Kühbauer: "Das Graue-Maus-Image bleibt uns ewig“

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„Als graue Maus wird ein unauffälliger Mensch meist weiblichen Geschlechts bezeichnet.“

DIE Admira erfüllt, umgemünzt auf einen Fußballklub, die „Wikipedia“-Definition, die die „Google“-Suche als erste ausspuckt. Zumindest, was die Vergangenheit betrifft.

Vor allem in den letzten 15 Jahren haben die Südstädter dazu beigetragen, dass dieses Image mit ihnen in Verbindung gebracht wurde.

Auf- und Abstiege zwischen den beiden höchsten Spielklassen sowie vor allem die oft sehr leeren Tribünen in Maria Enzersdorf sorgten dafür, dass sich dieses Bild über die Jahre entwickelte.

Offensiv, attraktiv, erfolgreich

Nun scheint es so, als würde die Admira einen neuen Anstrich bekommen haben. Mit der Bestellung von Trainer Didi Kühbauer im April 2010 kam sukzessive der Erfolg zurück.

Der Aufstieg in die Bundesliga erfolgte erst vor vier Monaten, nun mischt das Team die höchste Spielklasse auf – acht Spiele, 15 Punkte, mit der Austria die meisten erzielten Tore (17), Platz zwei.

 „Wir schauen nicht auf die Tabelle, wir versuchen von Spiel zu Spiel zu schauen. Wir sind seit sieben Partien ungeschlagen, wer uns das vor der Saison gesagt hätte, dem hätten wir den Vogel gezeigt“, bleiben die Spieler, wie hier Stefan Schwab, naturgemäß am Boden.

Doch es deutet vieles darauf hin, dass die Admira aktuell nicht nur wegen der ebenso naturgemäßen Aufstiegseuphorie vorne mitspielt.

So lobt etwa Ried-Coach Paul Gludovatz: „Bei der Admira ist Stabilität drin.“

Mit vielen jungen Stammkräften wie Dibon (20), Windbichler (20), Palla (22), Seebacher (23), Schwab (20), Ouedraogo (23) oder Hosiner (22) treten die Niederösterreicher an – und sind gepaart mit ihrer dynamischen Spielweise erfolgreich.

Neues Selbstbewusstsein

Dadurch entstand nun auch ein Selbstbewusstsein, das in der Südstadt schon länger nicht mehr zu spüren war.

„Wir Jungen, die die erste Saison spielen, haben vor nichts Angst, spielen frech darauf los und haben nichts zu verlieren. Angriff ist die beste Verteidigung“, schildert etwa Schwab.

Sein junger Kapitän Dibon schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Admira ist immer für einen Sieg gut, wir können in dieser Liga jeden schlagen und wollen Punkte sammeln, Punkte sammeln, Punkte sammeln.“

Selbstbewusstsein – vorhanden. Jugend – am Werk. Tore – am Fließband. Erfolg – zurück. Ist das Graue-Maus-Image der Admira Geschichte?

„Wir spielen einen attraktiven, offensiven Fußball und haben die meisten Tore erzielt. Ich glaube, von grauer Maus ist weit und breit keine Rede“, hält Schwab klipp und klar fest und vertritt damit die Meinung seiner Teamkollegen.

„Das war auch keine gute Strategie“

Kühbauer relativiert und spricht über den Status quo: „Mit diesen Jungs wird kein graues Dasein verbunden, sie strahlen Farbe aus, wie in den letzten Wochen zu sehen war. Aber eines ist auch klar: Wir müssen da jetzt hart weiterarbeiten und dürfen nicht glauben, dass alles reinfliegt.“

Hinsichtlich des vorher beschriebene Bildes meint der 40-Jährige: „Das Graue-Maus-Image gibt es nicht erst seit gestern, das hat sich die Admira ‚erarbeitet‘. Wenn es irgendwann nicht läuft, kommt es wieder zum Image der grauen Maus. Damit müssen wir leben, das bleibt uns ein Leben lang.“

Kühbauer weiß noch genau, wie sich das farblose Tier einnistete, spielte die Rapid-Legende doch früher selbst fünf Jahre in der Südstadt: „Wir haben früher den Teil dazu beigetragen und etwa in schwarzen Dressen gespielt. Schwarz trägt man am Friedhof. Das war auch keine gute Strategie.“

Als Trainer scheint der Burgenländer nun die bessere Strategie zu fahren. Die Zeit wird zeigen, ob sich die graue Maus für immer aus der Südstadt verabschieden wird.

Kühbauer glaubt nicht daran. Deswegen bleibt er auch bescheiden: „Jetzt strahlt alles bunt, aber wir lassen die Kirche sehr wohl im Dorf.“

Ob sich aber die Spieler ihr neu gefundenes Selbstbewusstsein wieder abspenstig machen lassen…?

 

Bernhard Kastler

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