"Fühlte mich als Spielball"

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Beichler: "Habe mich teilweise als Spielball gefühlt"

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Es war ein Weg der kleinen Schritte, den Daniel Beichler in der jüngsten Vergangenheit beschritten hat.

Als Talent, Cupsieger und Europa-League-Held bei Sturm Graz trat er die Reise zur Hertha aus Berlin an.

Ein Schritt mit Folgen. Vier, um genau zu sein. Denn nach nur einem halben Jahr in Deutschlands Hauptstadt folgten Gastspiele auf Leihbasis in St. Gallen, Duisburg, Ried und Sandhausen.

Nun sollen diese Zeiten der ständigen Wanderschaft vorbei sein und Beichler mit einem Schritt zurück wieder vorwärts kommen. Bei Sturm, seinem Herzensklub.

Am Freitag hat der 24-Jährige seine Rückkehr in die Steiermark fixiert.

"Wollte beim Trainingsstart dabei sein"

„In den letzten drei, vier Tagen hat das ganze konkrete Formen angenommen und ich habe ein gutes Gefühl gehabt, dass das passen könnte. Dann hat man noch abwarten müssen, wie die Sache mit der Hertha gelöst wird. Es hat insgesamt ein bisschen länger gedauert, aber es war mein Ziel, beim Trainingsstart (Montag, 17. Juni, Anm.) dabei zu sein und das haben wir jetzt ja hinbekommen“, zeigt sich der Grazer im Gespräch mit LAOLA1 erleichtert.

Trotz Vertrags war eine Zukunft bei der „Alten Dame“ ausgeschlossen. „Sie haben mir gesagt, dass sie nicht mehr mit mir planen. Also mussten noch Ablösemodalitäten geklärt werden wie die Ablösesumme, die sie ja dann nicht verlangt haben und so weiter“, schildert Beichler. Ob die Herthaner stattdessen bei einem möglichen Weiterverkauf des Offensivallrounders finanziell beteiligt werden, konnte er nicht sagen.

Es gab Interessenten, Heimat hatte Priorität

Viel wichtiger war da schon die Vertragsdauer von zwei Jahren plus Option auf ein weiteres Jahr. „Das wollte ich schon im Winter so. Schließlich bin ich oft gewechselt beziehungsweise gewechselt worden. Teilweise habe ich mich schon als Spielball gefühlt. Mittlerweile habe ich aber Familie, weshalb etwas Kurzfristiges gar nicht mehr tragbar gewesen wäre“, ist Beichler froh, dass auch Sturm den verlorenen Sohn gleich für längere Zeit unter Vertrag nehmen wollte.

Aus seiner Wertschätzung für die Schwarz-Weißen macht der fünffache ÖFB-Teamspieler, der die Jugend von Sturm durchlief, kein Hehl. Eine Tatsache, die bei seiner Zukunftsplanung eine wichtige Rolle spielte. „Es gab Interessenten, aber für mich hatte einfach Priorität, nach Hause zu kommen, weil es ein Klub ist, der mir am Herzen liegt. Außerdem sprechen private Gründe dafür. Jetzt habe ich meine Familie mit meinem Sohn um mich. Das ist mir sehr wichtig.“

Reue über Wechsel zu Sandhausen

So groß die Freude über die Rückkehr ist, umso schmerzhafter ist der Blick zurück auf das letzte halbe Jahr in Sandhausen, das sich als vergebenes herausstellte. „Es war der einzige Schritt in meiner Karriere, den ich mit dem heutigen Wissen so sicher nicht mehr machen würde“, zeigt der Rechtsfuß Reue.

Die Situation war aber keine leichte. Nach einer überstandenen Verletzung stand ein Transfer nach Graz schon im Winter kurz vor dem Vollzug. Doch plötzlich lag es an einem fehlenden Investor, der Beichler zum Schritt nach Sandhausen „zwang“ (LAOLA1 berichtete).

"Wollte nur als Stürmer wechseln"

„Ich möchte nicht sagen, dass ich dazu gezwungen war, aber zu diesem Zeitpunkt war nur mehr ein Schnellschuss möglich. Der Kontakt mit Sandhausen kam ja erst am 30. Jänner zustande. Da haben sich beide Parteien gar nicht richtig kennenlernen können. Dabei wäre es so wichtig, nach einer Verletzung in ein Umfeld zu kommen, das man kennt“, gibt sich Beichler aus mangelnder Geduld auch selbst die Schuld an diesem Fehltritt.

Überhaupt war es ein Wechsel voller Missverständnisse. „Ich habe auch gesagt, dass ich wenn als Stürmer wechseln will. Ich habe dann genau ein Spiel als Stürmer gemacht und dann nur mehr im Mittelfeld gespielt. Nachdem ich versucht habe, das zu besprechen, war das plötzlich ein Riesenthema intern. Da hätte ich wirklich das halbe Jahr auch bei der Hertha bleiben können“, lautet sein ernüchterndes Resümee.

Jetzt zählt nur noch Sturm und damit auch ein neuer Trainer, nämlich Darko Milanic. Beichler kann sich an den Slowenen als Co-Trainer noch erinnern. „Er war ganz kurz Co-Trainer, als ich bei Sturm war. Er hat damals gut mit Franco Foda harmoniert. Ich war aber damals auch noch sehr jung. Seine Erfolge zuletzt in Slowenien sprechen auf jeden Fall für sich“, blickt er einer Zusammenarbeit freudig entgegen.

Meister mit Sturm? "Irgendwann"

Welche Früchte diese Zusammenarbeit tragen wird, steht noch in den Sternen, in einem ersten Statement nahm Beichler aber auch das M-Wort in den Mund.

Auf Nachfrage schwächt er aber ab. „Das war so gemeint, dass es irgendwann ein Ziel von mir ist, Meister zu werden. Ich bin mit diesem Klub Cupsieger geworden und in die Europa League eingezogen. Da zählt dann für einen Spieler wie mich, der von der Jugend kommt und sein Herz bei diesem Verein hat, nur noch, dass man irgendwann Meister wird.“

„Dass das in den nächsten Jahren fast nicht erreichbar ist, ist ganz klar. Da gibt es mit der Austria und vor allem Salzburg zwei Mannschaften, die finanziell über uns zu stellen sind“, ist sich 30-fache Torschütze für Sturm sicher, „aber irgendwann in der Zukunft würde ich das gerne erreichen.“

Klingt fast nach einem Versprechen. Und danach, dass Beichler in den nächsten Jahren keine Schritte von Klub zu Klub, sondern innerhalb eines Klubs, seines Klubs, machen will.

 

Andreas Terler

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