Zwei Wiener Klubs, ein Problem

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Zwei Wiener Klubs, ein großes Problem

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Am Sonntag haben sich Rapid und Austria vor 29.800 Menschen im Happel-Stadion duelliert. Es war die größte Bühne, die den heimischen Kickern in der laufenden Bundesliga-Saison geboten wurde.

Abseits des Rampenlichts und des Interesses einer breiteren Öffentlichkeit bahnt sich für die beiden Wiener Großklubs indes ein mittelgroßes Drama an.

In der Regionalliga Ost sind die Amateur-Teams der Erzrivalen akut vom Abstieg bedroht. Sollten die Talente in die Wiener Liga absteigen, hätte das weitreichende Konsequenzen. Wobei sich die Sichtweise der beiden Klubs in diesem Fall doch recht deutlich voneinander unterscheidet.

Die Ausgangslage

Die Ausgangslage ist ein wenig kompliziert. Aus der Ostliga steigen definitiv drei Teams ab. Wenn jedoch der Floridsdorfer AC und der SV Horn den Klassenerhalt in der Ersten Liga verpassen und Parndorf bzw. Ritzing (sofern die Lizenz doch noch erteilt wird) die Relegation nicht schaffen, gibt es in der Regionalliga fünf Absteiger – also die Plätze 12-16.

Aktuell stehen die Rapidler und die Austrianer punktegleich auf den Plätzen zehn und elf. Zwei Runden sind noch zu spielen. Zum Saisonfinale kommt es am 29. Mai (18:30 Uhr) zum direkten Duell am Elektra-Platz, auf dem die Jung-Rapidler ihre Heimspiele austragen. Eine Stunde nach Spielende wird auch die letzte Runde der Ersten Liga abgepfiffen. Eine überaus dramatische Situation also.

Ein One-Way-Ticket

Zudem ist ein Abstieg eines Amateur-Teams aus der Regionalliga derzeit nicht einfach nur ein Abstieg. Vielmehr dürfte es ein One-Way-Ticket in die Bedeutungslosigkeit sein.

Denn das aktuelle Regulativ sieht vor, dass maximal drei Amateur-Teams in einer Regionalliga spielen dürfen. Weil man zum Zeitpunkt des Beschlusses aber keine zweite Mannschaft eines Bundesliga-Klubs zwangsabsteigen lassen wollte, durften vorerst alle fünf (Austria, Rapid, Admira, Mattersburg, St. Pölten) oben bleiben. Wenn jedoch kein Platz für Amateur-Teams „frei“ ist, hilft auch kein Meistertitel in der Landesliga, um zurückzukehren.

Eine Ausnahme gibt es: Wenn in der Regionalliga "nur" drei Amateur-Teams spielen und ein viertes in der Landesliga Meister wird, spielt dieses gegen das am schlechtest platzierte Regionalliga-Amateur-Team Relegation.

Zwei Sichtweisen

Für Willi Schuldes, der seit März sportlicher Leiter der Rapid Amateure und Akademie ist, stellt dies im LAOLA1-Interview kein Problem dar: „Lieber wäre es uns in der Regionalliga. Andererseits, wenn wir so spielen wie Rapid II aufgestellt sein soll – nämlich eigentlich als U19-Mannschaft –, dann kann das gleiche auch in der Wiener Liga stattfinden. Nämlich die Adaptierung gegen Erwachsene. Es geht ja um unser Spiel, und gegen Erwachsene spielen wir trotzdem.“

Rang Klub Tore Punkte
9. St. Pölten (A) -5 36
10. Rapid (A) 7 35
11. Austria (A) 1 35
12. Mattersburg (A) -5 35
13. Wr. Sportklub -2 34
14. Stegersbach -17 32
15. Donaufeld -12 30
16. Neuberg -68 9

Bei den Veilchen ist es seit dem Abgang von Ogris zu den Profis und der Übernahme von Roman Mählich steil bergab gegangen. In neun Spielen konnte nur ein Sieg bzw. fünf Punkte gesammelt werden. „Man merkt den Substanzverlust. Durch das Raufziehen von Marko Kvasina, Alexander Frank und Tarkan Serbest haben die Amateure gelitten“, sagt Kraetschmer.

Schuldes führt im Falle des SCR ähnliche Gründe an: „Bei den Profis sind natürlich schon viele Spieler dabei, die vor zwei, drei Jahren noch in der Regionalliga ein wichtiger Faktor waren, wie Pavelic, Schaub, Wydra, Max Hofmann oder Behrendt. Das sind fixe Größen.“

„Aber das ist eigentlich das Schöne und auch klar, dass die Lücke nicht unmittelbar von jedem 16-, 17-, 18-Jährigen geschlossen werden kann. Trotz aller Strategie und Durchgängigkeit im Nachwuchs – das ist noch Ausbildung bei der 2. Mannschaft – braucht man Zeit und Geduld. Das ist das eine. Zum anderen hatten wir irrsinnige Verletzungsprobleme von Leistungsträgern wie Peter Haring, Hakan Yilmaz und andere, die länger nicht zur Verfügung gestanden sind. Wenn die zwei, drei Älteren nicht da sind, ist die Mannschaft ganz einfach jung“, sagt er.

Zwei Runden stehen noch auf dem Programm. Zwei Runden, in denen es um viel mehr als nur einfach den Klassenerhalt geht.

Harald Prantl/Alexander Karper

In Wien-Favoriten sieht man das ganz anders. „Wir haben jetzt schon erkannt, dass der Sprung von Stufe drei auf Stufe eins für viele zu groß ist. Der Sprung von der Wiener Liga in die Bundesliga ist dann praktisch unmöglich. Die Regionalliga ist für unser gesamtes Ausbildungskonzept wichtig“, sagt FAK-Vorstand Markus Kraetschmer.

Andreas Ogris, Coach der Austria Amateure vor seiner Bestellung zum Interimstrainer der Profis, meint: „Der Aufstieg von den Amateuren zu den Profis ist jetzt schon ein riesengroßer Schritt – vor allem vom Tempo und der Athletik her.“

Dieser Meinung schließt sich Rapids Sportdirektor Andreas Müller an: "Der Abstieg wäre fatal. Es ist dringend notwendig, weiterhin in der Regionalliga zu spielen. Vor allem ist die Möglichkeit, wieder hoch zu kommen, sehr gering in den nächsten Jahren."

Schuldes sieht es nicht so tragisch: „Es ist ja nicht so, dass der Übergang direkt ist, das findet ja fließend statt. Das ist ein dynamischer Übergang von der U18 zu Rapid II, die schon während der Saison dort trainieren und spielen. Genauso ist es dann auch weiter bei den Profis, wenn Spieler von Rapid II schon in der Trainingsgruppe der Profis, in Länderspielpausen und in Freundschaftsspielen dabei sind. Trotzdem wird darunter die Ausbildung weitergeführt und Meisterschaft gespielt. Man geht ja nicht direkt von der Regionalliga in die Bundesliga, sondern das ist ein Prozess.“

Austrias Kooperationspläne mit  dem FAC

Bei der Austria will man indes seit geraumer Zeit noch eine weitere Zwischenstufe einziehen. Spieler, die für die Regionalliga schon zu gut, aber für die Profis noch nicht gut genug sind, sollen künftig in Floridsdorf Spielzeit sammeln können.

Kraetschmer erklärt: „Wir haben mit dem FAC Gespräche als potenzieller Partner für Kooperationsspieler geführt. Dabei geht es aber nicht um ein Modell Liefering – das können und wollen wir uns nicht leisten. Es geht um Talente, die bei uns an der Kippe stehen. Doch nun ist der FAC in der Ersten Liga abstiegsgefährdet. Insofern ist die Situation für uns in doppelter Hinsicht bedrohlich.“

In den kommenden Tagen ist für die Austria also alles möglich. Das Best-Case-Szenario: Der FAC als Kooperationspartner in der Ersten Liga und die Amateure in der Regionalliga. Das Worst-Case-Szenario: Der FAC steigt in die Regionalliga ab und die Amateure in die vierte Spielklasse.

Dazwischen liegt die Möglichkeit, dass der FAC oben bleibt und die Amateure absteigen. Wäre dann eine Kooperation mit einem zweiten (Regionalliga-)Klub möglich? „Vom Regulativ her schon. Aber ich halte das für nicht richtig“, winkt der Austria-Vorstand ab.

Wie konnte es soweit kommen?

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen, dass die beiden Mannschaften, die in den vergangenen vier Saisonen – seit die FAK-Youngster aus der Ersten Liga zwangsabsteigen mussten – stets ausgezeichnet abgeschnitten haben, um den Klassenerhalt zittern müssen?

Rapid Amateure Austria Amateure
2010/11 7. 3.
2011/12 2. 3.
2012/13 8. 2.
2013/14 5. 2.
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