Reifeprüfung "in neuer Welt"

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Reifeprüfung "in einer neuen Welt" namens Rapid

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Unscheinbar, noch etwas schüchtern wirkt er – auf und abseits des Platzes.

Prinzipiell ist Stephan Auer nicht als Mann der großen Worte bekannt, trotzdem dürfte es ihm in seinem neuen Wohnzimmer die Sprache verschlagen haben.

Der 24-jährige Defensivspieler hat bei Rapid Neuland betreten, das er zu Admira-Zeiten nur vom Hörensagen kannte.

Mittlerweile ist der universell einsetzbare Rechtsfuß jedoch festes Kadermitglied, hat einen Vertrag für drei Jahre in der Tasche. Das Debüt war schon einmal vielversprechend.

Privilegierter Neuzugang

„Natürlich habe ich mich gefreut, dass ich vor diesen Fans von Beginn an ran darf, das war ein super Erlebnis. Ich freue mich über den Sieg“, gesteht Auer bei LAOLA1.

Als einziger Neuzugang genoss er das Privileg, gleich im ersten Meisterschaftsspiel beim 3:0-Heimsieg gegen die SV Ried in der Startelf zu stehen.

Dies bahnte sich allerdings schon seit längerem an, da der nicht immer sattelfeste Mario Pavelic mit einem Innenbandeinriss noch pausieren muss, jedoch schon in absehbarer Zeit wieder zurückkehren soll.

„Bei mir war es dadurch eine andere Situation als bei den anderen Neuen. Trotzdem habe ich in den Trainings und Vorbereitungsspielen versucht, alles zu zeigen und mich aufzudrängen. Die Aufstellung macht dann der Trainer.“

„Damit ist er in eine neue Welt eingetreten“

Dieser zeigte sich mit der Performance seines Neo-Schützlings durchaus zufrieden, auch wenn Auer noch kleinere Unachtsamkeiten unterliefen und noch ein wenig die Abstimmung mit den Nebenleuten fehlte.

„Er kommt von der Admira und spielt erstmals vor 15.100 Leuten. Damit ist er in eine neue Welt eingetreten. Es braucht sicher noch seine Zeit, bis er sich angepasst hat und alles adaptiert. Aber ich bin nicht unzufrieden. Hut ab, dass er gleich im ersten Spiel den Assist zum 3:0 geleistet hat“, fasste Zoran Barisic die Leistung des Rechtsverteidigers in Worte.

Dieser war von der Kulisse im Happel-Stadion tatsächlich beeindruckt und konnte sich nicht erinnern, schon einmal vor mehr Zuschauern gespielt zu haben.

„Jeder spielt gerne vor so einem Publikum. Wenn die hinter dir stehen, pusht dich das noch ein bisschen mehr. Nervös war ich nicht, aber ich hatte schon eine Vorfreude auf die Partie.“

Agieren bei Rapid statt Reagieren bei Admira

Von der Spielform her seien Rapid und Ex-Verein Admira ohnehin zwei verschiedene Paar Schuhe.

Die Ausrichtung kommt dem nur 1,76 Meter großen Akteur sichtlich entgegen, auch wenn es für ihn noch viel zu lernen gibt.

„Sicher gibt es Unterschiede zur Admira. Man hat viel mehr den Ball, versucht, direkt zu spielen, das Spiel schnell zu machen. Plötzlich bestimmst du das Spieltempo“, erklärt Auer.

Durch das höhere Stehen und Aufrücken kann sich  der Außenbahnspieler zudem vermehrt offensiv einschalten, was von ihm auch gefordert wird. Möglicherweise eine anstrengendere Spielweise als bei den Südstädtern, die ihm jedoch noch viel mehr Spaß macht.

Admira-Connection und Vorbild Hofmann

Prinzipiell war es für den von Sportdirektor Andreas Müller zwischenzeitlich zum Wunschspieler erklärten Auer nicht schwer, sich bei Rapid zurecht zu finden.

Dafür sorgten alte Bekannte wie Stefan Schwab und Christopher Dibon, die mit ihm zusammen die Fußballschuhe bei der Admira schnürten.

„Das war sicher auch ein bisschen ein Vorteil für mich, dass ich schon ein paar gekannt habe, die mir gezeigt haben, wie es hier abläuft. Aber auch alle anderen haben mich gut aufgenommen, das ist hier eine super Einheit.“

Darunter auch Kapitän Steffen Hofmann, der sich besonders um die Neuzugänge gekümmert haben soll und nicht nur auf dem Platz ein Vorbild ist.

„Sicher freut man sich, mit Steff zusammenzuspielen. Er ist ein Riesenfußballer, ein Riesenmensch, auch privat.“

Ajax als „Traum für jeden Fußballer“

Auer ist somit längst bei Rapid angekommen und hofft, auch in den kommenden Wochen trotz der möglichen Rückkehr von Pavelic erste Wahl zu bleiben.

Dass dies kein leichtes Unterfangen wird, ist dem Flügelspieler aufgrund der großen Möglichkeiten im aktuellen Kader klar.

„Wenn man zu Rapid kommt, ist klar, dass die Qualität höher und der Konkurrenzkampf extrem ist. Wenn man sieht, wie sie voriges Jahr gespielt haben, ist es schon schwer, hineinzukommen. Es ist einfach ein super Team, das gehalten wurde. Da kann man sich nur freuen, dabei zu sein.“

Selbiges gilt für das anstehende Duell mit Ajax Amsterdam in der CL-Qualifikation, das für Auer das absolute Highlight seiner Karriere bedeutet – „ein Traum für jeden Fußballer.“

Mit solchen Erfahrungen im Gepäck wird der 102-fache Bundesliga-Spieler wohl schon bald seine Unscheinbarkeit und Schüchternheit ablegen – auf und abseits des Platzes.


Alexander Karper

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