Die Veilchen auf der Erfolgswelle

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Das gab es zuletzt in der Meistersaison 2012/13 unter Peter Stöger. Vier Siege in Folge hat die Austria in der Bundesliga gefeiert. Der 2:1-Erfolg über Erzrivale Rapid war die Krönung eines perfekten Oktobers.

Es läuft bei den Veilchen. Und sie haben noch lange nicht genug. „Man wird von Siegen nie satt. Wir wollen diese Serie fortführen“, versichert Alexander Gorgon.

Es war angesichts des Umbruchs im Sommer nicht damit zu rechnen, dass die Violetten nach 13 Runden punktegleich mit Salzburg die Tabelle anführen. Im 315. Wiener Derby waren beispielsweise inklusive der eingewechselten Spieler sieben Neuzugänge im Einsatz.

„Wir haben eine sehr neu zusammengestellte Mannschaft. Nach vier Monaten ist die Zeit, zu sagen, dass das absolut in Ordnung und wirklich gut ist“, stellt Sportdirektor Franz Wohlfahrt zufrieden fest.

Die Neuen funktionieren

Tatsächlich ist ein Großteil der Transfers aufgegangen. ÖFB-Teamtormann Robert Almer, erstmals in seiner Karriere auf Klub-Ebene unumstrittene Nummer eins, hält konstant stark. Christoph Martschinko hat die Lücke, die Urgestein Markus Suttner in der Linksverteidigung hinterlassen hat, sofort geschlossen. Olarenwaju Kayode ist ein ständiger Unruheherd in der Offensive. Richard Windbichler ist in der Innenverteidigung immer zuverlässig zur Stelle, wenn er gebraucht wird.

Roi Kehat hat sich mittlerweile einen Stammplatz erarbeitet und Kevin Friesenbichler zeichnet mit seinem Goldtor immerhin für den Derby-Sieg verantwortlich, wenngleich insgesamt noch Luft nach oben ist. Einzig Ognjen Vukojevic hat sich vor einigen Runden aus der Startelf verabschiedet.

Überhaupt hat Fink nach anfänglichen Experimenten seinen Stamm gefunden und ist mangels Doppelbelastung auch nicht gezwungen, von diesem abzurücken.  Das war schon unter Stöger eines der Erfolgsgeheimnisse.

"Auf uns hauen sie mehr drauf"

Trotzdem scheint der Funke noch nicht übergesprungen zu sein. Angesichts der vielen Enttäuschungen in den vergangenen zwei Jahren beäugen die Austria-Fans den neuen Mann auf der Trainerbank noch kritisch.

Auch von medialer Seite fühlen sich die Verantwortlichen der Austria härter angegriffen, als es ihnen lieb und recht wäre. Friesenbichler stimmt ihnen da zu: „Ich glaube, dass sie auf uns mehr draufhauen, als auf jeden anderen. Das Gefühl habe ich. Ich weiß nicht, warum. Ruhe haben wir innerhalb der Mannschaft, die ist da, aber medial finde ich das nicht. Es ist klar, dass nach zwei Jahren ohne Europacup Unzufriedenheit herrscht, aber wir machen es in der Saison gut, sind fünf Punkte vor dem Dritten.“

Wohlfahrt gibt zu, dass noch Luft nach oben ist: „Vor dem Derby haben wir drei Mal hintereinander gewonnen und es waren kritische Stimmen da. Das erkennen wir auch. Aber wenn wir die Analysen genauer anschauen, war auch klar, dass wir gute Arbeit leisten, aber viel Raum und Platz für Verbesserungen da sind. Das bleibt auch jetzt bestehen.“

Eine "Wir gegen den Rest"-Stimmung

Es hat den Anschein, als ob Fink erfolgreich eine „Wir gegen den Rest“-Stimmung im Team aufgebaut hätte. So ist auch Friesenbichlers Aussage zu interpretieren: „Wir lassen uns von außen nichts einreden und gehen unseren Weg. Andere sollen beurteilen, ob unser Weg gut oder schlecht ist, ich weiß nur, dass er sehr erfolgreich ist.“

Das Gefüge innerhalb der Mannschaft dürfte jedenfalls stimmen. Während in der Vergangenheit regelmäßig Interna an die Öffentlichkeit gelangten, präsentieren sich die Veilchen nunmehr als echte Einheit.

„Wir sind ein Team, eine Gemeinschaft. Daran hat es in den letzten Jahren vielleicht gehapert, das machen wir jetzt besser. Unser Motto ist: Still arbeiten und der Erfolg ist dann richtig laut“, sagt Gorgon.

Starke Zahlen

Trotzdem waren die Fans vor allem in den Heimspielen, in denen aus sechs Spielen 13 Punkte geholt wurden, oft nicht glücklich. Die Austria war zwar zumeist erfolgreich, hatte spielerisch mit tiefstehenden Gegnern aber so ihre Probleme. Gorgon meint: „Es ist für uns angenehmer, gegen Rapid und Salzburg zu spielen, als gegen einen Gegner, der zu uns in die Generali Arena kommt und sich hinten aufstellt.“

Mit ihren stets brandgefährlichen Standardsituationen haben die Veilchen aber auch in Partien, in denen sie sich schwer tun, stets einen Pfeil im Köcher, der dem Gegner den Garaus machen kann. Und so steht nach 13 Partien mit 25 geschossenen Toren hinter Salzburg (36) die zweitbeste Ausbeute aller Bundesliga-Klubs.

Darüberhinaus wurde die in der Vergangenheit oft nicht ganz sattelfeste Defensive stabilisiert. 17 Gegentreffer – nur gegen Sturm Graz (14) jubelten die Gegner seltener.

"Wir bezeichnen uns nicht als Salzburg-Jäger"

Diese Zahlen sind das Ergebnis harter Arbeit. So sieht es Wohlfahrt: „Fußball ist nicht immer nur lustig. Du musst dir alles erarbeiten. Wir sind noch nicht soweit, dass wir jeden Gegner ausspielen können. Das ist unmöglich. Wir müssen um jedes Spiel und jeden Sieg fighten.“

Und weil es am Verteilerkreis mit Stimmungsumschwüngen traditionell sehr schnell geht, träumt so mancher Fan plötzlich vom ganz großen Coup, vom 25. Meistertitel.

Fink steigt aber auf die Euphoriebremse: „Die fünf Punkte Vorsprung auf Rapid sind eine Momentaufnahme. Das kann sich aber alles wieder schnell verschieben. Wir haben mit Mattersburg auswärts und Salzburg daheim zwei sehr schwere Spiele vor uns.“

Wohlfahrt will davon ebenfalls nichts wissen: „Jetzt müssen wir einmal schauen, dass wir den Herbst weiterpunkten. Wir sind nicht Bayern München, das kann man nicht von uns erwarten.“ Bei den Spielern ist das angekommen. Friesenbichler: „Wir haben einen Platz unter den ersten Drei als Saisonziel ausgegeben und das bleibt es auch.“

„Wir halten den Ball flach. Wir bezeichnen uns nicht als Salzburg-Jäger“, hält Gorgon entschieden fest.

Harald Prantl/Alexander Karper

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