"Was da abgeht, ist peinlich!"

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"Das sind unerträgliche Zustände"

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„Mich persönlich stört, was auf der Osttribüne abgeht. Das ist peinlich!“

Manuel Ortlechner hat die Nase voll. Der Austria-Kapitän spricht an, was beim 1:1 gegen Salzburg offensichtlich wurde – die großen Probleme innerhalb der violetten Fanszene.

„Es ist eine Idiotie, dass wir uns nach einem solchen Spiel und der Riesenchance auf den Titel über solche Dinge unterhalten müssen“, ist AG-Vorstand Markus Kraetschmer ebenso enttäuscht.

"Keinen Bock auf diese Scheiß-Boykott-Aktion"

Die Mannschaft hat nach dem Schlusspfiff ein erstes Zeichen gesetzt und sich nicht – wie üblich – bei den Anhängern verabschiedet.

„Wir haben schon in drei, vier Gesprächen mit den Fans gesagt, dass wir darauf keinen Bock haben, auf diese Scheiß-Boykott-Aktion. Das habe ich ihnen genauso gesagt wie euch jetzt. Das ist kein Geheimnis.“

„Heute haben wir uns gedacht: ‚Bitte legt diese Geschichte beiseite, euer Protestieren.‘ Das ist nicht passiert, deswegen haben wir uns entschlossen, uns nicht zu verabschieden. Warum sollte ich dann hingehen und mich verabschieden? Danke für den Nicht-Support?“, sagt Ortlechner, der dezidiert festhält, dass die Reaktion des Teams lediglich gegen einen kleinen Teil der Fans gerichtet war.

Fragwürdige Solidarität

Aber der Reihe nach: Die Probleme des Vereins mit den Machenschaften einiger rechtsgerichteten Fans sollten hinlänglich bekannt sein (Blood-and-Honour-Banner, Keltenkreuze, Solidarität mit spanischen Faschisten, etc.).

Im Winter wurde mit einem umfangreichen Maßnahmen-Paket reagiert. Der Gruppierung „Unsterblich“ wurde der offizielle Fanklub-Status entzogen, der Banner im Stadion verboten und einige Hausverbote verhängt.

Was folgte, war die fragwürdige Solidarisierung einiger aktiver Fangruppen und entsprechende Boykott-Aktionen. „Auf diese Solidaritätsakte haben wir alle keinen Bock“, stellt Ortlechner klar.

Faustrecht auf der Osttribüne

Zumindest zum Teil sind diese Solidaritätsakte aber keineswegs freiwillig, vielmehr werden jene Fanklubs, die den Protest nicht mittragen, dazu gezwungen. Kraetschmer spricht von einem „Unterdrücken der anderen Fanklubs“.

Ortlechner ist dieses Problem bekannt: „Es gibt genügend Fans, die uns schon supporten wollen, aber der eine oder andere wird dann mundtot gemacht und hat schon Angst, dass er, wenn er seine Stimme erhebt, mit dem Faustrecht bedroht wird.“

Im Heimspiel gegen Salzburg hingen mit Spielbeginn nämlich sehr wohl die Zaunfahnen anderer Gruppierungen. Teilweise vermummte Personen entfernten sie aber wieder. Gegen jene, die sich gegen sie stellten, wurde Gewalt ausgeübt. Das Faustrecht wurde durchgesetzt, zumindest zwei Verletzte waren zu beklagen.

Drei Personen schon identifiziert

„Wir haben Sonntag-Abend mit der Ausforschung begonnen und drei Personen schon so eindeutig identifiziert, dass es für diese sicher zumindest ein Hausverbot geben wird. Wir werden das Video-Material weiter analysieren und ich bin überzeugt, dass noch einige mehr folgen werden. Dass andere Fanklubs attackiert werden, weil sie ihre Banner aufhängen, sind unerträgliche Zustände“, so Kraetschmer.

Der AG-Vorstand weiter: „Diese Leute demaskieren sich selbst. Es geht ihnen nicht um die Austria oder irgendwelche Meinungsfreiheiten, sondern brutal um ihre Ideologien und schwachsinnigen Ideen.“

"Werden es nicht ohne Polizei schaffen"

Unzählige Augenzeugen haben sich bereits bei der Klub-Führung gemeldet, um bei der Ausforschung weiterer Personen behilflich zu sein. „Es ist positiv, dass viele aufstehen und sich wehren. Wir müssen nämlich auf Basis von Fakten und nicht Willkür operieren“, sagt Kraetschmer.

Der 41-Jährige meint auch: „Wir werden es nicht ohne die Polizei und die Legislative schaffen. Diese Dinge müssen noch viel härter abgestraft werden. Letztendlich ist das kein Kavaliersdelikt.“

Vorwürfe gegen den Ordnerdienst

Den Vorwurf, dass der Ordnerdienst auf der Osttribüne tatenlos zusieht, kennt er: „Wenn diese Vorwürfe stimmen, werden wir konsequent handeln.“

„Es muss eine eindeutige Distanzierung geben. Das ist ein Job, der zu machen ist. Wenn das einer nicht kann oder will, weil er aus dieser Szene jemanden kennt, muss man die Konsequenz ziehen und ihn aussortieren.“

Bereits am Samstag (18:30 Uhr) steht das nächste FAK-Heimspiel auf dem Programm. „Bis dahin werden wir konkrete Schritte setzen“, kündigt Kraetschmer an.

Ihm ist aber auch bewusst: „Wir sind nicht blauäugig, es wird immer wieder ein Aufflackern geben.“

Die letzten Zeichen sind aber positiv, die Solidarität bröckelt.


Harald Prantl

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