"Werde den Verein nicht um jeden Preis verlassen"

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Vier Klubs, viele Verletzungen, keine Heimat.

Die letzten zweieinhalb Jahre waren für Daniel Beichler nicht nur eine sportliche, sondern auch eine gesundheitliche und letztlich menschliche Herausforderung.

Damit soll jetzt Schluss sein. Die Suche nach einem neuen Klub läuft.

Leihgeschäfte sind ausgeschlossen. Darauf hat der Vater eines Sohnes definitiv keine Lust mehr, wie er im Gespräch mit LAOLA1 erzählt.

„Ich kann meiner Familie einfach nicht verkaufen, dass ich jetzt wieder nur ein halbes Jahr irgendwo hingehe“, stellt der 24-jährige nach Gastspielen in St. Gallen, Duisburg und Ried klar.

Kein Platz im Trainingslager wegen zu großem Kader

Doch auch eine Zukunft in Berlin ist nicht mehr vorstellbar. Negativer Höhepunkt war zuletzt die Mitteilung, dass für ihn im Trainingslager kein Platz sei.

„Das kam für mich unerwartet. Immerhin war ich wieder fit. Der Trainer hat mir auch gesagt, dass er etwas von mir hält“, so Beichler, der im gleichen Atemzug die Personalsituation seiner Mannschaft aber auch versteht. „Wir sind im Angriff überbesetzt und der ganze Kader ist zu groß. Noch dazu haben die Jungs während meiner Verletzung ihre Sache gut gemacht.“

Verantwortlich für seine Nicht-Berücksichtigung soll aber nicht seine aktuelle Situation, sondern sein unglücklicher Start in Berlin sein. Vor dem Auftakt in die Bundesligasaison musste er sich damals an der Leiste operieren lassen, eine längere Pause war die Folge.

Von Beginn an schweres Standing in Berlin

„Wenn meine erste Zeit bei der Hertha glücklicher verlaufen wäre, dann hätte man jetzt nicht so einfach gesagt, dass ich im Trainingslager keine Chance bekomme. Es sind auch andere Spieler verletzt zurückgekommen, die sehrwohl mitgefahren sind. Die haben aber ein anderes Standing. Da ist es dann aber egal, dass ich im Sommer eine gute Vorbereitung und Spiele absolviert habe“, resigniert Beichler.

Nach dem sportlich geglückten halben Jahr in Ried schöpfte Beichler neuen Mut und war auch guter Dinge, dass es zwischen ihm und der alten Dame des deutschen Profifußballs noch funkt.

„Im Sommer hätte es gut passen können. Da habe ich auch gespielt. Dann habe ich mich aber leider wieder einmal schwer verletzt.“ Zuerst war es ein Kahnbeinbruch im rechten Sprunggelenk, später am Weg zurück in die Kampfmannschaft ein Muskelfaserriss.

Bei Wechsel muss "alles zu hundert Prozent passen"

Nun ist der Rechtsfuß wieder völlig fit und voller Tatendrang. „Aus meiner Vergangenheit habe ich einfach gelernt, dass es das Beste ist, den Verein zu verlassen. In Berlin gibt es einfach keine Perspektive mehr für mich.“

Allerdings hat Beichler klare Vorstellungen was seine Zukunft betrifft. „Ich werde nicht um jeden Preis den Verein verlassen, nur damit ich Aktionismus betreibe. Wenn ich nicht zu hundert Prozent sicher bin, werde ich nicht wechseln.“

Soll heißen: Nur wenn die sportliche Perspektive durch Einsatzzeit und die private für die Familie gegeben ist, kommt ein Wechsel zustande. Heißt im Umkehrschluss auch, dass er bei keinem optimalen Gesamtpaket noch ein halbes Jahr in Berlin ausharren wird.

„Das ist aber der Worst Case“, so Beichler klipp und klar.

Deutscher Zweitligist hatte Interesse

„Ich brauche jetzt einfach meinen Rhythmus. Ich kann sicher nicht sagen, dass ich gleich fünf oder sechs Tore schieße. Es muss sich jeder Verein darüber bewusst sein, dass ich eben verletzt war, jetzt aber gesund bin“, strebt er ein langfristiges Engagement an.

Seit knapp zwei Wochen hat der offensive Mittelfeldspieler von seinem aktuellen Arbeitgeber die Erlaubnis, mit anderen Vereinen zu sprechen.

Mit Sturm feierte Beichler 2010 den Triumph im Cup

Einer davon war aus der zweiten deutschen Liga. „Das war zwar interessant, aber ich habe mich einfach nicht hundertprozentig damit identifizieren können.“

Mit einem anderen kann er sich schon seit Kindesbeinen identifizieren. Die Rede ist von Sturm Graz. „Für Sturm habe ich immer ein offenes Ohr“, macht Beichler kein Hehl aus der Verbundheit zu seiner Heimat.

Tumani überzeugt Beichler

Das scheint auch auf Gegenliebe gestoßen zu sein. Sturms sportlicher Geschäftsführer Ayhan Tumani erkundigte sich bereits telefonisch beim gebürtigen Grazer.

„Er hat mich zu allererst zu meiner gesundheitlichen Situation gefragt und ich habe ihm sagen können, dass ich seit Jahresbeginn keine Schmerzen mehr habe, worüber ich mich richtig freue“, erzählt Beichler.

Doch auch Grundsätzliches stand zur Debatte. „Er wollte natürlich auch wissen, ob ich mir das Ganze vorstellen kann und hat mir die neue Philosophie des Trainerteams und des gesamten Vereins erklärt. Immerhin hat sich seit meinem Abschied doch einiges verändert.“

„Er hat auch gesagt, dass sie daran interessiert sind mich zu holen. Das Gespräch hat mir gefallen“, war Beichler von den Ausführungen des Deutsch-Türken durchaus angetan.

Nur wenn Bodul geht wäre Platz

Klingt nach einer guten Basis. Wäre da nicht ein Problem.

„Fakt ist, dass es erst konkret werden kann, wenn sie mindestens einen Spieler abgeben, weil sie sich zusätzlich keinen Spieler leisten werden können“, so Beichler.

Im konkreten Fall würde das lauten: Nur wenn Darko Bodul, der aktuell die Absicht zu wechseln hegt, Sturm verlässt, ist ein Platz für Beichler frei. (Link zur Story)

„Darauf kann ich mich natürlich nicht verlassen“, weiß der fünffache Teamspieler und hält daher die Augen und Ohren nach mehreren Richtungen offen.

„Es kann in der letzten Sekunde etwas passieren, es kann aber auch gar nichts passieren“, fasst er seine Situation zusammen. „Ich habe das Handy eingeschalten, wenn mein Berater anruft.“

Noch bleiben ein paar Tage Zeit.

 

Andreas Terler

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