Hütter: "Ich habe keine Angst vor der Aufgabe"

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Die Rückkehr ist perfekt.

Meister Red Bull Salzburg präsentierte Montagmittag bei einer Pressekonferenz Adi Hütter als Nachfolger von Trainer Roger Schmidt.

Der 44-Jährige, der zuletzt zwei Jahre den SV Grödig trainierte und in seinem letzten Spiel am Sonntag mit dem Aufsteiger als Dritter sensationell einen Europacup-Platz erreichte, unterschreibt einen Zweijahres-Vertrag beim Qualifikanten der Champions League.

"Meine Freude über diese Aufgabe ist sehr groß", hält der erst zweite heimische Salzburg-Trainer nach Kurt Jara (2005/06) in der Red-Bull-Ära fest, "ich habe ein sehr gutes Gefühl, denn ich spüre eine Vertrauensbasis hier. Ich will das Vertrauen zurückgeben."

Zurück in Salzburg

Als Spieler der Salzburger Austria wurde der Vorarlberger drei Mal Meister und stand vor 20 Jahren und einem Tag im UEFA-Cup-Final-Rückspiel gegen Inter Mailand, die Red Bull Juniors trainierte der Altacher 2008/09 für eine Saison.

Zuvor hatte Hütter auch eine Spielzeit als Co-Trainer unter Lars Söndergaard und Michael Streiter fungiert, nachdem der frühere Mittelfeldspieler 2007 seine aktive Karriere bei den Juniors beendete.

Bei einem Mittagessen mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz wurde vergangene Woche das Fundament für eine Rückkehr zu den "Bullen" gelegt, denn üblicherweise gibt es keinen Weg zurück zu Red Bull.

Hütter hatte nach der Saison 2008/09 als Juniors-Coach gehen müssen, als er einen internen Machtkampf verlor.

Nun holte Sportchef Ralf Rangnick seinen Wunschkandidaten für den zu Bayer Leverkusen abwandernden Roger Schmidt zurück. Für den Deutschen im wahrsten Sinne des Wortes "naheliegend".

Schließlich trainierte Hütter Grödig nur rund 15 Autominuten von der Red-Bull-Arena entfernt und Rangnick bekam alles hautnah mit.

"Grödigs Erfolg hat viel mit Trainer zu tun"

"Wir haben natürlich genau hingeschaut, was in Grödig passiert ist", so der 55-Jährige, der zur Begründung der Entscheidung ausholt.

"Der Verein hat wohl mit dem kleinsten Etat der Liga den dritten Platz belegt und Klubs wie Austria, Sturm und Ried hinter sich gelassen. Ohne einige Widrigkeiten hätte es wohl auch für Platz zwei gereicht. Das hat sehr viel mit der Arbeit des Trainers zu tun. Als sich der Abgang von Roger abzeichnete, haben wir die Gespräche aufgenommen und ich bin sehr froh, dass wir eine Einigung erzielen konnten."

Trotzdem will Hütter seinen eigenen Weg gehen. "Roger Schmidt hat Spuren hinterlassen, aber ich will nicht in Spuren treten sondern neue Wege gehen", so der neue Coach, der Schmidts Aussage ("Wir haben nahe der Perfektion gespielt") bestätigt.

"Roger hat damit Recht. Das kann man nicht viel besser machen. Aber man kann noch feilen, in manchen Bereichen zulegen und sich weiterentwickeln."

Fulminanter Aufstieg

Mit der Bestellung ist Hütter nicht nur ein Comeback, sondern auch ein fulminanter Aufstieg gelungen.

Nachdem er seinen Heimatverein Altach 2012 im Aufstiegsrennen verlassen musste, heuerte ihn Grödig-Manager Christian Haas an.

Mit einigen Wochen Vorbereitung stellte das Duo ein Team zusammen, das im Winter noch neun Punkte hinter Leader Austria Lustenau lag, aber im Frühjahr sensationell in die Bundesliga marschierte.

Vom EC-Starter zum Meister

Hütter, der am 31. März seinen Abschied von Grödig bekanntgab, auch von Ried ein Angebot hatte sowie immer wieder mit der Wiener Austria in Verbindung gebracht wurde, führte die "Village People" mit einem 3:3 am letzten Spieltag in den Europacup.

"Man kann sich vorstellen, wie die Stimmung im Bus zurück nach Salzburg war", lachte Hütter, der noch etwas gezeichnet wirkte.

Bei der Feier im Hotel Untersberg musste Hütter sich bremsen, schließlich wurde er nur wenige Stunden später vorgestellt.

Sein großes Ziel heißt nun nicht Europa League mit Grödig, sondern Champions League mit  Salzburg, die er als Spieler von Austria Salzburg vor 20 Jahren erstmals errreichte.

 

Bernhard Kastler

Hütter konnte die Anforderungen allesamt erfüllen. "Es hat viel für Adi gesprochen. Er war hier auch Spieler, kennt die Mannschaft, spricht die Sprache, hat auch etwa viele Spiele des FC Liefering gesehen. Und die Spielphilosophie, die Art und Weise, wie Grödig als Aufsteiger in sehr vielen Spielen aufgetreten ist, ist nicht sehr weit weg von unserer."

"Mir ist die emotionale Bindung sehr wichtig"

Hütter sprach nach der Pressekonferenz erstmals mit der Mannschaft. "Ich werde ein paar Sachen ansprechen, auch wie ich als Trainer ticke", so der neue Coach, dem das Verhältnis zur Mannschaft sehr wichtig ist.

„Ich habe zu Beginn zwei Ziele: Ich will die Mannschaft kennenlernen und zu ihr eine emotionale und soziale Bindung aufbauen. Das ist mir sehr wichtig. Zweitens will ich den spielerischen Weg bei Red Bull Salzburg fortsetzen, mit meiner Art als Trainer neue Ideen einbringen und weiterentwickeln", so Hütter, der weiß, wie das große Ziel lautet.

"Wir wollen die Gruppenphase der Champions League erreichen und, wie Ralf auch schon einmal erwähnt hat, da nicht nur dabei zu sein sondern auch eine Rolle zu spielen. Alle im Verein wollen das und das Team ist dazu im Stande, das zu leisten", ist Hütter, der auf den Verbleib der Stars hofft sowie mögliche, punktuelle Verstärkungen anspricht, guter Dinge.

Nachdem der neue Kapitän auf dem Schiff bisher nur kleine Klubs trainierte, hat er jetzt den großen Sprung geschafft. "Ich habe mir das hart erarbeitet. Ich bin jetzt sechs Jahre Trainer, die Arbeit wurde gesehen, und ich habe die Chance jetzt hier bekommen. Das macht mich sehr glücklich und ich denke die Konstellation passt. Denn der Verein hat hohe Ziele und die habe ich auch."

Keine Angst zu scheitern

Angst zu scheitern, wie es etwa Nenad Bjelica bei der Austria ergangen ist, hat der Trainer-Aufsteiger nicht: "Wer diese hat, sollte es lieber lassen. Ich habe keine Angst vor dieser Aufgabe, suche Erfolg und bin ein Mensch, der seine Ziele ganz klar verfolgt."

Plus: "Ich vertraue auf meine Arbeit und auf das, was ich bisher als Trainer gelernt habe. Die Rahmenbedingungen sind hier natürlich sehr gut und ich freue mich darauf, große Ziele hier erreichen zu können. Ich will mit Salzburg dorthin, wo es hingehört, in die Champions League."

Mit Roger Schmidt will sich Hütter nicht mehr näher austauschen.

"Ich habe mit Ralf Rangnick einen Ansprechpartner und deswegen sehe ich mich nicht dazu gezwungen", so der Nachfolger, der mit seinem Vorgänger einst in Grödig im Oktober zusammengerasselt war, aber sich auch wieder schnell mit dem Deutschen vertragen konnte.

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