"Schwarzer Gustl" feiert 70er

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"Mir gehts wie einem jungen Hund"

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August Starek hätte sich zum Feiern seines runden Geburtstages einen ungemütlicheren Ort aussuchen können.

Der Wiener kehrte dem winterlichen Österreich den Rücken und begeht seinen 70er am kommenden Montag am Strand von Phuket. "Mir geht's wie einem jungen Hund, ich fühle mich wie 30", sagte der frühere österreichische Fußball-Teamspieler.

"Hätte vieles anders gemacht"

Die Partylaune ist dem Jubilar auch im fortgeschrittenen Alter nicht verloren gegangen, eine gewisse Alters-Weisheit hat sich aber eingestellt. "Rückblickend mit meinem heutigen Wissen hätte ich vieles anders gemacht. Ich habe so viele Ausreißer gehabt, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann", meinte Starek, der wegen seiner Eskapaden den Spitznamen "Schwarzer Gustl" verpasst bekam.

Starek wuchs in Wien-Simmering auf und wurde bald vom 1. Simmeringer SC entdeckt, mit dem er 1965 in die höchste Spielklasse aufstieg. Im selben Jahr folgte ein aufsehenerregender Wechsel zu Rapid: Starek befand sich bereits mit der Austria auf Trainingslager, am Ende machten aber die Grün-Weißen das Rennen.

"Rapid hat Simmering damals mehr bezahlt als die Austria, deshalb hat der Club gesagt, ich soll zu Rapid gehen", erinnerte sich der bald 70-Jährige. "Und das war die richtige Entscheidung. Vom Charakter und der Spielweise habe ich eher zu Rapid gepasst."

Karriere in Deutschland

In seiner zweiten Saison mit den Hütteldorfern wurde Starek Meister und Torschützenkönig. Lohn war der Transfer zum 1. FC Nürnberg, bei dem Max Merkel das Zepter schwang.

Zwischen dem legendären österreichischen Coach und seinem aufmüpfigen Landsmann kam es des öfteren zu Meinungsverschiedenheiten. "Er hat von einem Österreicher mehr verlangt als von einem Deutschen", erklärte Starek.

Dennoch gestaltete sich die Zusammenarbeit erfolgreich - mit dem zum Mittelfeldspieler umfunktionierten Starek holten die Nürnberger 1968 den deutschen Meistertitel.

Danach erhielt der Wiener beim FC Bayern einen Vierjahres-Vertrag und gewann mit den Münchnern an der Seite von Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Sepp Maier 1969 das Double, während die Nürnberger abstiegen.

Verletzungspech stoppte Starek

Zu Beginn der Folgesaison erlitt Starek jedoch eine schwere Knieverletzung. Nach einer mehrmonatigen Zwangspause wurde er 1970/71 zu Rapid verliehen und kehrte 1971/72 zu Nürnberg - damals in der zweithöchsten deutschen Liga - zurück. An die Leistungen vor der Verletzung konnte er nicht mehr ganz anknüpfen. "Ich war dann nur mehr bei 60 Prozent", gab Starek zu.

Starek (r.) im Februar 2014 mit Herbert Prohaska und Alfred Ludwig

Dennoch absolvierte er die meisten seiner 22 Länderspiele (4 Tore) nach seiner Rückkehr aus Deutschland. Das lag unter anderem daran, dass damals Teamkickern unter 27 Jahren der Wechsel ins Ausland vom ÖFB untersagt war. Starek hielt sich nicht daran und verpasste dadurch zahlreiche Team-Einsätze.

Nicht nur deshalb verlief die Nationalmannschaftskarriere für Starek nicht wirklich zufriedenstellend. "Leider habe ich es nicht zu einer WM oder EM geschafft. Für die WM in Argentinien 1978 war ich mit 33 schon zu alt und nicht mehr fit genug." Seine Spielerlaufbahn ließ er 1980 bei der Vienna ausklingen.

"Was will man von denen verlangen"

Im selben Jahr übernahm Starek das Traineramt bei Austria Salzburg, danach folgten Engagements beim GAK, dem ÖFB-U21-Team, Admira, Austria, Sturm Graz, Rapid, VfB Leipzig, GAK und Austria Klagenfurt.

1999 beendete er seine Trainertätigkeit, ohne einen Titel gewonnen zu haben. "Aber ich bin immer zu Klubs gekommen, die gerade sparen mussten. Wenn Spieler monatelang ihr Geld nicht bekommen - was will man dann von denen verlangen?", fragte Starek.

Immer für Skandal gut

Als Spieler musste Starek 1976 250.000 Schilling berappen, weil er nach einem verlorenen Stadthallen-Finale dem Referee eine Ohrfeige verpasst hatte. Am Innsbrucker Tivoli ließ er einmal als Reaktion auf Häme durch Fans seine Hose herunter.

Seinen Ruf als Nervenbündel festigte er als Trainer. Auf der GAK-Betreuerbank sorgte er mit der Anweisung "Wenn's schon nicht kicken könnts, hauts wenigstens eini" für Aufsehen, wegen Scharmützel mit Schiedsrichtern kassierte er unzählige Geldstrafen.

Auf seine Undiszipliniertheiten blickt Starek alles andere als stolz zurück. "Ich war eben zu verbissen, wollte immer nur um jeden Preis gewinnen." Im Alter ist der Jubilar ruhiger geworden. An seiner Aversion gegenüber Referees hat sich aber nichts geändert. "Wenn ich sehe, dass ein Schiedsrichter einen Blödsinn pfeift, würde ich noch immer am liebsten in den Fernseher springen."

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