Zumal der Weg bis dahin schon stimmte. „Wir habend das Schlimmste überstanden“, sagte der Publikumsliebling im April 2013 in einem LAOLA1-Interview. Die erste gemeinsame Vorbereitung im Winter zuvor trug bereits im Frühjahr ihre Früchte.

Kollektiv geformt

Zwar wurden mit einigen Remis wichtige Punkte liegengelassen, aber verloren wurde in der Liga nie. Und das obwohl Salzburg zumeist einem Rückstand nachlaufen musste. Ein Zeichen, aus welchem Holz die Mannschaft nun geschnitzt war. „Vater“ Schmidt hatte dieser Einheit geformt.

Das letzte Viertel der Saison 2012/13 war fast ein perfektes. Acht der neun Spiele wurden gewonnen, nur in Ried gaben die „Bullen“ ein 2:0 noch aus der Hand. Alleine die Spielweise ließ dabei schon vermuten, auf was man sich nach der titellosen Saison gefasst machen konnte.

Hungrig nach Titeln legte Salzburg eine Vorbereitung hin, in der vor allem das „Pressing auf ein neues Level“ (New York Times) gehoben werden sollte. Alleine ein 7:2-Sieg im Test bei Ex-Klub Paderborn sagte schon einiges aus. Mit Start der neuen Saison bestätigte RBS den Eindruck.

Schmidt machte Spieler besser

Dabei mussten sich auch ältere Spieler dem Spielstil anpassen. Bestes Beispiel: Jonatan Soriano. Der frühere Strafraum-Stürmer hatte nun auch defensive Aufgaben, die ihn bisweilen auch als letzten Mann schon ein Tackling begehen ließen. Als Vorbild bestimmte ihn Schmidt zum Kapitän.

„Eine klare Erkenntnis ist, dass auch routiniertere Spieler in der Lage sind, ihr Spiel zu verändern und sich weiterzuentwickeln“, sagte Schmidt einmal in Anspielung auf Ribery und Robben. Soriano war bei Schmidts Bestellung noch Ersatzspieler, in zwei Saisonen hält er nun bei 56 Liga-Toren. 

Schmidt entwickelte Spieler kollektiv weiter, führte Christian Schwegler zu seiner Karriere-Bestform, gab Christoph Leitgeb die Zeit, um körperlich fit zu werden, damit er so bärenstark wie in dieser Saison spielen konnte oder machte Stefan Ilsanker zu einer unverzichtbaren Größe.

Kollektiv gegen den Ball zu arbeiten, hohes defensives Stehen, schneller Abschluss – Salzburg hatte ein Gesicht, das attraktiv war. Jung, schnell, dynamisch – es passte erstmals auch zu Red Bull.

Die Ernte wurde eingefahren

Und in der zweiten Saison wurde auch die Ernte eingefahren.

9:0 in St. Florian, 5:1 in Wiener Neustadt, 5:1 gegen Austria Wien hießen etwa die ersten Ergebnisse. In der Champions-League-Qualifikation gegen Fenerbahce wurde erstmals wieder international begeistert. Trotz dem Aus nach 1:1 (h) 1:3 (a) hatten die Salzburger mit ihrer Art zu spielen die Sympathien auf ihrer Seite. Chance um Chance wurden in beiden Partien vergeben.

Der Rest ist Geschichte. Es folgten auf internationaler Ebene plus Quali und Sechzehntelfinale zehn Siege in der Europa League, dabei die Höhepunkte gegen Ajax Amsterdam mit einem 3:0-Auswärts- und 3:1-Heimsieg. Das Aus im Achtelfinale gegen Basel war dabei ein bitteres Kapitel.

Der Titel wurde nach 28 Runden eingefahren, kein Klub wurde früher österreichischer Meister.

„Wir sind noch nicht am der Ende unserer Entwicklung“, sagte Schmidt zuletzt. Das, also die Aussicht auf eine verheißungsvolle Champions-League-Saison, und sein Team, die mit ihm eine „noch nie da gewesene“ Einheit bildeten, ließen ihn lange überlegen, ob er das so reizvolle Angebot aus Leverkusen annehmen solle. Schließlich musste es Schmidt einfach tun. 

So wie jenes aus Salzburg damals vor zwei Jahren. Mit Rapid beginnt am Samstag seine Abschiedstour, die am 18. Mai mit einem weiteren Titel in Klagenfurt gipfeln soll. 

Mit einem Sieg im Cup hat es begonnen, mit einem Sieg im Cup will er gehen. Er würde gehen, wie er gekommen ist. Und das noch einmal auf einer ganz anderen Stufe.

Bernhard Kastler

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