Einser-Team? Barisic wehrt sich

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"Deshalb keine Einser- und keine Zweiermannschaft"

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Aus einem großen Pool an Spielern wählen zu können, erleichtert die Aufgabe eines jeden Trainers.

Trotzdem lässt sich die Philosophie eines Übungsleiters oft erst durch das Finden einer klaren Stamm-Mannschaft in die Tat umsetzen.

Einer wehrt sich vehement dagegen: Zoran Barisic. Der Rapid-Trainer rotiert nach Belieben, eine Einser-Mannschaft gibt es für den 44-jährigen Wiener nicht.

Daran soll sich auch in den kommenden Wochen, in denen sich die Europa-League-Playoffs gegen HJK Helsinki zu den Bundesliga-Partien hinzugesellen, nichts ändern.

„So viele Spieler wie möglich auf gewissem Niveau“

Trotz des Aderlasses im Vorfeld der neuen Saison scheint der Chefbetreuer das Gefälle innerhalb des Kaders so klein wie möglich halten zu wollen.

„Ich habe die Pflicht, auf die Mannschaft zu schauen. Und ich habe die Pflicht, zu schauen, dass so viele Spieler wie möglich auf einem gewissen Level sind und auf ein gewisses Niveau kommen“, begründet Barisic seine Herangehensweise.

„Deshalb habe ich keine Einser- und keine Zweiermannschaft, um gewisse Spiele in Zukunft auch bestreiten zu können.“

Denn Doppelbelastung, Verletzungspech und anderweitige Ausfälle lassen die Kader-Situation oft kippen und erfordern, dass andere Spieler in die Bresche springen.

18 eingesetzte Spieler in vier Spielen

Diese Erfahrung musste Rapid schon in der vergangenen Saison machen. Doch auch damals praktizierte Barisic ein ähnliches Konzept.

In der Bundesliga-Saison 2013/14 kamen unter ihm insgesamt 26 Spieler zum Einsatz, diesen Weg setzt er unaufhaltsam fort.

Vor allem auch aufgrund der vielen jungen Perspektivspieler, die noch wenig Erfahrung mitbringen und erst unter den neuen Bedingungen wachsen können.

"Ich weiß, dass ich nicht allen gerecht werden kan. Der eine oder andere hatte sicher noch zu wenig Einsätze. Ich kann nur hoffen, dass sie die Entscheidungen akzeptieren und alle an einem Strang ziehen", stellt "Zoki" den Team-Gedanken in den Vordergrund.

Die bisherige Bilanz nach vier Bundesliga-Spielen in der Saison 2014/15: 18 eingesetzte Spieler gegen Salzburg, Ried, Admira und Sturm – damit liegt Rapid gleichauf mit den Bullen und Wiener Neustadt und nur hinter der Admira (22) und Austria (19).

Mit Torhüter Jan Novota, den drei Verteidigern Thomas Schrammel, Mario Sonnleitner und Christopher Dibon sowie dem defensiven Mittelfeldspieler Thanos Petsos gibt es nur fünf Spieler, die bisher jede Minute auf dem Platz standen.

Rechts in der Viererkette wurde Maximilian Hofmann ausprobiert und in weiterer Folge von Mario Pavelic ersetzt. An der Seite von Petsos versuchten sich schon Stefan Schwab, Dominik Wydra und Brian Behrendt.

Links in der Offensive wirbelten bereits Lukas Grozurek, Deni Alar, Florian Kainz und Philipp Schobesberger, vorne neben Robert Beric auch noch Philipp Prosenik. Und dann wären da noch Steffen Hofmann und Louis Schaub.

Doch selbst die Erfolgself, die gegen Ried den ersten und bisher einzigen Saisonsieg einfahren konnte, wurde gegen die Admira wieder an zwei Positionen verändert. Gegen Sturm kehrte man zur Variante mit Wydra statt Schwab zurück.

Auf Kosten von Alar

Vor allem Deni Alar, Siegtorschütze gegen die Innviertler, musste für Neuzugang Kainz Platz machen, der prompt seit seinem ersten Einsatz zu überzeugen wusste.

„Kainz hat sich auf Kosten von Alar bewährt“, wusste auch Barisic nach dem Admira-Spiel, begründete seine Entscheidung jedoch damit, dass Zweiterer nach einem abbekommenen Schlag gegen Ried zwei Trainingseinheiten verpasste.

Außerdem sei dieser noch nicht so weit, „drei Einsätze innerhalb von zehn Tagen auf so hohem Niveau zur Gänze zu bestreiten“, obwohl er nach seinem Achillessehnenriss bereits seit einem Dreiviertel-Jahr wieder zur Verfügung steht. Gegen Sturm saß er lange Zeit fit auf der Ersatzbank.

Während Alar nun links mit Kainz zu kämpfen hat, blockiert an vorderster Front Beric seinen Platz. Das Problem löste sich (vorerst) von selbst, da der 24-Jährige mit einem Anbruch des Mittelfußknochens sowie des Keilbeins mehrere Wochen ausfällt.

Andere Positionen sind hingegen weniger umkämpft, es herrscht ein gewisses Ungleichgewicht.

Keinen Grund hätte es gegeben, Dominik Wydra aus der Mannschaft zu nehmen. Doch „Zoki“ wollte Schwabs Motivation gegen Ex-Verein Admira ausnützen und rotierte Wydra wieder gegen Sturm zurück in die Startelf.

„Jeder hat Qualität, auf dem Platz zu stehen“

Für Petsos macht es keinen großen Unterschied, mit wem er in der Zentrale die Fäden zieht, zudem will er die Rotation nicht überbewerten.

„Ich weiß nicht, ob es stört. Bei uns hat jeder die Qualität, um von Anfang an auf dem Platz zu stehen“, meinte der Deutsch-Grieche gegenüber LAOLA1.

Spieler Einsätze im Kader Spielminuten
Mario Sonnleitner 4 4 360
Thomas Schrammel 4 4 360
Jan Novota 4 4 360
Christopher Dibon 4 4 360
Thanos Petsos 4 4 360
Steffen Hofmann 4 4 345
Louis Schaub 4 4 326
Robert Beric 4 4 272
Mario Pavelic 3 4 239
Dominik Wydra 4 4 231
Deni Alar 4 4 180
Florian Kainz 2 2 166
Stefan Schwab 3 4 129
Maximilian Hofmann 1 3 90
Lukas Grozurek 2 2 87
Brian Behrendt 2 4 39
Philipp Schobesberger 2 2 37
Philipp Prosenik 1 2 5

Tatsächlich nützte Barisic alle bis auf zwei Alternativen, die bis dahin zur Verfügung standen. Diese heißen Stefan Stangl, der zwar vier Mal auf der Bank Platz nahm, jedoch zu keinem Einsatz kam und Srdjan Grahovac, für den die Spielerlaubnis erst nach dem ersten Spieltag hereinflatterte.

Ansonsten kamen nur die Ersatztorhüter Marko Maric, Tobias Knoflach sowie die rekonvaleszenten bzw. verletzten Michael Schimpelsberger, Dominik Starkl und Andreas Kuen (noch) nicht zum Einsatz.

„Dass die nicht von heute auf morgen funktionieren, ist klar“

Barisic wird seiner Linie treu bleiben und wehrt sich gegen eine Einserelf. Möglicherweise aber auch deshalb, weil zurzeit keine zu erkennen ist.

Die Abgänge von fünf Leistungsträgern haben Spuren hinterlassen. Viele der ambitionierten Neuzugänge sind Versprechen für die Zukunft, noch fehlt diesen jedoch die Reife.

„Fünf Leistungsträger, das ist die halbe Mannschaft. Aber wir haben ja gute Spieler dazu geholt. Wir haben sehr viele junge Spieler, die sehr viel Potenzial haben. Dass die nicht von heute auf morgen funktionieren und die Automatismen nicht sofort greifen, ist mir doch klar.“

Deshalb Barisic‘ Aufruf: „Gebt den Buben eine Chance, ein bisschen Zeit.“ Deshalb die Rotation, deshalb keine Einser-Mannschaft.


Alexander Karper

Spieler Einsätze im Kader Spielminuten
Stefan Stangl 0 4 0
Marko Maric 0 3 0
Tobias Knoflach 0 1 0
Srdjan Grahovac 0 1 0
Dominik Starkl 0 0 0
Andreas Kuen 0 0 0
Michael Schimpelsberger 0 0 0
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