"Das Schönste, was ich mitgemacht habe“

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Im Sport gibt es Gewinner und Verlierer.

Emotionale Freude und fassungslose Trauer.

Bestes Beispiel dafür: Der Abstiegs-Thriller in Mattersburg.

Während der SVM nach dem besiegelten Gang in die Erste Liga am Boden zerstört war (Hier gibt’s alle Infos), kannte der Jubel im Lager der Admira keine Grenzen.

Durch den 1:0-Auswärtssieg konnte am letzten Spieltag die Rote Laterne abgegeben und der Klassenerhalt fixiert werden.

„Das Schönste, was ich mitgemacht habe“

„Das ist vielleicht das Schönste, was ich mitgemacht habe. Ich freue mich so, dass die Admira in der Bundesliga bleibt. Die Jungs haben sich das einfach verdient“, sprach selbst Patrik Jezek, der schon zahlreiche Meisterschaften gewinnen konnte, von einem der wichtigsten Erfolge seiner Karriere.

Welchen Stellenwert der geschaffte Liga-Verbleib für den 36-Jährigen einnimmt, unterstrich alleine die Tatsache, dass der sonst so kamerascheue Tscheche an diesem Tag bereitwillig Interviews gab.

„Ich wollte nicht absteigen. Das ist mir noch nie passiert. Und ich bin überglücklich, dass wir es verhindern konnten“, gestand der Flügelflitzer, der die Admira im Sommer verlässt, bei LAOLA1.

Jezek hört zu 99 Prozent auf

Und wahrscheinlich war die Südstadt auch seine letzte Station als Profi-Kicker: „Ich habe nie gesagt, dass ich aufhöre. Vielleicht ist jetzt aber die Zeit mit dem Nicht-Abstieg gekommen. Ich fahre am Mittwoch zurück nach Tschechien, mache einmal Urlaub. Zu 99 Prozent war das aber mein letztes Fußballmatch.“

An Dramatik waren die abschließenden 90 Minuten der Saison kaum zu überbieten. Lange Zeit hatte es den Anschein, als ob ein Remis beiden Mannschaften reichen würde.

„In der 60. Minute teilte uns der Trainer mit, dass der WAC mit 2:0 führt und Neustadt ebenfalls voran liegt. Wir sind es dann ruhig angegangen und schießen sogar das 1:0. Fünf Minuten vor Schluss sagt mir der Coach: ‚Sakko‘, wir brauchen einen Sieg.  Ich frage: ‚Warum?‘ Und bekomme als Antwort: ‚Weil Wacker führt.‘ Das ist echt Wahnsinn“, beschrieb Issiaka Ouedraogo die nervenaufreibende Schlussphase.

Kühbauer im Wellental der Gefühle

„Gegen Ende hatte ich schwere Füße. Wir hatten die Möglichkeiten auf weitere Tore, haben diese aber nicht genutzt. So haben wir bis zum Schluss gezittert. Aber wir haben den Klassenerhalt geschafft. Das ist so wichtig für den Klub, für die Jungs. Viele haben noch zwei, drei Jahre Vertrag“, gab der Admira-Stürmer Einblicke in seine Gefühlswelt.

Vollkommen überfordert mit seinen Emotionen präsentierte sich Didi Kühbauer: Auf der einen Seite die Freude über den erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg, auf der anderen Seite sein Mitgefühl mit dem SV Mattersburg – seinem Herzensklub.

„Ich freue mich wahnsinnig für meine Mannschaft und am allermeisten für die jungen Spieler, die jetzt die Möglichkeit haben, weiter in der Bundesliga zu spielen. Dafür mussten wir kämpfen und es macht mich stolz, dass wir das geschafft haben. Aber es tut mir leid für Mattersburg. Es ist schade, dass es so passiert ist, weil andere Klubs nicht mehr die Courage gehabt haben, sich reinzuhängen. Und dann werden sie auch noch mit der Europa League belohnt. Es schwingt daher bei mir ein wenig Wehmut mit, Mattersburg mag ich über alles. Ich hätte mir gewünscht, dass wir beide durchkommen“, so der sichtlich gezeichnete  42-Jährige, der sogar das TV-Interview abbrach, weil ihm die Tränen über das Gesicht kullerten.

Selbst Schwab hatte Mitleid

Selbst Stefan Schwab hatte Mitleid mit den Burgenländern. “Man sieht, wie dramatisch der Fußball ist. Es tut mir leid für Mattersburg, weil sich einfach keiner gedacht hat, dass sowohl Neustadt als auch Wacker auswärts gewinnen werden. Bei Sturm und WAC ging es um den Europacup und sie verlieren. Das kann es doch eigentlich nicht sein“, meinte der 22-Jährige, der auch den verhaltenen Jubel seines Trainer nachvollziehen konnte.

„Ich verstehe ihn. Mattersburg ist sein Verein. Der Klub hat ihm sehr viel gegeben und umgekehrt. Es tut ihm weh, aber er freut sich natürlich für uns - nur kann er es im Moment eben nicht so zeigen.“

Trotz der Anteilnahme überwogen beim Mittelfeldspieler naturgemäß die Glücksgefühle. „Wir haben heute ein bisschen das Glück zurückbekommen, das uns über die Saison gefehlt hat. Es ist jedenfalls wunderschön. Im Großen und Ganzen haben wir es uns verdient, weil wir von den vier Mannschaften im  Abstiegskampf gemeinsam mit Innsbruck Offensiv-Fußball spielen. Das hat sich ausgezahlt. Wir haben heuer 47 Tore geschossen – das muss einfach reichen, obwohl es sehr knapp war.“

Klassenerhalt wichtig für die Entwicklung

Der Last-Minute-Befreiungsschlag sei gar nicht hoch genug einzuschätzen: “Voriges Jahr haben wir die Erfahrung gemacht, vorne mitzuspielen. Da musst du nicht viel nachdenken. Heuer war es anders, die Nerven waren viel angespannter. Das ist eine ganz andere Erfahrung und wichtig für die Entwicklung. Wir waren vor dem letzten Spieltag Letzter und haben es dennoch geschafft. Das pusht gewaltig. Der Klassenerhalt war wichtiger als die EL-Quali. Da geht es um sehr viel für den Verein. Es ist 100:1, ob du in der Bundesliga oder in der Ersten Liga spielst. Ich hoffe, dass die Truppe zusammenbleibt und wir nächste Saison wieder angreifen können.“

Und Ouedraogo meinte in seiner Euphorie, nachdem zum zweiten Mal in Folge in der letzten Runde ein Ziel erreicht wurde, mit einem Augenzwingern abschließend: “Vergangenes Jahr haben wir am letzten Spieltag die Europa-League-Quali geschafft, heute den Klassenerhalt. Nächstes Jahr kommt dann der Meistertitel…

 

Martin Wechtl

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