Salzburg: Die Auswirkungen des Radikal-Umbruchs

Aufmacherbild
 

Eigentlich wollte man ja in Salzburg dieses Jahr einen radikalen Umbruch vermeiden.

Wieder alles umzukrempeln, wieder von Null zu beginnen war so gar nicht der Plan.

Im Gegenteil: Es sollte endlich Kontinuität einkehren, ein langfristiger Aufbau gestartet werden.

Aber der Rücktritt von Ricardo Moniz brachte eine regelrechte Lawine ins Rollen.

Alles neu macht der Sommer

Mit Ralf Rangnick kam ein neuer starker Mann, der bei Red Bull so ziemlich alles umkrempelte, was es umzukrempeln gab.

Die niederländische Ära war Geschichte, die deutsche hatte begonnen.

Von der Geschäftsführung über das Trainer-Team bis hin zur Mannschaft ist beim Double-Sieger nun alles neu.

Vor allem der Kader wurde am letzten Transfertag (hier geht’s zur Übersicht) noch einmal kräftig verstärkt.

Acht Neuzugänge

Vier Neuzugänge zog Rangnick alleine am 31. August an Land, insgesamt hat der 54-Jährige acht neue Spieler verpflichtet. Mit dem von Moniz geholten Trio (Dibon, Klein, Ilsanker) sind es elf.

Da aber mit Gonzalo Zarate (YB Bern) nur ein Spieler in der Ära Rangnick den Klub verließ, tummeln sich mittlerweile 29 (!) Feldspieler im „Bullen“-Kader.

„Unser Hauptaugenmerk liegt auf dem Umstand, die Qualität des Kaders Schritt für Schritt zu verbessern. Das Ziel ist deshalb, eine ausgewogene Mischung aus jungen, lernwilligen Spielern und Führungsspielern zu holen“, rechtfertigt der neue Red-Bull-Macher seine Shoppingtour.

Und obwohl viele Neuzugänge gerade einmal 20 Jahre oder jünger sind, werden sie über kurz oder lang das Grundgerüst der Salzburger bilden – von den letztjährigen Double-Gewinnern bleibt daher nicht mehr viel übrig.

LAOLA1 beleuchtet den radikalen Umbruch in Salzburg und zeigt, welche Auswirkungen dieser hat.

  • Die Neuen:

Issac Vorsah, Rodnei, Kevin Kampl, Bright Edomwonyi, Sadio Mane, dazu noch die vor wenigen Wochen verpflichteten Havard Nielsen, Valon Berisha und Zymer Bytyqi (ab 1. Jänner 2013) – in Salzburg baut man künftig vor allem auf die Jugend. Das Durchschnittsalter der Neuzugänge beträgt 20 Jahre. „Wir wollen einen Kader, der Perspektive hat. Uns schwebt eine gewisse Spielweise vor, die von Dynamik und Aggressivität geprägt ist. Dafür sind vor allem junge Spieler offen“, erklärt RBS-Coach Roger Schmidt. Berisha und Nielsen sind bereits fixe Größen; Vorsah und Rodnei sollen der Defensive endlich Stabilität geben; Kampl, Edomwonyi und Mane das Offensivspiel beleben.

                                    SO KÖNNTE "SALZBURG NEU" AUSSEHEN

  • Die Alten:

Für die Double-Sieger der vergangenen Saison sind spätestens seit dem letzten Transfertag harte Zeiten angebrochen. Stefan Maierhofer, Jakob Jantscher und Co. kamen bislang schon kaum über die Reservistenrolle hinaus und werden auch künftig nur die zweite Geige spielen. Jantscher könnte überhaupt noch das Weite suchen. Dynamo Moskau ist am Torschützenkönig der vergangenen Saison interessiert und könnte den 23-Jährigen noch bis 6. September nach Russland holen. Auch die „Langzeit-Bullen“ Christoph Leitgeb und Ibrahim Sekagya (beide seit 2007 im Verein) werden wohl nur mehr eine Nebenrolle einnehmen – ihr Vertrag läuft aber ohnehin nächsten Sommer aus. Der Rest der Reservisten wird in der Winterpause einen erneuten Versuch starten, den Verein zu wechseln. Betroffen sind vor allem Joaquin Boghossian, Rasmus Lindgren, Cristiano und Douglas da Silva. Mit dem Double-Sieger-Kader hatte Schmidt im Prinzip seit der Düdelingen-Blamage abgeschlossen.

  • Die Aussichten:

Fast 18 Millionen Euro soll Rangnick für seine acht Neuzugänge ausgegeben haben – alleine für das Trio Vorsah, Mane und Kampl musste der Deutsche kolportierte elf Millionen hinblättern. Aber Geld spielt im Red-Bull-Konzern ohnehin eine eher untergeordnete Rolle, wie Rangnick unlängst bei einer Podiumsdiskussion in Leipzig erklärte: „Bei einer unserer ersten Besprechungen hat mir Klubbesitzer Dietrich Mateschitz erklärt, dass es kein Budget gibt, sondern nur Geld für sinnvolle Maßnahmen.“ Wie sinnvoll diese Maßnahmen nun wirklich sind, wird sich in den kommenden Monaten herausstellen. Es wird jedenfalls einige Zeit dauern, bis sich die Neuzugänge in Salzburg zurechtfinden und jenen Spielstil umsetzen, den sich Rangnick und Schmidt vorstellen. Nur Zeit ist eine der wenigen Dinge, die man in Salzburg nicht hat – Fans und Umfeld wollen unmittelbar Erfolg.

Kurt Vierthaler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen