"Globetrotter" im Abstiegskampf

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Ein "Globetrotter" im Kapfenberger Abstiegskampf

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Mit gerade einmal 1,69 Metern, quirligen Locken und einem verschmitzten Lächeln steht er vor uns: Haruna Babangida.

Auch wenn er von seiner Körpergröße her sicher nicht zu den Größten im Kader des Kapfenberger SV zu zählen ist, ist er vom Namen her ganz oben anzusiedeln.

Dank seiner zwei älteren Brüder: Tijani spielte 40 Mal für das nigerianische Nationalteam und für Ajax Amsterdam, noch bekannter ist Celestine Babayaro, der viele Jahre bei Chelsea für Furore sorgte.

Mit 29 Jahren ist Haruna der Jüngste, doch auch er blickt auf Stationen bei Ajax und Barcelona zurück. Nun will er für die Obersteirer die Kohlen aus dem Feuer holen.

Von Heesen erinnerte sich an seinen Ex-Schützling

„Es ist großartig, hier diese Chance zu bekommen. Vor allem, wenn man ein halbes Jahr nicht gespielt hat und gleich im ersten Spiel wieder auf dem Platz steht. Dieses Gefühl ist für jeden Fußballer wichtig“, freut sich Babangida im Gespräch mit LAOLA1 über seinen Neuanfang in Kapfenberg.

Dass er dabei mit Gelb-Rot vom Platz musste, konnte seine Begeisterung für den neuen Arbeitgeber nicht trüben. Zu dankbar ist er Trainer Thomas von Heesen, der sich an den schnellen Stürmer erinnerte.

„Er hat mich schon von Apollon Limassol gekannt und wusste, wie ich spiele. Ich kenne ihn sehr gut. Als ich seinen Anruf bekam, musste ich nicht lange nachdenken“, so Babangida.

In der neu formierten Truppe spielt der Nigerianer eine wichtige Rolle. Laut dem deutschen Coach wäre beim 0:0 gegen Sturm mit dem wieselflinken, aber zu diesem Zeitpunkt gesperrten, Angreifer noch mehr nach vorne möglich gewesen.

Kapfenberg für Babangida ein Neubeginn

Bei den Steirern wurde er mit offenen Armen empfangen. „Ich bin jetzt schon einige Zeit hier. Es ist eine tolle Truppe von Spielern und guten Vereinsverantwortlichen. Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden.“

Vor seinem Engagement in der Bundesliga war der einmalige nigerianische Nationalspieler ein halbes Jahr vereinslos. Eine Zeit, über die er nicht gerne Details verliert.

„Ich hatte ein paar Probleme, über die ich nicht gerne spreche. Ich habe es bevorzugt, ein halbes Jahr bei keinem Team zu spielen.“

Als er nach der spielfreien Zeit damit konfrontiert wurde, Kapfenberg aus dem Abstiegsstrudel zu helfen, willigte der humorvolle Stürmer sofort ein.

Klassenerhalt? „Deshalb bin ich hier“

„Deshalb bin ich hier. Wenn ich davon ausgegangen wäre, dass Kapfenberg in die Erste Liga absteigt, hätte ich nie überlegt, hierherzukommen. Wir werden unser Bestes geben, aber im Fußball gibt es keine einfachen Aufgaben“, glaubt Babangida an den Klassenerhalt.

Der Start in die Rückrunde fiel mit vier Punkten aus zwei Spielen vielversprechend aus. Aus Sicht des Neuzugangs „wichtig, um wieder Selbstvertrauen zu tanken.“

„Wir haben noch nicht viele Punkte. Aber wir müssen jede Woche versuchen, unsere Spiele zu gewinnen und hoffen, dass unsere Konkurrenten Punkte lassen.“

Am Mittwoch bietet sich im Nachtragsspiel gegen die Admira die erste Möglichkeit, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Babangida kehrt nach seiner Sperre wieder in Von Heesens Aufgebot zurück.

Vom Shootingstar FC zu Ajax und Barcelona

In seiner Karriere hat der Afrikaner schon die eine oder andere Station hinter sich gelassen: Niederlande, Spanien, Ukraine, Griechenland, Deutschland – um nur einige zu nennen. Beim Wort „Globetrotter“ muss er lachen, findet die Bezeichnung aber passend.

„Ich bin schon viel herumgekommen und habe viele Plätze gesehen. Ich liebe es, herumzureisen.“ Aller Anfang gelang aber in seiner Heimat, bei einem Team namens „Shootingstar FC“.

Diesem Motto blieb er auch in weiterer Folge treu. „Von der Fußballakademie in Nigeria bin ich dann nach Europa gekommen und habe bei Ajax begonnen.“

In der weltweit bekannten Nachwuchsschule der Niederländer reifte Babangida heran, ehe er daraufhin mehrere Jahre in der Jugend des FC Barcelona unterkam – teilweise wurde er verliehen, teilweise kam er sogar in der B-Elf zum Einsatz.

„Habe mit vielen großartigen Spielern gespielt“

„Das waren schon großartige und tolle Teams. Beide hatten hervorragende Akademien, wo in jungem Alter alles begann.“

Mit dem einen oder anderen Spieler, der danach zum Star reifte, stand er auf dem Platz, Namen nennt er jedoch keine. „Ich habe mit vielen großartigen Spielern gespielt.“

Zum großen Durchbruch reichte es für Babangida aber nicht. Bei seinen letzten Engagements bei Mainz 05 und Vitesse Arnheim konnte er nach guten Zeiten bei Olympiakos Piräus und Apollon Limassol nicht mehr Fuß fassen.

In Kapfenberg soll sich alles wieder zum Positiven wenden. Denn im Abstiegskampf könnte der kleine Mann ganz groß werden.


Alexander Karper

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