Beric: Unberechtigte Kritik und Vergleich mit Boyd

Aufmacherbild

87 Tage und zwölf Pflichtspiele dauert die Ära von Robert Beric beim SK Rapid erst an.

Eine Zeit, in der Eingewöhnung normalerweise an erster Stelle stehen sollte. Eine Zeit, die jedem Spieler zugestanden werden müsste, um das Spiel des Neo-Klubs kennenzulernen.

Im Fall des ehemaligen Sturm-Goalgetters ein Irrglaube. Nach nur wenigen Einsatzminuten keimte Kritik auf, Printmedien schrieben den 23-jährigen Slowenen bereits als „Fehlkauf“ ab.

Und schwärmten im selben Atemzug von Vorgänger Terrence Boyd. Doch nur wenige erinnern sich daran, dass es dem US-Boy anfangs ähnlich erging, bis - wie zuletzt bei Beric - der Knoten platzte.

Beric braucht Vergleich mit Boyd nicht scheuen

Beim 3:0-Erfolg gegen Tabellenführer WAC stockte Rapids Nummer neun sein Torkonto auf sechs Treffer auf und kletterte in der Bundesliga-Torschützenliste auf Rang zwei hinter Jonatan Soriano (11).

Damit netzte der Stürmer in vier der letzten fünf Bundesliga-Spielen, steuerte zwei Doppelpacks in Serie bei und trifft im Schnitt mit jedem dritten Torschuss – Zahlen und Fakten, die Kritik unberechtigt erscheinen lassen.

Zum Vergleich: Der aktuell verletzte Leipzig-Angreifer Boyd brachte es in seinen ersten zwölf Pflichtspielen für die Grün-Weißen auf ebenso viele Treffer (4 in der Liga, 2 in der Europa-League-Quali), rein in der Bundesliga hatte er zu dem Zeitpunkt sogar zwei Tore weniger auf dem Konto.

Und auch der US-Teamspieler war vor übler Nachrede nicht gefeit, strafte seine Kritiker mit tadelloser Statistik jedoch Lügen.

Barisic behielt Recht

Beric wurde bereits bei Sturm Graz die hohe Erwartungshaltung zum Verhängnis, obwohl er vergangene Saison mit zehn Treffern und elf Assists die Scorerwertung der „Blackies“ anführte.

Umso bemühter war Neo-Coach Zoran Barisic, um ihm diese Bürde bei den Wienern zu ersparen. Auffallend oft verteidigte er seinen Schützling und spielte die Zeitkarte aus.

„Über Robert lasse ich überhaupt nichts kommen. Gebt ihm doch Zeit. Er wird uns noch viel Freude bereiten“, meinte der 44-jährige Wiener in den vergangenen Wochen.

Dass er damit Recht behalten sollte, wird für „Zoki“ eine Art Genugtuung sein. Für den Spieler erst recht, obwohl sich dieser mit Vorliebe in Zurückhaltung übt.

„Ich habe keinen Druck verspürt“

„Ich bin schon sehr glücklich, aber muss mich bei meinem Team bedanken. Es war nicht schwierig, diese vier Tore zu erzielen“, stapelte der Torjäger nach seinen Doppelpacks in Wiener Neustadt und gegen den WAC tief.

Dass ihm einige Experten und Medien bereits negativ gesinnt waren, wollte Beric nicht überbewerten.

„Ich wusste nicht, dass ich schon in der Kritik stand. Ich habe deshalb keinen Druck verspürt“, spielte der Torgarant die Diskussionen um seine Person herunter.

Dass er sich erst an die Umstände bei seinem neuen Arbeitgeber gewöhnen musste, will er nicht verneinen. Von Woche zu Woche griff ein Rad besser ins andere.

Ein anderer Spielertyp

Viele begingen den Fehler und forderten dieselben Attribute, die Boyd an den Tag legte, der als Brecher, Kopfballungeheuer und stets präsenter Typ an vorderster Front galt.

Beric ist anders, und das ist gut so. Der von Maribor nach Österreich gekommene Angreifer geht weite Wege, kann Bälle halten, leitet Angriffe selbst ein und legt auch einmal Tore auf, anstatt stets selbst den Abschluss zu suchen.

„Robert hält uns die Bälle gut, er ist halt ein anderer Spieler als Boyd, aber man kann mit ihm Fußball spielen. Er hat den Riecher und wird uns noch viel Freude machen“, streut Mario Sonnleitner seinem Teamkollegen Rosen.

Die früh auftauchenden Zweifler verwunderten auch den Abwehrchef. „Wir haben gewusst, dass Robert ein guter Spieler ist. Es freut mich vor allem, dass er jetzt einmal außerhalb des Fünfers ein Tor gemacht hat (lacht). Er ist ein guter Spieler, da muss man sich halt einstellen.“

Dem Druck gewachsen

Auch Florian Kainz wurde anfangs mit Argusaugen beobachtet, schlug aber mit seinem Fersentor gegen den WAC und guten Leistungen wie Beric zurück.

„Druck ist bei Rapid immer da, das ist selbstverständlich. Damit muss man als Fußballer umgehen können. Es ist wichtig, immer klar im Kopf zu bleiben“, so der 21-jährige Grazer.

Die anfänglichen Misserfolge hatten ihren Teil dazu beigetragen, dass die Leistungen der Neuzugänge oftmals im falschen Licht erschienen.

Fakt ist jedoch, dass vor allem Beric nach 87 Tagen und zwölf Pflichtspielen endgültig bei den Grün-Weißen angekommen ist.


Alexander Karper

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen