein."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 1. 7/6/2 26:20 27 (1,80)
Saisonende: 3. 15/10/11 59:52 55 (1,53)

PRÄGENDE SPIELER:

Die im Sommer geholten Legionäre hatten zwar keine großen Namen, stellten sich aber als absolute Leistungsträger der Innsbrucker heraus. Der Tscheche Tomas Abraham mimte den umsichtigen Dauerbrenner in der Zentrale, der slowenische Stürmer Miran Burgic machte sich in erster Linie als exzellenter Vorlagengeber und erst in zweiter Linie als Vollstrecker verdient und der Baske Inaki Bea lehrte den gegnerischen Angreifern mit seiner kompromisslosen Spielweise das Fürchten. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die zehn Treffer von Marcel Schreter.

UND SONST?

Die Tiroler und ihre Finanzen. Während es sportlich gut lief, lag finanziell einiges im Argen. Die Lizenz für die kommende Saison wurde erst in zweiter Instanz erteilt, nachdem Obmann Kaspar Plattner und Konsorten gerade noch rechtzeitig ein 200.000 Euro großes Finanzloch stopfen konnten.

2009/10 - SC MAGNA WIENER NEUSTADT

"Die Rückkehr des Onkel Frank"

Mit der vom SC Schwanenstadt erworbenen Lizenz hatten die Wiener Neustädter den Aufstieg geschafft - somit war Frank Stronach zurück in der heimischen Bundesliga. Und weil Stronach eben Stronach ist, wechselte er nach Ende der Herbstsaison auch schon den Trainer - Helmut Kraft wurde vor die Tür gesetzt, Peter Schöttel trat durch selbige. Letztlich wurde nicht nur das Saisonziel (Platz fünf) erreicht, sondern auch das Cup-Finale (0:1 gegen Sturm Graz).

DIE TRAINER:

Helmut Kraft; Peter Schöttel (ab Dezember 2009)

Kraft hatte den Aufstieg geschafft und die Mannschaft nach kleineren Startproblemen gut in der Bundesliga etabliert, dennoch musste er unmittelbar nach dem letzten Spiel der Herbstsaison den Hut nehmen. An seiner Stelle durfte Schöttel ran. Für den Wiener war es das erste Engagement als Trainer in der Bundesliga, nachdem er bei Rapids Amateuren und dem Wiener Sportklub seine ersten Erfahrungen gesammelt hatte.

Das Saisonziel: "Unser Ziel ist es, unter die Top Fünf zu kommen."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 4. 7/4/4 21:14 25 (1,67)
Saisonende: 6. 13/11/12 43:42 50 (1,39)

PRÄGENDE SPIELER:

Hannes Aigner war mit seinen zehn Toren der beste der vier Stürmer, die Ansprüche auf einen Stammplatz erhoben hatten (Sanel Kuljic, Diego Viana, Mensur Kurtisi). Mehr als nur Talentproben lieferten Alexander Grünwald, Mario Reiter, Tomas Simkovic und Christian Ramsebner ab. Außerdem erarbeitete sich Keeper Saso Fornezzi den Ruf als einer der besten Goalies in der Bundesliga.

UND SONST?

Abgesehen von einigen obskuren Auftritten bei TV-Interviews war der Trainerwechsel ein klassischer Stronach. Helmut Kraft hatte am 12. Dezember zum Herbstabschluss mit dem 4:0-Heimerfolg gegen den LASK soeben den höchsten Saisonsieg eingefahren. Unmittelbar nach Spielende geschah folgendes: "Ich kam in die Kabine, und Ernst Neumann hat mir mitgeteilt, dass Frank Stronach einen neuen Trainer will. Stronach ist der Boss, und er schafft an." Anschließend ging es für Kraft ab in den bereits gebuchten Mauritius-Urlaub.

2008/09 - KSV SUPERFUND

"Die biederen Falken"

Dass es die Steirer überhaupt in die Bundesliga geschafft hatten, war nicht weniger als eine Sensation - immerhin hatten die Kapfenberger ein Jahr davor in der zweiten Liga nur die Klasse gehalten, weil der GAK und die Admira keine Lizenz bekommen hatten. Und plötzlich waren sie im Geschäft der Großen dabei. Dementsprechend war fast über die gesamte Saison hinweg Kampf gegen den Abstieg angesagt.

DER TRAINER:

Werner Gregoritsch

"Gregerl" war der Mann, der das Wunder von Kapfenberg vollbracht hatte. Dementsprechend war der Steirer im Franz-Fekete-Stadion der Star. Angesichts des unspektakulären Kaders auch nicht weiter verwunderlich. Nachdem der Saisonstart gehörig in die Hose gegangen war (nur ein Sieg aus den ersten zwölf Spielen), machte Gregoritsch seinem Ruf als Motivationskünstler einmal mehr alle Ehre und hielt mit den "Falken" letztlich doch recht souverän die Klasse.

Sein Saisonziel: "Nicht-Abstieg. Werden wir besser als Tabellenneunter, haben wir einen sehr guten Job gemacht."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 8. 4/3/8 21:31 15 (1,00)
Saisonende: 5. 13/8/15 54:58 47 (1,31)

PRÄGENDE SPIELER:

Angesichts der 81 Gegentreffer mag es ein wenig verwunderlich erscheinen, wenn mit dem tschechischen Routinier Milan Fukal und Dominique Taboga zwei Spieler genannt werden, die für das Toreverhindern zuständig waren - dennoch waren sie ganz klar Stützen der Mannschaft. Ebenso wie der 22-jährige Michael Liendl, der mit insgesamt 15 Scorerpunkten glänzte. Und Flügelflitzer Markus Felfernig (O-Ton Giovanni Trapattoni: "Isse schnell wie eine Katze") spielte ebenfalls eine auffällig gute Saison.

UND SONST?

Weil im Herbst sein Verein DSV Leoben pleite gegangen war, war der 18-jährige Deni Alar ablösefrei zu haben gewesen. Die Kapfenberger schlugen zu und verhalfen dem Steirer - damals noch ein wenig schwach auf der Brust - im Frühjahr 2009 zu seinen ersten Bundesliga-Minuten. In seinem zweiten Spiel gelang dem Talent gegen den SK Sturm in der Schlussminute der Ausgleich zum 3:3. Austrias damaliger Trainer Karl Daxbacher musste wenige Minuten später vor laufender "Premiere"-Kamera zugeben, von dem jungen Mann noch nie gehört zu haben.

2007/08 - LASK LINZ

"Das große Comeback unter Kaiser Karl"

Was hatten die LASK-Anhänger nicht alles durchmachen müssen. Die finanziell schwierige Zeit, in die der Verein durch die Rieger-Affäre geraten war, sechs Jahre in der Ersten Liga - mit einigen, wenig zielführenden Trainer-Experimenten (Didi Mirnegg, Norbert Barisits, Robert Hoffmann, Gert Trafella, Klaus Lindenberger) - und die Angst, endgültig in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. Die Rückkehr in die Bundesliga unter Karl Daxbacher lief gut, es wurde zwischenzeitlich sogar (nicht unberechtigt) auf eine Europacup-Teilnahme gehofft.

DER TRAINER:

Karl Daxbacher

Der Ex-Internationale hatte sich zuvor schon bei den Austria Amateuren, mit denen er in die Erste Liga aufstieg und dort eine gute Figur abgab, einen Namen gemacht. In Linz stellte er dann einen schlagkräftigen Kader, der eine gute Mischung aus routinierten Haudegen und hungrigen Talenten darstellte, zusammen. Der Fußball unter Daxbacher war nicht unattraktiv und auch alles andere als unerfolgreich. Nach Saisonende fand die Ehe mit dem LASK ein jähes Ende, als der Coach zur Wiener Austria wechselte, obwohl er mit Klub-Boss Peter-Michael Reichel per Handschlag schon einen Verbleib in der Stahlstadt vereinbart gehabt hatte.

Sein Saisonziel: "In erster Linie natürlich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ein Mittelfeldplatz an der 5. oder 6. Position wäre schön, wir wollen nicht unter Druck geraten."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 9. 2/3/10 15:35 9 (0,60)
Saisonende: 8. 10/6/20 48:81 36 (1,00)

PRÄGENDE SPIELER:

Ivo Vastic war die herausragende Figur auf der Gugl. Auf seine alten Tage (37 Jahre) zeigte der Stürmer mit 13 Toren und zwölf Assists, dass er immer noch zur Creme de la Creme des heimischen Kicks gehörte. Und durfte sich zu Saisonende gar über eine EURO-08-Teilnahme (inklusive einzigem ÖFB-EM-Tor) freuen. Nicht ganz so spektakulär, aber fast ebenso wichtig waren mit Michael Baur (38 Jahre) und Christian Mayrleb (35) zwei weitere Routiniers. Hinzu kamen mit Niklas Hoheneder, Florian Klein und Christoph Saurer drei Jungspunde, die ihre großes Potenzial unter Beweis stellten.

UND SONST?

Im Nachhinein am auffälligsten ist, dass - abgesehen vom Theater zu Saisonende um den Handschlag-Vertrag mit Trainer Karl Daxbacher - sich Klub-Boss Peter-Michael Reichel von Fettnäpfchen weitgehend fern hielt. Einige Saisonen später hatte LAOLA1 keinerlei Probleme mehr, einen langen Artikel mit dem Arbeits-Titel "Lachen mit dem LASK" zu verfassen.

2006/07 - SCR ALTACH

"Im Zeichen Leonardos"

Ein Dorfklub in der Bundesliga! Zu dieser Zeit noch eher ein seltener Fall, mittlerweile längst zur Gewohnheit geworden. Die Vorarlberger erlebten eine erste Bundesliga-Saison mit Ups und Downs. Ein Fehlstart mit vier Niederlagen, ein Hoch dank Stürmer-Star Leonardo, der eskalierende Streit zwischen Coach Michael Streiter und dem Brasilianer, der letztlich zur Beurlaubung des Trainers geführt hatte, und ein Saisonende auf Platz acht.

DIE TRAINER:

Michael Streiter; Rade Plakalovic (interimistisch ab April 2007)

Zunächst lief alles wunderbar. Die Altacher fanden sich in der Bundesliga gut zurecht und Streiters Truppe schien kein Problem zu haben, die Klasse zu halten. Doch im April eskalierte es. Leonardo, dessen Wechsel zur Wiener Austria nach elf Treffern im Herbst im letzten Moment geplatzt war, überwarf sich mit Streiter, der ihn nach einer überharten Attacke an einen Mitspieler im Training in die Kabine geschickt hatte. Leonardo wurde zwei Spiele lang nicht aufgestellt, dann griff die Klub-Führung ein. Weil sie den Goalgetter unbedingt verkaufen wollte, forderte sie den Trainer auf, Leonardo wieder einzusetzen. "Ich bin doch kein Hampelmann oder Clown", richtete Streiter aus. Und wurde beurlaubt. Co-Trainer Rade Plakalovic übernahm interimistisch bis Saisonende, Leonardo traf trotzdem nicht mehr und wurde erst erst ein Jahr später - nach einer torlosen zweiten Bundesliga-Saison - nach Norwegen an Ham-Kam abgegeben. Streiter wiederum heuerte nur wenige Wochen nach seiner Ausbootung bei den Red Bull Juniors an.

Das Saisonziel: "Wir wollen uns in der obersten Liga im ersten Jahr etablieren und uns in der zweiten Saison weiterentwickeln."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 3. 7/4/4 23:20 25 (1,67)
Saisonende: 6. 14/11/11 54:47 53 (1,47)

PRÄGENDE SPIELER:

Leonardo, der es letztlich auf 14 Tore und vier Assists brachte, wurde bereits ausführlich behandelt. Erwähnt werden muss aber auch sein kongenialer Sturm-Partner Froylan Ledezma - der Costa Ricaner war mit fünf Treffern und sechs Assists der perfekte Zuarbeiter. Mit den beiden Abwehrspielern Pablo Chinchilla (Costa Rica) und Alexandre Dorta (Brasilien) standen zwei weitere gute Legionäre im Kader. Und Oldie Oliver Schnellrieder, der 15 Jahre nach seinem bis dahin letzten Bundesliga-Spiel für den FC Swarovski Tirol, mit 36 Jahren noch einmal ganz oben spielen durfte, erlebte seine ganz persönliche Genugtuung.

UND SONST?

Im Winter vor dem Aufstieg hatte Altach so viel Geld wie bis dahin noch nie in die Hand genommen, um einen gewissen Modou Jagne aus Gambia zu holen. Mit sechs Toren und fünf Assists in 14 Spielen war der Angreifer im Frühjahr dann hauptverantwortlich dafür, dass es mit dem Aufstieg klappte. In der Bundesliga fand er sich dann plötzlich nur noch auf der Bank wieder. Damit nicht genug, wurde Mitte Jänner 2007 bekannt, dass er eine positive Dopingprobe abgegeben hatte - er gab den Cannabis-Konsum auch sofort zu ("Aber nur einmal!"). Die Suspendierung des Vereins wurde anschließend aufgehoben, weil der ÖFB das Verfahren eingestellt hatte, nachdem Senat 1 zum Schluss kam, dass keine leistungssteigernde Wirkung nachgewiesen werden konnte. Die Karriere von "Mary Jagne" war dennoch de facto vorbei.

2005/06 - SV RIED

"Kuljic und die starken Männer"

Das Frühjahr 2003 war für die SV Ried denkbar bitter gelaufen. Am letzten Spieltag schob sich SW Bregenz durch einen Sieg bei Meister Austria noch an den Innviertlern, die dadurch in den finalen beiden Runden einen Vorsprung von fünf Punkten verspielt hatten, vorbei. Zwei Jahre benötigten die "Wikinger", um sich zurück in die oberste Liga zu kämpfen. Dass sie dort hingehören, bewiesen sie mit Endrang vier eindrucksvoll.

DER TRAINER:

Heinz Hochhauser

Der Oberösterreicher hatte etwas zu beweisen. Nach seinem missglückten Engagement bei der Austria - Frank Stronachs "gutes Gefühl im Bauch" (Juni 2000) hatte sich als "ein Irrtum" (März 2001) erwiesen - war er nur durch ein Kurzzeit-Comeback beim FC Kärnten (Mai bis September 2002) und seine interimistische Tätigkeit in Pasching (Juli bis Dezember 2003) aufgefallen. Mit dem Rieder Wiederaufstieg und der starken Saison 2005/06 bewies er aber, dass er es in der Bundesliga durchaus kann. Er wurde im Sommer 2006 mit einem Job bei Red Bull belohnt.

Sein Saisonziel: "Das Wichtigste für den Verein ist nicht abzusteigen. Für mich persönlich darf's ein bisschen mehr sein, ich möchte nichts mit dem Abstieg zu tun haben, ein Rang zwischen sechs und acht wäre ein Traum."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 6. 6/1/8 25:29 19 (1,27)
Saisonende: 8. 11/5/20 45:64 38 (1,06)

PRÄGENDE SPIELER:

Mit Michael Angerschmid, Oliver Glasner und Herwig Drechsel bildeten drei Spieler, die 2003 den Abstieg betrauert hatten, gemeinsam mit Didi Berchtold und Ewald Brenner die routinierte Achse der Oberösterreicher. Nach einem wenig aufregenden Halbjahr in Salzburg fügte sich zudem der Südkoreaner Jung-Won Seo hervorragend in die Truppe ein und gab ihr das gewisse Etwas. Hinzu kam der 23-jährige Goalie Hans-Peter Berger, der in seiner ersten Bundesliga-Saison 15 Mal ohne Gegentreffer blieb. Der Mann der Saison war aber Sanel Kuljic, der ex aequo mit Austrias Roland Linz Torschützenkönig wurde (jeweils 15 Treffer).

UND SONST?

Kuljic sorgte Mitte April 2006 für Aufregung. Als der Stürmer, der sich im August 2005 gemeinsam mit Jürgen Säumel und Ronald Gercaliu über die erstmalige ÖFB-Team-Einberufung von Hans Krankl freuen durfte, beim Auswärtsspiel in Salzburg aus dem Bus stieg, wartete ein Empfangskomitee der örtlichen Polizei. Die Exekutivbeamten waren da, um angeblich seit einigen Jahren ausstehende Geldstrafen wegen Verkehrsdelikten einzukassieren.

2004/05 - FC WACKER TIROL

"Die unruhige Rückkehr einer Legende"

Im Sommer 2002 waren in Innsbruck die Lichter ausgegangen. Der Konkurs beförderte den FC Tirol nur wenige Wochen nach dem Meistertitel unter Joachim Löw ins Aus. Der neugegründete FC Wacker aber schaffte den sofortigen Durchmarsch von der Regionalliga West in die Bundesliga. Dort wurde in der Aufstiegssaison nicht der Klassenerhalt, sondern gleich ein Platz im Mittelfeld als Ziel angegeben. Dementsprechend unruhig wurde die Klub-Führung, als es im Herbst zwischenzeitlich nicht so rund lief: Trainerwechsel, Stanislaw Tschertschessow rein, Helmut Kraft raus. Am Ende stand Rang sechs.

DIE TRAINER:

Helmut Kraft; Stanislaw Tschertschessow (ab November 2004)

Ein Sieg und sechs Niederlagen - diese Bilanz zwischen Ende September und Anfang November kostete Helmut Kraft den Job. "Wir brauchen eine Schubumkehr", forderte Obmann Gerhard Stocker. Kraft konnte das nicht verstehen: "Für mich ist das völlig überraschend und nicht nachvollziehbar, wenn man als Aufsteiger nach 16 Runden an sechster Stelle liegt." Goalie-Legende Stanislaw Tschertschessow wurde von Regionalliga-Klub Kufstein geholt und verschob extra seine geplante Knie-Operation, um bis 8. Dezember die Tiroler trainieren zu können. Letztendlich blieb er dann doch eineinhalb Jahre länger als vorgesehen.

Das Saisonziel: "Wir streben einen Platz im Mittelfeld an, Rang fünf oder sechs."

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 8. 3/8/4 18:20 17 (1,13)
Saisonende: 4. 13/13/10 48:47 52 (1,44)

PRÄGENDE SPIELER:

Wolfgang Mair und Samuel Koejoe waren die Männer, die für Tore sorgten - am Ende der Saison hatte jeder von ihnen ein Dutzend Mal genetzt. Dieses Duo war drei Jahre davor den Weg in die Regionalliga mitgegangen. Bedient wurden sie vortrefflich vom damals schon 33-jährigen Polen Jerzy Brzeczek - ein Rückkehrer nach Innsbruck. Und auch die junge Garde des FC Wacker durfte regelmäßig ran und etablierte sich in der Bundesliga: Andreas Hölzl, Hannes Eder, Dennis Mimm, Florian Mader, Andreas Schott, Marcel Schreter und Hannes Aigner.

UND SONST?

In Innsbruck werden heutzutage Co-Trainer zu Sportdirektoren und anschließend auch noch zu interimistischen Chef-Trainern. Da überrascht es dann auch nicht mehr sonderlich, wenn man den Blick zehn Jahre in die Vergangenheit richtet und feststellt, dass Alfred Hörtnagl in der Aufstiegssaison (und auch davor schon) als Spieler und sportlicher Leiter in Personal-Union fungiert hat. 24 Mal lief der damals 37-Jährige 2004/05 auf.

 

Harald Prantl

Platz S/U/N Tore Punkte (Schnitt)
Nach 15 Runden: 5. 5/3/7 18:23 18 (1,20)
Saisonende: 6. 11/11/14 48:48 44 (1,22)
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