"Gegner wissen, dass wir gut kicken können"

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Wenn die Beschaffung des Getränkenachschubs zum Marathon wird. „Wos is denn heite los?!“, fragten sich Kantinenpersonal und Stammgäste unisono. Solch einen Andrang hat man in der Südstadt schon länger nicht mehr erlebt.

8079 Zuschauer fanden ihren Weg auf den Sportplatz vor den Toren Wiens, um der Admira gegen Sturm auf die Beine zu sehen.

Jene, die dem Aufsteiger die Daumen drückten, bereuten ihr Kommen nicht. Mit 4:2 siegte die Elf von Trainer Didi Kühbauer und spielte dabei vor allem in der ersten Halbzeit (3:0) furios auf.

Den Ruf der „grauen Maus“ in Betracht ziehend, kann man also beinahe von einem Besucheransturm sprechen, der vermutlich weniger dem Besuch des Meisters sondern vielmehr dem Höhenflug der Hausherren geschuldet war.

„Wunderschön, dass die Zuschauer kommen“

„Die Leute sehen inzwischen auch schon, dass in der Südstadt guter Fußball gespielt wird. Für uns ist es natürlich wunderschön, dass die Zuschauer kommen, das war ja früher in der Südstadt oft nicht so. Und es macht natürlich noch mehr Spaß, wenn viele Zuschauer da sind“, erklärt Christopher Dibon.

Schon vor dem Ankick rangierte die Admira auf dem zweiten Tabellenplatz, gegen die Grazer ging der Höhenflug munter weiter. Die Einordnung, das Überraschungsteam der bisherigen Saison zu sein, ist den Niederösterreichern nicht mehr zu nehmen.

„Ich staune nicht über meine Mannschaft, weil ich weiß, dass sie sehr gute Fußballer sind“, betont Kühbauer, der sich nicht leicht tut, seinen Anteil am Erfolg in Worte zu fassen:

„Wie jeder Trainer versuche ich, die Mannschaft und jeden Spieler besser zu machen. Die Jungs ziehen super mit, seit ich Trainer bin, aber das habe ich inzwischen auch schon 1000 Mal gesagt. Wir haben eine tolle Kameradschaft, dann ist schon einiges erklärbar, warum es im Moment so rennt.“

„Einer ist für den anderen da“

Frech und giftig auf der einen Seite, wohl überlegt und durchdacht auf der anderen – auf den ersten Blick agieren seine Schützlinge wie einst der Mittelfeld-Stratege Kühbauer.

Unterschätzte oder übersehene Spieler wie die Torschützen Issiaka Ouedraogo, Philipp Hosiner und Bernhard Schachner geigen dabei ebenso auf wie Oldboy Patrik Jezek oder Youngsters wie Dibon und Stefan Schwab. Man kann getrost von einer guten Mischung sprechen.

„Ich sage dasselbe wie vorher: Wir sind in die Saison gegangen. Damit wir nicht absteigen. Es ist schön, dass wir schon 14 Punkte haben, aber wir werden nicht anfangen zu träumen oder irgendwelche Dinge in den Raum zu stellen, die nicht zu uns passen.“

Abstiegskampf kein Gag

Die Admira und der Abstiegskampf – dies könnte sich bei weiteren Glanzleistungen noch zu einer Art "Running Gag" der Herbst-Saison entwickeln, auch wenn Dibon energisch widerspricht und sich an das offizielle Vereins-Wording hält:

„Für mich ist das kein Gag. Wir haben uns vor der Saison den Klassenerhalt als Ziel gesetzt. Alle Punkte, die wir sammeln, sind schon gegen den Klassenerhalt. Alles was dazu kommt, ist natürlich wunderschön für uns, da lassen wir uns überraschen.“

Eines steht fest: Spätestens nachdem nun sowohl die Austria als auch Sturm mit 4:2 niedergerungen wurden, unterschätzt die Südstädter niemand mehr. Wobei Dibon ohnehin nicht davon ausgegangen ist, dass dies bisher geschehen ist:

„Die Gegner wissen mittlerweile schon, mit wem sie es zu tun haben. Wir sind zwar der Aufsteiger, aber sie wissen, dass wir gut kicken können. Unsere Aufgabe ist es, Vollgas zu geben und alle zu ärgern.“

Gelingt es weiter, die Konkurrenz zu ärgern, werden sich Kantinenpersonal und Stammgäste heuer wohl noch öfter fragen: „Wos is denn heite los?!“

Peter Altmann

„Es macht einfach riesigen Spaß“, betont Dibon, „wir gehen auf den Platz und machen das, was uns am meisten Freude bringt, nämlich Fußball spielen. Das sieht man bei unseren Spielen auch ganz gut. Einer ist für den anderen da, wir kämpfen füreinander. So entstehen auch die guten Resultate.“

Trotz der Warnungen von Trainer Franco Foda im Vorfeld, wussten die Spieler des SK Sturm am Samstagabend vor allem vor der Pause offenbar nicht, wie ihnen geschieht.

„Wir haben sehr aggressiv begonnen, sehr früh attackiert und versucht, die Fehler von Sturm auszunutzen. Das ist uns sehr gut gelungen“, verdeutlicht Dibon.

„Wir nutzen fast jede Torchance“

Für den Innenverteidiger ist dabei vor allem die Ausbeute an vorderster Front entscheidend – mit 16 Treffern ist die Admira aktuell immerhin die Tormaschine der Bundesliga: „Vor dem Tor haben wir eiskalt zugeschlagen. Das spricht momentan für uns. Wir nutzen fast jede Torchance.“

Bei aller Euphorie zeigte die Partie gegen die Steirer jedoch auch noch die Schwächen des Aufsteigers auf. Denn nach dem Seitenwechsel hätte die Admira das 3:0 fast noch aus der Hand gegeben und konnte sich bei Schiedsrichter-Assistent Andreas Heidenreich bedanken, dass er beim regulären Treffer von Andreas Hölzl zum vermeintlichen 3:3 irrtümlich auf Abseitsstellung von Samir Muratovic entschied.

Dass es noch einmal eng wurde, führte Kühbauer einerseits darauf zurück, dass Sturm im zweiten Durchgang seine gewohnte Klasse abrief („Eine Truppe, die sehr guten Fußball spielen kann“), andererseits habe seiner Elf ein wenig das Benzin gefehlt: „Das war sicher ein Produkt des hohen Aufwands.“

Und vielleicht auch ein wenig Unerfahrenheit in solchen Situationen. Kühbauer ahnte schon in der Halbzeit: „Ich habe gewusst, dass es schwierig wird, die Balance zu finden: Geben wir noch Gas oder spielen wir aus einer gesicherten Defensive heraus? So haben wir das Spiel aus der Hand gegeben, aber die Jungs haben es drübergebracht – Hut ab!“

„Die Jungs können ruhig müde sein – mir egal!“

„Mitleid“ mit seinem bis zum Umfallen kämpfenden Team konnte Kühbauer ohnehin keines aufbringen, vielmehr grinste er schelmisch: „Ohne Laufen geht es nicht. Und die Jungs können ruhig müde sein – das ist mir jetzt wirklich egal!“

Weniger egal ist dem Coach, wenn die Admira aufgrund des zweiten Tabellenplatzes bereits mit nach oben korrigierten Zielen in Verbindung gebracht wird. Gebetsmühlenartig stellt der Burgenländer klar:

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