Der stille Aufsteiger Kaja Rogulj

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Es herrscht Frühling in Österreich. Endlich.

Die Sonne scheint. Die Gemüter der Menschen haben sich schlagartig verbessert. Und auch die Frühlingsgefühle tragen ihren Teil dazu bei, dass sich Leute da wie dort einfach nur gut fühlen.

Es wird sich zu dieser Zeit auch gut und gerne einmal verliebt. Das ist freilich schön, vor allem, wenn es das erstes Mal der Fall ist. Kaja Rogulj hat sich seine erste Liebe auf seinen Körper verewigt.  

Erste Liebe namens Hajduk Split

Nun handelt es sich hierbei nicht um ein Tattoo eines Mädchennamens, sondern um einen Esel, der den kroatischen Erstligisten Hajduk Split symbolisiert, auf der Wade.

„Die erste Liebe ist immer speziell“, bestätigt der 26-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 die Ausführungen eingangs.

Nun ist es aber auch so: Liebe tut weh. Und auch das musste der Verteidiger erfahren.

„Seit ich ein Kind war, habe ich immer davon geträumt, für Hajduk zu spielen. Mit 17 oder 18 haben sie mir aber gesagt, ich wäre nicht gut genug. Das hat mir natürlich damals schon ein wenig das Herz gebrochen, aber das ist lange her. Der Klub ist weiterhin Teil meines Herzens“, schildert Rogulj.

Zugegeben, es ist wirklich lange her. Und zugegeben, es beeinträchtigt den Austrianer nicht mehr. Zumal der Innenverteidiger drauf und dran ist, Meister zu werden. Und dabei eine wesentliche Rolle zu spielen.

Von Neben- zur Hauptrolle

Das war vergangene Saison aus zweierlei Gründen nicht der Fall: Erstens lagen die Wiener sieben Runden vor Schluss bei weitem nicht acht Punkte vor dem Zweiten. Zweitens spielte Rogulj nicht einmal eine Nebenrolle im Kader der Violetten.

Acht mickrige Einsätze hatte der Kroate vergangene Saison zu Buche stehen. Und auch Peter Stöger, der Trainer kam im Sommer zur Austria, sagte nach einem halben Jahr im Amt gegenüber LAOLA1: „Damals war ich mir nicht so ganz sicher. Ich hätte nicht geglaubt, dass er sich so entwickelt.“

Dass es doch klappte, lag wiederum an einer entscheidenden Änderung. Der Rücken zwickt Rogulj deutlich weniger als noch eine Saison zuvor.

Peter Stöger war sich nicht sicher, ob sich Rogulj so entwickeln würde

„Es war im ersten Jahr keine einfache Zeit. Ich hatte zwei Operationen in Wien. Aber in dieser Saison passt alles“, berichtet der drittbeste Kopfball-Zweikämpfer der Liga, der in diesem Frühjahr erst zwei Spiele verpasst hat. Darunter das peinliche 0:4 des überlegenen Leaders zu Hause gegen den WAC.

Stöger: „Er hat sich super entwickelt“

Überhaupt spielte Rogulj nur in fünf Liga-Partien nicht. Seinen Stammplatz verdankte das „Veilchen“ auch Georg Margreitter, der vor Transferschluss nach England zu Wolverhampton wechselte.  

„Das war natürlich gut für mich“, gibt sein Nachfolger neben Kapitän Manuel Ortlechner unumwunden zu und fügt lachend hinzu: „Nun muss Lukas Rotpuller wie ich damals warten.“

Aber Rogulj gibt seinen Stammplatz nicht so schnell her, das weiß auch sein Trainer. „Er hat sich super entwickelt und ist von seinem Auftreten und Spiel her ein Führungsspieler geworden. Er bringt Zweikampfstärke und Ruhe in unser Spiel“, zeigt sich Stöger als Fan seines stillen Schützlings.

Der zeigt sich nicht nur am Platz unscheinbar, sondern auch außerhalb. Das Lob verteilt er auf andere, etwa auf seinen Nebenspieler. „Manuel ist ein toller Typ, wir sprechen sehr viel und er ist einfach ein guter Leader in dieser Abwehr“, die weiterhin die wenigsten Gegentore kassiert hat.

„Wir spielen sehr kompakt und das macht es den Gegnern schwer. Jeder von uns weiß, wohin er laufen muss“, erklärt Rogulj. Nur der WAC konnte in dieser Spielzeit einmal die violetten Grenzen ordentlich aufzeigen, eben durch dieses 0:4 vor zehn Tagen.

„Wenn man nur hart genug arbeitet“

Ansonsten spielen die Wiener weiterhin eine grandiose Saison, wenngleich Kritiker nach dem Vorsprung von „nur noch“ acht Punkten Nervosität orten. Zur Winterpause waren es übrigens nur sieben und da waren die „Veilchen“ bereits für viele Meister.

Sollten sie es in wenigen Wochen tatsächlich erstmals seit 2006 wieder werden, dann gehört – wie für alle anderen – Stöger auch für Rogulj zu den Schlüsseln dieses Erfolges. „Er gibt jedem Spieler im Kader das Gefühl, dass er wichtig ist. Er spricht mit jedem, auch über seinen Job. Und es kann einfach jeder spielen, wenn er hart genug dafür arbeitet.“

Auch Rogulj hat hart gearbeitet. Im zweiten Anlauf hat er sich bei der Wiener Austria heimlich, still und ohne großes Aufsehen durchgesetzt – und es scheint sich auf ganzer Linie auszuzahlen.

 

Bernhard Kastler

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