Am Boden der Realität

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"Einige scheinen überfordert zu sein!"

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Groß waren die Lobeshymen im Herbst.

13 Spiele (von der 2. bis zur 15. Runde) blieb Aufsteiger Admira ungeschlagen.

Mit erfrischendem Offensiv-Fußball katapultierte man sich an die Tabellenspitze.

Doch von der einstigen Euphorie ist nicht mehr viel übrig. Es herrscht Frust statt Lust.

Seit dem 22. Oktober 2011 (3:2 gegen Wacker) wartet die Mannschaft von Trainer Didi Kühbauer auf einen Sieg, seither wurden lediglich drei Punkte eingefahren.

Die Ursachenforschung hat längst begonnen – erste Erkenntnisse sind jedoch nicht gerade vielversprechend.

„Wir haben derzeit kein Rezept, um ein Tor zu erzielen. Die Jungs haben es drauf, davon bin ich überzeugt. Es fehlt ein bisschen das Quäntchen Glück und das Selbstvertrauen“, wirkt der Chefcoach etwas ratlos.

Der aktuelle Defensiv-Trend tut sein Übriges. „Der heutige Fußball hat sich dahingehend entwickelt, dass die Null stehen muss. Wir sind eine spielfreudige Mannschaft. Die Gegner wissen, dass sie gegen uns kompakt sein müssen“, so der 42-Jährige.

Daher fordert Kühbauer: „Man muss den Zweikampf suchen und sich bewusst sein, dass es dabei auch einmal wehtun kann. Es gibt halt nicht nur Schönwetter-Fußball. Mit solchen Umständen müssen wir rechnen und daran arbeiten.“

LAOLA1 nennt fünf Gründe für den Negativlauf und bittet Benjamin Sulimani um eine Einschätzung.

Stürmer-Flaute

Philipp Hosiner und Issiaka Ouedraogo hatten maßgeblichen Anteil am Höhenflug der Südstädter. Das etatmäßige Sturmduo bringt es gemeinsam auf elf Tore und vier Vorlagen. Doch seit einiger Zeit kämpfen die beiden mit einer hartnäckigen Ladehemmung. Hosiners letzter Treffer datiert vom 3. Dezember 2011, Ouedraogo  wartet bereits seit dem 1. Oktober 2011 auf ein Erfolgserlebnis. „Viele Leute glauben, dass es so weitergeht wie zu Beginn und die beiden jede Woche ihre Tore erzielen. Die Gegner haben sich gut auf sie eingestellt, machen die Räume extrem eng“, erklärt Sulimani.

Erwartungshaltung

Die Latte liegt nach dem fulminanten Start in die Meisterschaft naturgemäß hoch. Und gerade darin liegt das Übel begraben. „Wir haben im Herbst einiges erreicht, die Erwartungshaltung ist daher sehr hoch. Bei manchen Spielern ist es vielleicht auch eine Kopfsache. Sie scheinen mit der jetzigen Situation überfordert zu sein“, so Sulimani. Die anfängliche Euphorie, die praktisch jeder Aufsteiger mitbringt, ist mittlerweile verflogen – auch wenn es sich manche nicht eingestehen wollen.

Fehlendes Selbstvertrauen

Ein, zwei Spiele nicht zu gewinnen, ist kein Beinbruch, wenn es dann aber schon neun Partien sind, fängt man an, sich zu hinterfragen. Der Glaube in die eigene Stärke schwindet, Verkrampftheit und Unsicherheit machen sich breit. „Wir haben neun Spiele nicht gewonnen – das ist schon eine lange Zeit. Wenn man solche Dinge in der Zeitung liest, beschäftigt man sich damit – auch wenn wir das eigentlich nicht tun und nur auf Fußball konzentrieren sollten. Wenn man den Kopf nicht frei hat, sieht man eh, was rauskommt“, ist sich Sulimani bewusst.

Verschlafene Anfangsphase

Es ist fast immer ein und das selbe Muster. Bei jeder Niederlage – einzige Ausnahme ist das 0:2 in der 1. Runde gegen Rapid - haben die Südstädter einen Gegentreffer in den ersten 15 Minuten kassiert. Warum die Anfangsphase so oft verpennt wird, bleibt ein Rätsel. Auch Sulimani hat keine Antwort parat: „Keine Ahnung. Wir nehmen uns vor, von der ersten Minute an hellwach zu sein. Der Trainer spricht es immer an, doch wir verschlafen leider die ersten zehn, fünfzehn Minuten komplett.“

Zu leicht ausrechenbar

Die Admira ist nicht der erste und wird nicht der letzte Aufsteiger sein, der zu Beginn für Furore sorgen konnte. Doch die Unbekümmertheit und der Überraschungsmoment sind weg. Die Kontrahenten haben sich mittlerweile gut auf die Südstädter eingestellt. „Die Gegner haben uns gut  analysiert. Sobald die Räume eng werden, tun wir uns schwer. Konter-Möglichkeiten gibt es fast keine mehr“, weiß Sulimani. Zudem ist das Spiel der Kühbauer-Elf zu sehr von Leistungsträgern wie Jezek abhängig.

 

Martin Wechtl

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