Ein (un)gleiches Duo

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"Verstehen nicht, warum das kritisch beäugt wird"

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Ernst Baumeister und Oliver Lederer machen gemeinsame Sache - und das bislang äußert erfolgreich.

Seit diesem Sommer ist Baumeister Cheftrainer der Admira, Lederer nach wie vor ebenfalls im Trainer-Team. Ersterer verfügt über die nötige UEFA-Pro-Lizenz, die Lederer noch nicht vorweisen kann.

Das Gespann dürfte - vorsichtig ausgedrückt - gut harmonieren. Erstmals seit 1992 erzielte die Admira acht Tore in den ersten vier Runden. Erstmals seit 1989 hat die Admira nach vier Runden acht Punkte auf dem Konto. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte ist die Admira nach den ersten vier Runden unbesiegt.

LAOLA1 hat das Duo getroffen und nachgeforscht, warum es bislang so gut läuft und festgestellt, dass die beiden viel gemeinsam haben. Sogar sehr viel. Außer einer einzigen Kleinigkeit, wegen der es zum Zwist kommen könnte.

„Habe Friedl öfter gesehen als meine Frau“

Fangen wir bei den Gemeinsamkeiten an: Beide waren und sind nicht auf den Mund gefallen. Sowohl Baumeister als auch sein 21 Jahre jüngerer Kollege sind immer für einen flotten Spruch gut.

Auf die turbulente Sommerpause mit zahlreichen Abgängen angesprochen, reagiert Lederer etwa gelassen mit einem Lächeln: „Ich habe General Manager Alexander Friedl öfter gesehen als meine Frau. Ich habe aber natürlich sehr gerne Zeit mit ihm verbracht.“

Wenig später zieht Baumeister nach, auch er hat es auf den General Manager abgesehen: „Vielleicht macht Alex noch den Safe für den einen oder anderen Spieler auf, dann sieht es noch besser für uns aus.“

„Jetzt haben wir schnelle und neue Autos, also müssen wir auch schnell Punkte machen“, lautet seine Meinung zur Partnerschaft der Admira mit Kia. Bislang ist dies eindrucksvoll gelungen. Die Admira legte mit zwei Siegen und zwei Remis den besten Saisonstart der Klubgeschichte hin.

"Das hätten uns einige nach 20 Runden zugetraut. Jeder Punkt ist und bleibt einer gegen den Abstieg", bleibt Baumeister am Boden.

„Bin gerne Ausbildungstrainer“

Das flotte Mundwerk ist bei weitem nicht die einzige Übereinstimmung. In ihrer aktiven Laufbahn vertrauten beide auf ihren stärkeren linken Fuß.

Während Baumeister 413 Bundesliga-Spiele samt 49 Toren auf dem Buckel hat und sogar 39 Länderspiele für Österreich – einige davon bei den WM-Endrunden 1978 und 1982 – absolvierte, reichte es bei Lederer immerhin zu 62 Spielen in der höchsten Liga. 114 Einsätze verbuchte er zudem in der Ersten Liga.

Lederer und Baumeister sind für ihr flottes Mundwerk bekannt

Beide sind weiters dafür bekannt, gerne mit jungen Spielern zu arbeiten.

„Ich bin sehr gerne Ausbildungstrainer. Das ist einer der Aspekte, die im Anforderungsprofil ganz oben stehen. Wir als Trainerteam tragen die Philosophie des Vereins, junge Spieler heranzuführen, mit“, sieht Lederer nichts Negatives an seiner jungen Truppe.

Baumeister schlägt in die selbe Kerbe:  „Es ist sicher kein Nachteil, gut mit jungen Spielern auszukommen. Oliver kann aber auch gut mit jungen Spielern umgehen. Den Jungs macht es Spaß. Zudem sieht man bei ihnen die Weiterentwicklung, was bei einem älteren Spieler nicht mehr gegeben ist. Man merkt in den Gesprächen, dass sie sich jeden Tag verbessern wollen, das macht mir Spaß.“

Wie sieht die Rollenverteilung aus?

Unklar ist vielen Fans hingegen, wie die genaue Rollenverteilung im Trainer-Team aussieht. „Es ist nicht so, dass wir diese Frage ungerne beantworten. Wir können nur nicht verstehen, dass diese Konstellation kritisch beäugt wird. Es ist ein Modell, wo ein Trainer mehr im Stab ist, als in Österreich üblich. In Europa ist das inzwischen gang und gäbe“, weicht Lederer zunächst aus.

Schließlich bringt er aber etwas Licht ins Dunkel: „Wir sind alle Erwachsene und handeln im Sinne des Vereins. Die Frage, wer die Letztentscheidung trifft, gibt es für uns nicht. Ernst Baumeister ist Cheftrainer, das ist so. Warum das in Frage gestellt wird, weiß ich nicht. So war es auch bei Walter Knaller. Letztentscheidung hin oder her, es geht um den Erfolg der Admira.“

Lederer und Baumeister in ihren aktiven Zeiten

Noch etwas klarer drückt es Baumeister aus: „Bei jedem Interview wird uns diese Frage gestellt. Die Trainingssteuerung soll Oliver machen, das habe ich von Anfang an gesagt. Er ist ein junger, hungriger Trainer, der diese Erfahrung machen muss. Das heißt aber nicht, dass ich nicht mitspreche. Ich bin bei jedem Training und spreche alles mit ihm ab. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich es und er geht darauf ein.“

Kein Strohmann

Als Strohmann kann man den 58-Jährigen also keineswegs bezeichnen. Die Mannschaftsaufstellung macht das Trainer-Team immer gemeinsam: „Da gab bislang noch nie ein Problem. Wenn einer eine Idee hat, geht der Andere darauf ein. Wir sind alle erwachsen. Da wird es kein Problem geben.“

Für die Öffentlichkeit wirkte es früher oftmals so, als wäre Lederer der insgeheime „Chef“, da er zumeist bei Interviews Rede und Antwort stand. Das hat sich geändert, Baumeister traut sich nun immer öfter ins Rampenlicht.

„Abgesprochen ist eigentlich, dass ich die Interviews machen sollte. Manche Medienvertreter sprechen nur mit Oliver, das stört mich überhaupt nicht. Diesbezüglich gibt es keine klare Linie, die einzige Ansage ist eigentlich, dass ich es machen sollte. Ich bin aber gegen diese strikte Regelung“, so die FAK-Legende.

Oliver Lederer kickte bei Rapid mit einigen Größen

„Ich will es machen, wie es sich ergibt - wenn der Eine gerade verfügbar ist, soll der zum Interview gehen, beim nächsten Mal der Andere. Oliver kann ruhig öfter zum Interview gehen, das macht mir gar nichts“, gibt der zweifache WM-Teilnehmer zu, kein Selbstdarsteller zu sein.

Eigentlich war es gar nicht sein Plan, nochmals ins Profi-Geschäft zurückzukehren. „Ich hatte nicht vor, nochmals diesen Schritt zu machen. In dieser Konstellation habe ich allerdings zugesagt. Etwas Schöneres hätte mir nicht passieren können, es macht mir riesigen Spaß“, sagt er mit einem Funkeln in den Augen.

Austria vs. Rapid

Bei all den Gemeinsamkeiten und gleichen Sichtweisen gibt es einen Punkt, in dem sich das Duo unterscheidet. Und zwar gewaltig. Denn Baumeister verbrachte große Teile seiner Karriere bei der Austria, Lederer kommt hingegen aus dem Rapid-Nachwuchs.

Die „Unstimmigkeiten“ sind bereits spür- und hörbar. Auf die Frage, wer Meister 2015/16 Meister wird, antwortet Lederer: „Wir werden es wahrscheinlich nicht. Ich denke, dass Rapid gute Karten besitzt. Das ist auch eine emotionale Geschichte. Ich würde mir wünschen, dass Rapid am Ende oben steht.“

Baumeister quittiert die Aussage mit einem Räuspern. Als wirkliche Spannungen darf dies jedoch nicht gesehen werden, vielmehr als Spaß zwischen zwei Ex-Profis.

Baumeister erklärt seine Verbundenheit mit den „Veilchen“: „Ich habe 13 Jahre dort gespielt und war vier Jahre Trainer. Insgesamt war ich also 17 Jahre beim Verein. In erster Linie bin ich Admira-Trainer, darauf liegt meine volle Konzentration. Innen drin bin ich nebenbei aber Austrianer, das kann ich nicht abstreiten.“

Baumeister bei der WM 1982 mit Prohaska, Pezzey, Schachner und Co.

Darf Lederer zum Trainerkurs?

Notwendig wurde die Partnerschaft, da Lederer nach wie vor nicht die UEFA-Pro-Lizenz besitzt. Zum letzten Kurs 2014 wurde er nicht zugelassen, da er nicht über die nötige Praxis als Co-Trainer verfügt hatte. Lederer behauptete aber, ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner habe ihm versprochen, dennoch antreten zu dürfen.

Was folgte, war ein Streit zwischen Lederer und Ruttensteiner, der über die Medien ausgetragen wurde. Inzwischen sollten die Wogen aber wieder geglättet sein.

Im Jänner 2016 findet nun der nächste Kurs zur UEFA-Pro-Lizenz statt. Ob Lederer diesmal dabei ist, weiß er selbst noch nicht. Die Voraussetzungen erfüllt er inzwischen aber. „Die Ausschreibung gibt es noch nicht. Ich erfülle die Anforderungen, wie viele andere Trainer auch“, will er den Tag nicht vor dem Abend loben.

„Ich habe aus meinen Fehlern oder verfrühten Aussagen, die falsch interpretiert wurden und dann wie ein Bumerang zurückgekommen sind, gelernt. Ich bin sehr vorsichtig, was dieses Thema betrifft. Wenn es tatsächlich so weit ist, dass ich aufgenommen werde, wird eine gewisse Freude in mir aufkommen. Es ist aber nicht so, dass dieses Thema dauernd in meinen Gedanken präsent ist“, erklärt der 37-Jährige.

Wer kommt, wer geht?

Viel mehr lebt Lederer im Hier und Jetzt. Und das heißt Bundesliga mit seiner Admira. „Der Saisonstart ist gut verlaufen, das haben uns nur die kühnsten Optimisten zugetraut. Es ist wichtig zu wissen, wie wir zu den Punkten gekommen sind. Es stand sehr viel Aufwand der Mannschaft dahinter. Genau so muss es bleiben, es soll sogar noch besser werden.“

„Auf der anderen Seite müssen wir nicht die nächste Krise herbeireden. Wir sind vier Spiele ungeschlagen, mit Vorbereitungsspielen sogar schon 13 Partien lang. Man sieht, dass wir Qualität in unseren Reihen haben, jedem muss aber klar sein, was wir dafür aufwenden müssen. Sobald wir einen Meter nachgeben, ist diese Serie vorbei und kann ganz schnell ins Gegenteil umschlagen.“

Um dies zu verhindern, will er sich nicht auf den Erfolgen ausruhen. „Einige sehen sich durch die Situation beruhigt. Wir als Trainerteam sind dahinter, dass dies nicht der Fall ist. Es kann am Transfermarkt in beide Richtungen noch etwas passieren.“

Es ist also nach wie vor möglich, dass die Südstädter noch einen Spieler an Bord holen: „Es muss nicht sein. Wenn es einen Spieler gibt, der in Frage kommt, werden wir aktiv. Wir lassen uns vom Saisonauftakt nicht blenden und wissen, wo wir hin gehören. Wir sind mit einigen Spielern in Kontakt. Wenn es nicht hundertprozentig passt, werden wir es nicht machen.“

Auch mit dem ein oder anderen Abgang ist noch zu rechnen. Issiaka Ouedraogo, der mit seiner Reservistenrolle unzufrieden ist, steht vor einem Wechsel zum WAC.

„Diese Jungs sind für wenig Geld unterwegs“

Anhänger des Klubs fordern immer wieder eine Verkleinerung des Kaders. Die Rechnung ist auf dem Papier leicht: Drei Spieler, die ohnehin nicht den Durchbruch schaffen zu scheinen, abgeben und um das gesparte Geld einen gestandenen Akteur verpflichten.

Lederer winkt jedoch ab: „Dazu müsste man wissen, was die Kaderspieler, die zwischen Amateuren und Kampfmannschaft stehen, verdienen. Es würde nicht im Ansatz reichen, drei weniger zu haben, um einen gestandenen Spieler zu holen. Diese Jungs sind für wenig Geld unterwegs, weil sie auf die Perspektive, die wir ihnen bieten können, aus sind.“

„Zudem bin ich der Meinung, dass jeder junge Spieler, der bei uns im Kader steht, das Potenzial hat, Bundesliga zu spielen“, will er eigentlich keinen Spieler abgeben.

Dass auf die Admira mit der jungen Truppe trotz des sensationellen Saisonstarts eine schwere Saison wartet, streitet keiner der Coaches ab. Beide wissen aber auch um die Stärke ihrer Mannen.

Mit einem Sieg gegen die SV Ried (Samstag, 15.8., 18:30 Uhr LIVE im LAOLA1-Ticker) hätte die Admira bereits zehn Punkte Vorsprung auf die Oberösterreicher. „Eine Menge Holz“, gibt auch Lederer zu, der allerdings warnt: „Ried wurde bislang unter Wert geschlagen, das ist eine interessante Mannschaft. In Krisenzeiten kann Ried zurückschlagen, das ist zu befürchten bzw. zu erwarten. Das bislang schwierigste Spiel der Saison wartet – wir trauen uns aber zu, erfolgreich zu sein.“

Das Duell könnte bereits richtungsweisend für den Verlauf der Meisterschaft sein. Baumeister setzt generell großes Vertrauen in seine Schützlinge: „Ich glaube, dass wir in diesem Jahr besser abschneiden als letzte Saison. Ganz einfach, weil einige Jungs letztes Jahr im Abstiegskampf viel Erfahrung gesammelt haben. Wenn du so etwas erfolgreich überstehst, kommst du stärker hinaus.“ Dann sollten die Ergebnisse weiterhin stimmen und die Tabellenposition am Saisonende ebenfalls.

Und wer weiß, vielleicht machen Baumeister und Lederer dann noch länger gemeinsame Sache…

 

Matthias Nemetz

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