Die Gründe für Austrias Erfolgslauf

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Sechs Pflichtspielsiege in Folge, Tabellenführer mit drei Punkten Vorsprung. Nicht einmal die kühnsten Optimisten unter den Austrianern haben damit gerechnet, dass sich ihr Verein zu diesem Zeitpunkt der Saison in solchen Sphären bewegt.

Nach dem Umbruch im Sommer hat sich rasch der Erfolg eingestellt. 2,14 beträgt der Punkteschnitt unter Neo-Coach Thorsten Fink.

Am Mittwoch (ab 18 Uhr im LIVE-Ticker) wollen die Veilchen daheim gegen Altach auch im ÖFB-Cup, wo sie nach zwei Spielen ein Torverhältnis von 10:0 aufweisen, zeigen, was in ihnen steckt.

Doch warum läuft es bei den Veilchen so gut? LAOLA1 begibt sich auf die Suche nach den Erfolgsgeheimnissen:

Stabile Defensive

In der Außenverteidigung sind die Rollen klar verteilt. Christoph Martschinko hat noch keine Bundesliga-Minute verpasst und die von Markus Suttner hinterlassene Lücke auf der linken Seite sofort schließen können. Rechts hat sich Fabian Koch etabliert – David de Paula und der bei den Amateuren Fitness sammelnde Jens Stryger Larsen haben das Nachsehen. In der Innenverteidigung ist der Konkurrenzkampf größer – Lukas Rotpuller, Richard Windbichler und Vance Shikov rittern um zwei Plätze. Zu Saisonbeginn waren in der Defensive noch Abstimmungsprobleme erkennbar, mittlerweile steht die Austria richtig gut. „Wir arbeiten gut gegen den Ball und sind extrem kompakt. Das Grundgeheimnis ist, dass wir uns nicht so leicht von einem Gegner einschnüren lassen. Wir lassen nur wenige Chancen zu“, erklärt Rotpuller. Zudem hat sich das Umschaltverhalten verbessert, die gegnerischen Konter wirken nur noch selten gefährlich.

Viele Pfeile im Offensiv-Köcher

„Ich hatte immer das Gefühl, dass wir noch zu einer Chance kommen“, sagte Alexander Grünwald nach dem 2:1 in Mattersburg, als es lange Zeit 0:0 stand. Diese Aussage ist sinnbildlich für die ganze Saison. Die Offensive der Veilchen funktioniert. Nur in einem der 16 Pflichtspiele konnte der FAK keinen Treffer erzielen. 27 Tore sind in der Liga gelungen – nur Salzburg ist erfolgreicher (36). Der Schlüssel zum Erfolg ist die Unberechenbarkeit. „Die Flügelspieler, die Standardsituationen, die Schnelligkeit von Kayode im Konter – wir haben verschiedene Waffen“, findet Rotpuller. 15 Tore sind aus Standardsituationen gefallen, wenn Raphael Holzhauser beim ruhenden Ball steht, wird es immer gefährlich. Doch auch aus dem Spiel heraus klappt es immer besser. Roi Kehat nimmt schön langsam Fahrt auf und leitet durch starke Pässe Chancen ein, Kayode agiert uneigennütziger als noch zu Saisonbeginn und auch der Rest weiß, wo das Tor steht – neun verschiedene Torschützen, zwölf der 20 in der Liga eingesetzten Spieler waren zumindest an einem Treffer beteiligt.

Kaum Wechsel

Eine Saison ohne Spiele auf internationaler Ebene hat den Vorteil, dass sich eine klare Stammelf etablieren kann. Davon hat Peter Stöger in der Meistersaison 2012/13 profitiert und davon profitiert auch Fink. Nachdem der Deutsche anfänglich noch ein wenig experimentiert hat, kristallisieren sich mittlerweile immer mehr Stammspieler heraus. Das wirkt sich positiv auf die Leistungen aus – die Violetten wirken eingespielt, die Laufwege stimmen in der Defensive wie in der Offensive. Oder wie es Alexander Gorgon ausdrückt: „Wir steigern uns von Woche zu Woche.“

Gute Stimmung/Mentalität

„Wir wissen, was wir können. Das zeichnet uns als Team aus“, sagt Rotpuller. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass die FAK-Spieler auch wissen, was sie nicht können. Gebetsmühlenartig predigt Fink, dass Rapid und Salzburg mehr Qualität haben. Bei der Austria hat sich die Erkenntnis eingestellt, dass es nur mit 100 Prozent geht. Der Hunger und die Kampfbereitschaft, die in den vergangenen beiden Saisonen teilweise vermisst wurden, sind zurückgekehrt. „Im Derby hat man sehr gut gesehen, wie viel wir derzeit laufen können, wie viel wir in die Zweikämpfe reinhauen können“, findet Grünwald. Außerdem passt die Stimmung innerhalb der Mannschaft. Persönliche Eitelkeiten werden hintenangestellt, der Erfolg des Teams zählt. Insofern kann sich auch Sportdirektor Franz Wohlfahrt auf die Schulter klopfen – er hat die Charaktere des Teams offenbar gut zusammengestellt.

Vertrauen in den Trainer

Praktisch zwei Jahre lang wurde in der Kabine dem Erfolgsduo Peter Stöger/Manfred Schmid nachgeweint – so zumindest der nach außen vermittelte Eindruck. Die Nachfolger (Nenad Bjelica, Herbert Gager, Gerald Baumgartner, Andreas Ogris) hatten mit den großen Fußstapfen der nunmehrigen Köln-Trainer zu kämpfen. In der Kabine und teilweise auch öffentlich wurden Grabenkämpfe ausgefochten. Unter Fink hat Ruhe Einzug gehalten. Die Mannschaft steht offenbar voll und ganz hinter ihrem Trainer – und umgekehrt. Der Deutsche kritisiert seine Spieler nur im äußersten Notfall öffentlich, und selbst dann sehr zurückhaltend – etwa nach Rotpullers unnötigem Ausschluss in Grödig. Auch Sportdirektor Franz Wohlfahrt stellt sich stets bedingungslos hinter seine Schützlinge – man denke an den jüngsten Schlagabtausch mit Rainer Pariasek.

Harald Prantl

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