Drei oder vier Schritte nach vor

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"Als Fußballer muss man damit umgehen können"

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Gerald Baumgartner ist sich sicher: „Es fehlt nicht viel!“

Während nach vier sieglosen Partien zum Saison-Start die Unruhe am Verteilerkreis wächst, wird der Trainer nicht müde zu betonen, dass man „ein paar Dinge schon sehr richtig“ gemacht habe.

Am Sonntag hat Austria Wien im Gastspiel bei Sturm Graz die nächste Gelegenheit, den Optimismus des Coaches zu bestätigen und den Worten Taten folgen zu lassen.

„Die Zuversicht ist groß. Es wird echt Zeit, dass wir den ersten Sieg einfahren. Wir hätten uns schon einen verdient gehabt, aber es hat nicht sollen sein. Gegen Sturm sind wir gut vorbereitet und sollten einmal für unsere Mühen belohnt werden“, hofft auch Mario Leitgeb im Gespräch mit LAOLA1 auf den ersten vollen Erfolg dieser Spielzeit.

„Haben die richtigen Typen in der Mannschaft“

Bislang scheint das von Baumgartner eingeführte System noch nicht allen Spielern in Fleisch und Blut übergangenen zu sein. Für den Mittelfeldspieler liegt es auf der Hand, dass dies Zeit brauche:

„Es geht sicher nicht von heute auf morgen. Das hat man bei Red Bull Salzburg genauso gesehen. Die haben es auch länger probiert, bis es letzte Saison gut geklappt hat. Man darf die Geduld nicht verlieren. Wir haben die richtigen Typen in der Mannschaft, die das perfektionieren wollen, aber es wird sicher dauern. Das Wichtigste ist, dass die Spieler mitziehen, die Idee dieses Systems begrüßen und voll dahinterstehen. Das ist die Grundlage, dass es gut funktioniert.“

Für Leitgeb ist das aggressive Angriffspressing kein Neuland. Schon beim SV Grödig kam er gut damit zurecht und wurde unter anderem deshalb zu den Veilchen gelotst.

Sicher sei es ein Vorteil, dass er mit dieser Spielanlage schon länger vertraut sei. „Aber ich bin nicht wichtig. Wichtig ist, dass es die ganze Mannschaft intus hat“, verweist der Steirer darauf, dass ein Rädchen ins andere greifen müsse, „ich habe gesehen, dass dieses System gut funktionieren kann und versuche nun wieder dazu beizutragen.“

„Wir machen immer noch das, was wir am liebsten machen“

Was ihn zu einem guten Spieler für diese Spielphilosophie mache, will Leitgeb nicht groß kommentieren, meint lediglich: „Es liegt mir einfach, nach vorne zu verteidigen und gute Bälle in die Tiefe zu spielen. Wir haben aber genug andere Spieler, die das auch gut können.“

Die Austria ist auf Profiebene der erste Großklub, bei dem der Grazer unter Vertrag steht. Nachdem er in Grödig in seiner Debüt-Saison im Oberhaus eine gute Figur hinterlassen hat, ist er nun jedoch zusätzlich mit anderen Mechanismen konfrontiert. Auch bei den Salzburgern verlor niemand gerne - wenn es nicht läuft, ist der Druck in der Bundeshauptstadt jedoch ein anderer:

„Sicher merkt man, dass von der Mannschaft viel erwartet wird, ob das von der Vereinsführung oder von den Fans ist. Aber als Fußballer muss man damit umgehen können. Wir machen immer noch das, was wir am liebsten machen. Von dem her darf es kein Problem sein, dass Druck herrscht.“

„Konnte von jedem Klub etwas mitnehmen“

Mit 26 ist Leitgeb inzwischen im besten Alter für jene Tätigkeit, der er am liebsten nachgeht. Bis der Traum, als Fußballer in der Bundesliga sein Geld zu verdienen, in Erfüllung ging, hat es jedoch ein wenig länger gedauert als erhofft.

Warum, sei im Nachhinein schwer zu sagen: „Ich habe immer gut gearbeitet und daran geglaubt, dass ich einmal bei einem großen Klub spielen kann, aber es hat nicht sein sollen. Trotzdem war jede Station wichtig für mich, ich konnte von jedem Klub etwas mitnehmen. Richtig weiterentwickeln konnte ich mich aber vielleicht erst in Grödig. Inzwischen bin ich auf einem guten Level“, rekapituliert Leitgeb.

2008 verließ er die Amateure von Sturm Graz und heuerte in der Ersten Liga bei Austria Lustenau an. Nach dreieinhalb Saisonen im Ländle zog es ihn zurück in seine Heimatstadt zum GAK, wiederum ein halbes Jahr später folgte er dem Ruf des SV Grödig.

„Unter Adi Hütter ist mir richtig der Knopf aufgegangen“

Vor allem der kurze Zwischenstopp bei den „Rotjacken“ erwies sich retrospektiv als goldrichtig. Zwar bestritt er verletzungsbedingt lediglich zehn Meisterschaftsspiele, in denen ihm jedoch vier Treffer gelangen.

Jubel mit u.a. Daniel Beichler im Dress der Sturm-Amateure

Mit Daniel Royer steht übrigens ein zweiter Akteur im Austria-Kader, der es unter Franco Foda nicht zu den Profis geschafft und nun über Umwege Karriere gemacht hat.

Für Leitgeb definitiv ein Gesprächsthema mit seinem damaligen und aktuellen Mitspieler: „Es ist ganz lustig. Das Erste, womit ich mit Daniel nach meinem Wechsel zur Austria geredet habe, waren die Sturm-Zeiten.“

Das Rätsel Sturm

Warum sich neben den beiden auch andere Beispiele wie sein früherer Grödig-Nebenmann Peter Tschernegg oder der nunmehrige Rapidler Stefan Stangl erst abseits von Graz entfalten konnten, sei jedoch schwer zu sagen: „Es ist auch müßig darüber zu diskutieren, weil man es einfach nicht genau weiß.“

Nicht genau weiß man auch das derzeitige Leistungsvermögen der „Blackies“ einzuschätzen. Gute und schlechte Phasen im Spiel der Grazer wechseln sich munter ab.

Diesbezüglich steht auch Leitgeb vor einem kleinen Rätsel: „Sie haben hin und wieder wirklich gute Spiele. Das war schon letztes Jahr so, sodass man sich gefragt hat: Wie können sie so viele Probleme haben? Dann haben sie jedoch wieder Partien drinnen, wo gar nichts zusammenläuft. Ich weiß auch nicht – ich glaube, es herrscht großer Druck von den Fans und vom Vorstand. Das ist sicher nicht einfach. Die Qualität hätten sie nämlich eigentlich. Man wird sehen, was sie dieses Jahr zusammenbringen.“

Wie bei der Austria könnte auch Sturms Motto lauten, dass nicht viel fehlt. Das Kräftemessen am Sonntag könnte Aufschluss darüber geben, welchem Traditionsverein weniger fehlt…


Peter Altmann

„In der Regionalliga waren es nicht viele Spiele, aber ich habe dort einfach wieder die Freude am Fußball gefunden“, erinnert sich Leitgeb, „als ich von Lustenau wegging, habe ich von vielen Seiten gehört, dass oft ein Schritt zurück notwendig ist, damit man zwei nach vorne kommt. Gott sei Dank ist es so, dass es inzwischen drei oder vier Schritte nach vorne geworden sind. So kann es oft laufen. Man muss nicht immer schon als 18-Jähriger in einer Top-Mannschaft spielen. Ich bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin und es jetzt geklappt hat, dass ich bei einem großen Klub spielen darf.“

Der entscheidende Schritt diesbezüglich sei in Grödig erfolgt. „Unter Adi Hütter ist mir richtig der Knopf aufgegangen. Er hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass sich jeder Spieler bei Grödig so gut weiterentwickelt hat“, lobt Leitgeb den nunmehrigen Salzburg-Coach.

Duell mit Sturm? „Das ist und bleibt etwas Besonderes“

Sechs Jahre sind seit dem Abschied von Sturm inzwischen vergangen. Die Frage, ob ein Duell mit dem Stammverein auch nach so langer Zeit noch immer etwas Spezielles ist, kostet Leitgeb ein herzhaftes Lachen: „Das ist und bleibt etwas Besonderes! Ich war 13 Jahre bei Sturm, das wird immer etwas Besonderes bleiben!“

Woran damals eine Beförderung in die Einser-Mannschaft der „Blackies“ gescheitert sei? „Ich habe bei den Amateuren gute Leistungen gebracht. Leider hat mich der Trainer damals nicht richtig hochgezogen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich eine Rolle spiele und mich deshalb zum Wechsel in die zweite Liga entschlossen.“

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