"Die Verfolgerrolle ist ein bisschen angenehmer"

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Die Tabellenführung hat die Wiener Austria mit dem 1:1 gegen die SV Ried verpasst.

Dafür wurde eine andere imposante Serie fortgesetzt bzw. ausgebaut.

Der direkt verwandelte Freistoß von Raphael Holzhauser zum 1:0 war bereits der zwölfte Treffer, der aus einem ruhenden Ball resultierte. Bei insgesamt 18 erzielten Toren ein unheimlicher Wert.

In dieser Kategorie sind die Veilchen absoluter Spitzenreiter in Österreich und auch im Vergleich mit den Teams der europäischen Spitzenligen top unterwegs.

In allen acht Bundesliga-Runden konnte bisher zumindest einmal nach einer Standard-Situation gejubelt werden. Diese neue Stärke kommt für Trainer Thosten Fink keinesfalls von irgendwo: „Wir machen viel im Bereich Standards. Etliche Sachen sind einstudiert.“

Riesige Qualität

Im Training wird tagtäglich an Ideen für neue Varianten getüftelt. „Die Mannschaft selbst hat Dinge, die sie machen will, einiges kommt auch von uns aus dem Trainerteam“, verrät der Deutsche.

Ried-Coach Paul Gludovatz zieht jedenfalls den Hut und lobt den 24-fachen Meister in den höchsten Tönen: „Standards mit so viel Drive, Power, Elan und Qualität zu bringen, ist eine Waffe. Das macht es für jede Mannschaft unheimlich schwer. Man braucht viel Glück, um kein Gegentor zu kriegen. Das Team hat in dieser Hinsicht riesige Qualität.“

Austrias Gegner sollten Fouls in der Nähe des eigenen Strafraums daher tunlichst unterlassen. Denn dass die Violetten diese Situationen suchen und teilweise provozieren, liegt auf der Hand.

Zwei direkt verwandelte Freistöße

Mit Alexander Grünwald und Raphael Holzhauser haben bereits zwei Veilchen Freistöße direkt verwandelt. In der gesamten Vorsaison durften sich die Violetten nur über ein einziges Freistoß-Tor freuen (Markus Suttner).

Rapids Thanos Petsos ist in der aktuellen Spielzeit übrigens der einzige Kicker aller anderen Bundesligisten, der bisher aus einem Freistoß getroffen hat.

Hinzu kommen fünf Elfmeter (vier direkt, einer im Nachschuss), die Gorgon schon nutzen konnte.

Lary Kayode ist der mit Abstand am häufigsten gefoulte Kicker (25) - nicht nur Austria intern, sondern ligaweit. Danach folgen in Wien-Favoriten Alexander Gorgon (15) und Christoph Martschinko (12).

Dass es sich dabei um drei Flügelspieler handelt, ist wenig überraschend, schließlich bevorzugen die Wiener den Weg über die Außenbahnen.

Name

Gefoult

Lary Kayode

25

Alexander Gorgon

15

Christoph Martschinko

12

Ognjen Vukojevic

11

Raphael Holzhauser

9

Kevin Friesenbichler

8

Alexander Grünwald

7

Doch steht eine Mannschaft tief und noch dazu so gestaffelt wie die Rieder, kommen die Schwächen von Grünwald und Co. ans Tageslicht.

Denn der FAK tut sich immens schwer, einen defensiven Gegner spielerisch zu entschlüsseln, wie die jüngsten zwei Duelle gegen Admira  und Ried verdeutlichten.

„Spielerisch gute Mannschaften kommen uns entgegen, weil wir gegen die unser Spiel auch aufziehen können. Aber es stehen eben sehr viele Mannschaften sehr tief – da müssen wir noch an uns arbeiten“, weiß Kapitän Robert Almer bei LAOLA1 und gesteht: „Wir sind noch lange nicht dort, wo wir hin wollen, wo wir hin müssen.“

Nach dem guten Saisonstart sind die Erwartungen in der Öffentlichkeit gestiegen. Ein Umstand, der laut Alexander Gorgon gefährlich ist: „Aufgrund der guten Ergebnisse – obwohl die Leistungen vielleicht nicht so überzeugend waren – stuft man uns schon ein bisschen höher ein, als es uns eigentlich recht ist.“

„Bessere Ergebnisse, als die Leistung oft war“

Der siebenfache Saisontorschütze kann die Situation gut einschätzen. „Wir haben bessere Ergebnisse erzielt, als die Leistung oft war. Wir wissen genau, was uns in dieser Saison erwartet – es gibt keine einfachen Spiele und wir dürfen uns nicht nur auf das Spielerische verlassen.“

Deswegen scheint es Gorgon nicht zu stören, zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft nicht von der Tabellenspitze zu lachen.

„Die Verfolgerrolle ist ein bisschen angenehmer, weil man Druck ausüben kann.“

Alle Fouls in der gegnerischen Hälfte und die zwölf Austria-Standard-Tore im Überblick:

Name

Verein

Gefoult

Lary Kayode

Austria

25

Donis Avdijaj

Sturm

21

Dieter Elsneg

Ried

21

Martin Rasner

Grödig

21

Dominik Hofbauer

Altach

18

Oliver Kragl

Ried

18

Kristijan Dobras

Sturm

18

Patrick Farkas

Mattersburg

17

Alios Höller

Mattersburg

16

Alexander Gorgon

Austria

15

Manuel Gavilan

Ried

15

Jano

Mattersburg

15

1. Runde: WAC (a) 2:0

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

1. Standard-Tor!

Nach einem Foul an Kayode eröffnet Gorgon die Austria-Saison mit einem Elfer-Tor.

2. Runde: Altach (h) 3:1

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

2. und 3. Standard-Tor!

Nach einem Corner von Holzhauser bringen die Vorarlberger den Ball nicht richtig weg, letztlich ist es Vance Shikov, der trifft. Danach: Holzhauser mit einem Freistoß von der rechten Seite, Hofbauer mit dem Handspiel und Gorgon verwandelt den nächsten Elfmeter.

3. Runde: Grödig (a) 2:2

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

4. und 5. Standard-Tor!

Zunächst zirkelt Grünwald den Ball bei einem Freistoß an der schlecht stehenden Mauer vorbei ins Tor, dann sorgt Pichler nach einem Eckball von Kehat per Eigentor für den 2:2-Endstand.

4. Runde: Rapid (h) 2:5

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

6. und 7. Standard-Tor!

Gorgon, der selbst gefoult wurde, scheitert mit seinem Elfer zunächst an Jan Novota, trifft aber dann im Nachschuss. In der 72. Minute folgt ein Freistoß-Trick: Gorgon hinterläuft Holzhauser, der spielt den ruhenden Ball in den Strafraum und "Gogo" vollendet seinen Doppelpack.

5. Runde: Mattersburg (h) 5:1

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

8. und 9. Standard-Tor!

Fran legt Kayode, wieder ein Elfer für die Austria, Gorgon versenkt. Den Schlusspunkt zum 5:1 setzt Kayode per Kopf nach einem Eckball von Holzhauser.

6. Runde: Salzburg (a) 2:2

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

10. Standard-Tor!

Wieder ein Eckball von Holzhauser, diesmal ist es Grünwald, der den Ball über die Linie drückt.

7. Runde: Admira (a) 1:0

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

11. Standard-Tor!

Foul an Friesenbichler, und Gorgon, der Elferschütze vom Dienst, lässt auch diesmal nichts anbrennen.

8. Runde: Ried (h) 1:1

In der gegnerischen Hälfte gefoult:

12. Standard-Tor!

Der zweite direkt verwandelte Freistoß der Violetten in dieser Saison. Holzhausers mit einem Flachschuss, der noch leicht abgefälscht wird.

Martin Wechtl/Harald Prantl

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