Die Problemfelder des Frühjahrs-Flops Rapid

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Quo vadis, Rapid?

Nach sechs Spielen ohne Sieg müssen sich die Hütteldorfer hinterfragen, zu viel läuft derzeit gegen das Team von Peter Schöttel.

Die Problemfelder sind bekannt und trotzdem gelingt es bisher nicht, einen anderen Kurs einzuschlagen.

Unsicherheiten ziehen sich derzeit von vorne bis hinten durch, zudem mangelt es an Führung und Alternativen.

LAOLA1 geht den Problemfeldern auf den Grund:

  • Wackelige Defensive:

„Wir haben kollektiv Schwächen in der Defensive“, bringt es Trainer Peter Schöttel auf den Punkt und wollte aus seiner Viererkette gegen Mattersburg sowie Harald Pichler im defensiven Mittelfeld keinen ausnehmen. Individuelle Fehler sowie Abstimmungsschwierigkeiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Saison. Zudem kassierte man bereits 26 Gegentore, im Vorjahr waren es nach 36 Runden gerade einmal 30. Zehn davon musste man in den fünf Frühjahrsrunden hinnehmen. „Wir haben eineinhalb Jahre gut von unserer Defensivleistung gelebt, zur Zeit machen wir aber sehr viele Fehler“, kritisiert Schöttel weiter. Immer wieder betont er, dass sich die offensivere Ausrichtung nicht gerade positiv auf die Ergebnisse ausgewirkt hat. Wer zur Zeit hinten spielt, scheint keinen großen Unterschied zu machen. Mit Markus Heikkinen als Innenverteidiger statt Gerson oder Markus Katzer statt Thomas Schrammel gegen Sturm – das Ergebnis lief auf dasselbe hinaus. Warum vom einstigen Erfolgsfaktor kaum noch etwas übrig geblieben ist, ist für die Betroffenen nicht nachvollziehbar. Schöttel sieht in der Defensive aber den Grund des Übels. „Wenn wir hinten unsicher sind, wirkt sich das auch schlecht auf den Spielaufbau aus.“

  • Kein Plan B:

Rapids System ist eingefahren, eine Zeit lang ging das gut. Mittlerweile haben sich die Gegner jedoch auf die Hütteldorfer eingestellt. Während Rapid gegen spielerische Teams wie Austria, Salzburg und Sturm seine Chancen vorfand, fehlten gegen das Defensivkonzept von Wiener Neustadt, WAC oder Mattersburg die Mittel, um den Abwehrriegel zu knacken. „Für ein Team, das das Spiel macht, ist es schwierig in dieser Jahreszeit“, spielt Schöttel auf die Platzverhältnisse an. Von einer Menschenmauer vor dem gegnerischen Strafraum und schlechten Bedingungen im Winter zu reden, klingt plausibel. Mit den Ansprüchen, die Rapid hat, müsste man sich aber mehr individuelle Klasse erwarten können. Das Powerplay rund um den Strafraum zeugt zwar von Überlegenheit, jedoch auch von fehlenden Ideen, um in die Gefahrenzone einzudringen. So hatte Mattersburg im Duell mit Rapid sogar einen Torschuss mehr zu Buche stehen (12:11), obwohl der Ballbesitz mit 64:36 Prozent zugunsten der Grün-Weißen ausschlug. Für defensiv stehende Gegner ist somit kein Plan B vorhanden, dieses Problem zieht sich schon über die gesamte Saison.

  • Fehlende Führungsspieler:

Wieder einmal stellt sich die Frage nach den Führungsspielern innerhalb der Mannschaft. Kapitän Steffen Hofmann kratzt, beißt und war beinahe der einzige, der seine Mitspieler immer wieder versuchte anzukurbeln. Spielerisch lässt aber auch der Deutsche die kreativen Momente vermissen, vor allem gegen gut postierte Abwehrreihen. Dadurch offenbart sich einmal mehr, dass die Last weiterhin auf einem Paar Schultern verteilt ist. Ebenfalls zu den Routiniers zu zählen, sind mittlerweile Markus Heikkinen, Mario Sonnleitner oder auch Harald Pichler. Während Ersterer gegen Mattersburg genug mit seiner ungewohnten Position in der Innenverteidigung zu tun hatte, steckte die Unsicherheit der anderen beiden die komplette Mannschaft an, was auch dem Chefbetreuer nicht verborgen blieb: „Es genügen schlechte Aktionen zu Beginn, dass auch solche Spieler nicht die nötige Sicherheit haben.“ Bleibt noch Branko Boskovic, der sich mit seiner Roten Karte im Derby selbst aus dem Spiel nahm und nun erstmals verletzt nicht zur Verfügung steht. Jüngere Akteure wie Deni Alar oder Guido Burgstaller bewiesen in der Vergangenheit bereits, dass sie ein Spiel an sich reißen können, allerdings fehlt die Konstanz. Alles in allem drängt sich zur Zeit für eine Führungsrolle im grün-weißen Lager keiner so richtig auf.

  • Mentales Problem:

Positiv Denken fällt den betroffenen Akteuren derzeit schwer. Die Frage nach einem mentalen Problem unter den Spielern wurde jedoch unterschiedlich gesehen. „Ich habe viele enttäuschte Gesichter gesehen“, gibt Schöttel zu. Stürmer Terrence Boyd spricht für die Spieler und ortet kein Kopfproblem. „Ich denke nicht. Ich spiele ja jetzt nicht anders als vor zwei Wochen und die anderen auch nicht anders als im Herbst.“ Trotzdem scheint die Niederlagenserie den einen mehr, den anderen weniger mitzunehmen. Mentaltrainer sind heutzutage Usus, Schöttel sieht sie allerdings nicht zielführend in der Gruppe. „Ich stelle es jedem Spieler frei, vielleicht haben sogar welche einen. Aber ich will es nicht in der Gruppe.“ Die Blockade gilt es nun in den Köpfen der Spieler zu lösen.

  • Eine Frage des Alternativen:

Da sich immer wieder die Frage des Systems stellt, muss man zwangsläufig auch die Frage nach der Qualität stellen. Trainer und Sportdirektor Helmut Schulte standen zu ihrer Kritik, vor allem am Zweikampfverhalten, nach dem WAC-Spiel und kündigten Veränderungen an. Mit zwei Neuen (Heikkinen für Gerson und Sabitzer für Alar), der Rückkehr von Lukas Königshofer statt Jan Novota und dem Ausfall von Branko Boskovic stand eine andere Mannschaft auf dem Feld, die Probleme waren jedoch ähnlich. Wenn Heikkinen aber einmal hinten aushelfen muss, kann etwas nicht stimmen. Zudem sah Stadiongast Muhammed Ildiz, dass seit seinem Abgang zum 1. FC Nürnberg noch kein adäquater Ersatz im defensiven Mittelfeld gefunden wurde. Schöttel will der taktischen Ausrichtung, die im Herbst oft als konstruktiv und defensiv kritisiert wurde, nicht zu viel Bedeutung beimessen. Trotzdem sieht er einen Zusammenhang zwischen dem derzeitigen Tief und der im Frühjahr deutlich nach vorne verschobenen Ausrichtung. „Unser System entwickelt sich oft zu einem 4-3-3, aber wenn wir mit Hofmann und Boskovic spielen, müssen wir gut Fußball spielen, sonst laufen wir Gefahr, dass sie uns in der Mitte durchlaufen“, legt der Trainer Wert auf eine stabile Zentrale. In den nächsten Spielen sind seine Spieler gefordert, zu beweisen, dass es nicht an der fehlenden Qualität liegt.


Alexander Karper

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