Austria zieht die Reißleine: Bjelica beurlaubt

Aufmacherbild
 

Gegenüber der "APA" kommentierte Bjelica seine Beurlaubung bei der Austria wiefolgt:

Frage: Können Sie die Entscheidung des Klubs nachvollziehen?

Nenad Bjelica: Mir ist die Entscheidung heute Früh mitgeteilt worden. Es geht nicht darum, ob das nachvollziehbar ist. Ich habe intern schon meine Analyse gegeben, darüber möchte ich öffentlich nicht sprechen. Es ist die Entscheidung der Austria, und die respektiere ich. Manchmal ist zwei plus zwei eben nicht vier.

Frage: Das Aus bei der Austria ist der erste schwere Rückschlag in Ihrer Trainerkarriere. Ist das besonders bitter in einer Saison, in der man die CL-Gruppenphase erreicht hat?

Bjelica: "Es war eine tolle Erfahrung für mich. Ich bin heute ein viel besserer Trainer als vor acht Monaten, die haben mich sehr stark gemacht. Ich habe geholfen, die Austria weltweit bekannter zu machen. Das ist nur in Österreich ein bisschen unterschätzt worden."

Frage: Haben Sie sich schon Gedanken über Ihre nächste Zukunft gemacht?

Bjelica: "Ich werde mich jetzt ein bisschen vom Stress erholen. Ich möchte meine Diplomarbeit für die UEFA-Pro-Lizenz schreiben. Wohin es mich zieht, weiß ich noch nicht. Aber ich bin ein Typ, der nie aufgibt. Die Champions League hat mich europaweit bekannt gemacht, also sehe ich meine Zukunft sehr rosig."

Das Kapitel Nenad Bjelica bei Austria Wien ist Geschichte.

Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Wiener Neustadt hat der Meister den kroatischen Trainer beurlaubt. Eine Trennung, die sich schon unmittelbar nach dem Spiel abgezeichnet hatte (LAOLA1 berichtete).

Nachfolger für die restlichen 13 Saison-Spieler wird Herbert Gager, der bislang die Amateure der Wiener betreute.

"Leider hat es nicht geklappt"

"Wir mussten reagieren, wollen aber dem Trainer nicht alleine die Schuld geben. Wir haben in der Winterpause mit neuen Spielern und einigen Maßnahmen vieles versucht, leider hat es nicht geklappt. Ich erwarte mir jetzt aber auch eine kräftige Reaktion der Mannschaft und bin der festen Meinung, dass wir unser Saisonziel noch erreichen können", begründet Thomas Parits die Entscheidung.

Der Sport-Vorstand und sein Pendant Markus Kraetschmer (Finanzen) haben bis weit nach Mitternacht zahlreiche Gespräche geführt, ehe sie ihre Entscheidung in die Gremien brachten. Der Aufsichtsrat stimmte einhellig zu.

"Würden in dieser Konstellation Saisonziel nicht schaffen"

Kraetschmer: "Wir haben diese Entscheidung getroffen, weil wir nach langen und intensiven Gesprächen zu der Überzeugung gekommen sind, dass wir in dieser Konstellation Mannschaft/Trainer unser Saisonziel wohl nicht schaffen werden. Wir möchten uns dennoch bei Nenad Bjelica bedanken, denn er und die Mannschaft haben mit dem Erreichen der Champions League für einen der größten Erfolge der Klubgeschichte gesorgt."

Neben Bjelica, der vor Saisonbeginn vom Wolfsberger AC gekommen war und Meistertrainer Peter Stöger ersetzt hatte, muss auch Co-Trainer Rene Poms gehen.

Tormanntrainer Franz Gruber und Athletikcoach Martin Mayer gehören auch dem Betreuerstab von Gager an, ein neuer Assistent soll in den kommenden Tagen gefunden werden.

Gager will viele Gespräche führen

Gager leitete bereits am Sonntagvormittag das erste Training. "Ich werde jetzt viele Gespräche führen, wir müssen wieder Leben reinbringen. Die Spielweise war zuletzt zu passiv, da gilt es den Hebel anzusetzen", sagte der 44-Jährige.

Herbert Gager leitete am Sonntag sein erstes Training

Seine Premiere steigt am kommenden Samstag, wenn es beim WAC um wichtige Punkte im Europacup-Rennen geht.

"Unsere Ausgangsposition im Kampf um die Europa League ist nicht die beste, aber wir haben noch alle Chancen", meinte der Neo-Austria-Coach. Die von Gager betreuten Amateure liegen derzeit in der Regionalliga Ost an der vierten Stelle, außerdem führte er das U19-Team ins Achtelfinale der UEFA-Youth-League.

Vertrag bis Saisonende

Bei der Klubführung genießt Gager bis Saisonende volles Vertrauen. "Wir werden jetzt keinen anderen Trainer suchen", versprach Parits.

Zwar erhielt der Neo-Coach nur einen Vertrag bis Saisonende ohne automatische Verlängerung bei einer Europacup-Qualifikation, dennoch ist ein Engagement über diese Saison hinaus denkbar.

"Wir können uns das vorstellen", bestätigte Parits, und Kraetschmer ergänzte: "Wir konzentrieren alle Kräfte auf die letzten 13 Spiele, dann werden wir analysieren."

Sollte es die Austria doch noch in den Europacup schaffen, wäre das nicht nur im Sinne Gagers und des Klubs: Bjelica besitzt bei den "Veilchen" einen Vertrag bis 2015, den der Verein nach dem Ende der laufenden Saison nur dann kündigen kann, wenn das internationale Geschäft verpasst wird.

 "Geholfen, die Austria weltweit bekannter zu machen"

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen