Viele offene Fragen bei der Austria

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Die Würfel sind gefallen.

Nach der am Montag stattgefundenen Aufsichtsratsitzung gab die Wiener Austria bekannt, das Engagement mit Trainer Ivica Vastic per 31. Mai zu beenden (Alle Infos).

Die Entscheidung, die Option auf eine einjährige Verlängerung nicht zu ziehen, kam wenig überraschend, war nach der durchwachsenen Leistung im Frühjahr und der verpassten Europacup-Teilnahme ein offenes Geheimnis.

Dass Franco Foda der Wunschkandidat auf den vakanten Trainer-Posten ist und es bereits ein erstes Gespräch mit dem Deutschen gab, wurde bestätigt.

Sturms Meistermacher hat jedoch andere Pläne. Der zweifache Internationale wird neuer Trainer bei Absteiger 1. FC Kaiserslautern.

Der Deutsche soll am Mittwoch der Öffentlichkeit vorgestellt werden - mit Co-Trainer Thomas Kristl an seiner Seite. Mit ihm soll er den Wiederaufstieg mit den "Roten Teufeln" vom Betzenberg schaffen.

Soviel zu den Fakten.

Einige Fragen bleiben für die Austria daher unbeantwortet. Was passiert, wenn Foda nicht kommt? Wie sieht der Kader für die kommende Saison aus? Welche Folgen hat der verpasste EC-Startplatz?

LAOLA1 versucht Antworten zu geben:

Wie ist das Gespräch mit Foda verlaufen?

Die Austria hat sich für Franco Foda entschieden. Der Deutsche aber nicht für die Veilchen. Dabei verlief die erste Kontaktaufnahme am Samstag noch vielversprechend. „Wir waren überrascht, wie sehr sich Foda bereits mit der Austria beschäftigt hat“, berichtet AG-Vorstand Thomas Parits. Im zweistündigen Gespräch hat sich der 46-Jährige unter anderem sehr positiv über die professionellen Strukturen bei den Wienern geäußert. Es wurde auch über die Rolle von Co-Trainer Manfred Schmid gespochen. „Hier werden wir eine gute Lösung finden“, versichert Parits, der Schmid gerne halten würde. Mit dem Nachsatz: „Das ist jetzt aber alles noch sehr hypothetisch. Schließlich muss sich Foda überhaupt erst für uns entscheiden.“ Und das ist eben nicht der Fall.

Wie sieht Plan B aus, wenn Foda nicht kommt?

Foda machte keinen Hehl daraus, dass ihn ein Job in seiner Heimat reizen würde: "Die Bundesliga war schon immer mein Ziel", verriet er unlängst. Lautern zeigte bereits 2009 Interesse am gebürtigen Mainzer, damals blieb er jedoch in Graz. Diesmal wird er das Angebot der "Roten Teufel" allerdings annehmen. Austria muss sich also in der Trainersuche neu orientieren. "Wir werden jetzt aber kein Name-Dropping machen, wollen nicht sagen, dass ist Wunschkandidat eins, zwei, drei“, geht AG Vorstand Markus Kraetschmer nicht auf mögliche Kandidaten wie Peter Stöger oder Walter Kogler ein. Parits erklärt das Anforderungsprofil des gesuchten Chefcoachs: „Wir wollen einen erfahrenen Trainer, der sich zu Austrias Philosophie und Leitbild – dem offensiven Spielstil – bekennt. Eine violette Vergangenheit ist nicht zwingend notwendig.“

Wie verläuft die Kaderplanung ohne neuen Trainer?

In Bereich Kaderplanung wartet alles auf die Bestellung des neuen Trainers. „Sobald dieser feststeht, werden wir mit ihm besprechen, auf welchen Positionen wir nachrüsten werden. Wir werden uns aber definitiv verstärken“, verspricht Parits.  Einige Personalien haben sich auch schon von alleine gelöst. Florian Klein wird die Austria verlassen. Via „twitter“ verabschiedete sich der 25-Jährige bereits von seinen Mannschaftskollegen. „Ja, Florian verlässt uns. Sein Manager hat mir gesagt, dass er drei Angebote aus Deutschland hat. Er hat aber noch nirgends unterschrieben“, so Parits, der auch den Abgang von Michael Liendl anspricht: „Er hat eine Vertragsverlängerung von zwei Jahren plus Option abgelehnt. Ich weiß nicht, was er macht.“ Ebenfalls ein Thema: Die „Akte Roland Linz“. Der Goalgetter sorgte sowohl unter Karl Daxbacher als auch Vastic für Aufregung. Ein Abgang ist trotz laufenden Vertrags bis 2013 nicht ausgeschlossen. „Wenn der neue Trainer auf ihn baut, dann stellt sich die Frage aber gar nicht“, erklärt Parits, der sich unabhängig davon in den nächsten Tagen mit Linz-Berater Skender Fani treffen wird.

Welche Gründe führten zu Vastic‘ Aus?

Nach nur 152 Tagen muss Vastic die Austria also wieder verlassen. Diese Entscheidung hat aber nicht nur sportliche Gründe. Auch die teilweise unglückliche Außendarstellung des 42-Jährigen  wurde miteinbezogen –  im speziellen die öffentliche Verharmlosung nach schwachen Leistungen. Die Äußerungen hätten für die mediale Kritik gesorgt. „Fußball ist auch eine Showbranche – und da gehört auch eine gute PR-Arbeit dazu“, stellt Kraetschmer fest. Der langjährige Austria-Mitarbeiter verteidigt den Austro-Kroaten aber auch. „Wir würden mit dem Wissen vom 20. Dezember genauso handeln und Daxbacher durch Vastic ersetzen. Ivo wird seinen Weg als Trainer gehen. Wir haben in den letzten fünf Monaten alle viel gelernt. Es ist nicht nur Ivos Schuld, dass wir unser Ziel verpasst haben. Vielleicht haben wir ihn auch in eine falsche Euphorie getrieben.“ Dennoch sei man gemeinsam zum Schluss gekommen, dass eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn macht.

Welche Folgen hat der verpasste EC-Startplaz?

Austria ist nächste Saison erstmals seit zehn Jahren nicht international vertreten. „Das soll ein einmaliger Ausrutscher bleiben“, verspricht Kraetschmer. Da es im nächsten Spieljahr die historische Chance auf zwei Champions-League-Quali-Plätze gibt, sei Rang eins oder zwei das hochgesteckte Ziel. Aus diesem Grund wurde auch das Budget trotz verpasster Einnahme-Quelle Europa-League nicht gekürzt. Im Gegenteil. Die Summe für die Kampfmannschaft wurde sogar um 10 Prozent erhöht. „Wir wollen in die Qualität der Mannschaft und des Trainerteams investieren, um ein möglichst wettbewerbsfähiges Team aufstellen zu können. Wir suchen das Einsparungs-Potenzial in anderen Bereichen“, bestätigt Kraetschmer.

Martin Wechtl

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