Fünf Gründe für den Höhenflug der Admira

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„Die Admira ist wieder da. Die Ad-mir-a ist wie-der da!“, tönte es zuletzt in der Südstadt immer öfter.

Und das ist sie aktuell wirklich, denn die Admira ist die Überraschungsmannschaft der jungen Bundesliga-Saison. Nach fünf Runden halten die Niederösterreicher bei elf Punkten und sind nach wie vor ungeschlagen.

Mit einem Sieg in Altach würde die Admira den Vorsprung auf die Vorarlberger bereits auf satte elf Zähler ausbauen. Sollte die SV Ried gegen Sturm Graz verlieren, wären es mit einem Dreier im Ländle bereits 13 Punkte auf die Innviertler.

„Kein schlechter Polster“, schmunzelt Cheftrainer Ernst Baumeister im Gespräch mit LAOLA1. Das vor der Saison ausgegebene Ziel Klassenerhalt wird aber auch nach dem sensationellen Saisonstart nicht aus den Augen verloren: „Jeder Punkt, den wir uns erkämpfen, ist nach wie vor einer gegen den Abstieg.“

Doch was macht den Vorletzten der vergangenen Saison so stark? Warum läuft es bislang so viel besser als in der vergangenen Spielzeit? LAOLA1 nennt fünf Gründe für den Höhenflug.

Die Offensive funktioniert

Die Offensive galt vor der Saison als wohl größter Schwachpunkt der Südstädter. Kein Wunder, war Rene Schicker in der letzten Spielzeit mit nur fünf Toren der treffsicherste Admiraner. Viel Grund für Optimismus gab es nicht. Dominik Starkl kam leihweise von Rapid, wo ihm der Durchbruch verwehrt blieb. Dieser gelang ihm bei den Niederösterreichern jedoch eindrucksvoll. Mit vier Treffern in vier Spielen zeigte der 21-Jährige, dass er sowohl auf der Außenbahn als auch im Sturmzentrum für Torgefahr sorgt. „Dominik ist richtig gut, deswegen wollten wir ihn unbedingt verpflichten. Er hat einen Lauf und trifft derzeit aus fast jeder Situation. So ist das bei Stürmern mit Qualität – wenn sie einen Lauf haben, ist fast jeder Schuss ein Tor“, erklärt Baumeister. Doch dem nicht genug, mit Toni Vastic machte bislang ein weiterer Angreifer auf sich aufmerksam. Der 22-Jährige, der die Vorbereitung großteils mit einer Muskelverletzung verpasste, beeindruckt durch körperliche Präsenz und Torgefahr. Zwei Tore und ein Assist in nur vier Spielen (zwei von Beginn an) untermauern seine Effizienz. Dahinter sorgen gleich mehrere Spieler für Variabilität in der Offensive – ein weiteres Geheimnis des Erfolgs. Eldis Bajrami, Lukas Grozurek, Maximilian Sax, René Schicker, Markus Blutsch - durch die ständige Rotation ist die Admira schwer zu durchschauen. Da es so gut läuft, kann man es sich sogar leisten, Issiaka Ouedraogo abzugeben. Der Teamstürmer aus Burkina Faso sitzt derzeit nur auf der Tribüne und liebäugelt mit einem Transfer – wahrscheinlich zum WAC. Mit elf Toren stellt der schwächste Angriff der letzten Saison vor der sechsten Runde die drittbeste Offensive der Liga. Die Defensive hat daran zwar genauso großen Anteil (sieben Gegentore sind drittbester Liga-Wert), doch kommt die überragende Offensiv-Leistung wesentlich überraschender. Baumeister will den derzeitigen Erfolg nicht nur am funktionierenden Angriff aufhängen: „Wir stehen auch hinten sehr gut. Die ganze Mannschaft arbeitet stark.“

Abgänge intern kompensiert

Richard Windbichler, Konstantin Kerschbaumer, Stephan Auer, Markus Katzer, Benjamin Sulimani – die Liste der Abgänge im Sommer war lang. Und es war zu befürchten, dass die Neuzugänge Dominik Starkl und Florian Neuhold diese nicht kompensieren könnten. Wie man nun sieht, müssen sie dies auch gar nicht. Zugegeben – Starkl spielt eine große Rolle beim aktuellen Höhenflug, Neuhold kam jedoch lediglich zu einem Kurzeinsatz. Dass die Admira dennoch nicht in ein Loch fiel, liegt an den „gestandenen“ Spielern in den eigenen Reihen. Neo-Kapitän Christoph Schößwendter übernimmt im Abwehrzentrum noch mehr Verantwortung und ersetzt so Katzer. Außen sorgt Thomas Ebner mit starken Auftritten für Furore. Mit zwei Assists zeigt er in dieser Saison auch, dass er offensiv Potenzial hat. So macht er den Abgang von Auer nahezu vergessen. Markus Wostry ist einer der Überraschungsmänner in der Defensive. Er übernimmt den Part von Richard Windbichler – im Boden- und Luft-Zweikampf bärenstark. „Der Abstiegskampf im Vorjahr hat viele Spieler geprägt. Wenn du dann in der letzten Runde den Klassenerhalt fixierst, stärkt das. Voriges Jahr sind Spieler wie Ebner oder Wostry mitgeschwommen. Jetzt haben sie selbst mehr Verantwortung und übernehmen sie. Sie spielen selbstbewusster, das sieht man.“ Die Rolle von Kerschbaumer nehmen ob der bisherigen Rotation gleich mehrere Spieler ein. Markus Blutsch ist mit seiner Dynamik und Kreativität auf der „Zehner-Position“ ein echter Lichtblick.

Das Trainerduo harmoniert

Spiele der Admira sind spannend zu beobachten. Zum ersten Wechsel kommt es meist schon, bevor auch nur ein einziger Spieler beim Aufwärmen ist. Nämlich zu dem Zeitpunkt, an dem Ernst Baumeister auf der Ersatzbank Platz nimmt und Oliver Lederer aufsteht. Laut Regularien darf nur ein Trainer stehen und aktiv coachen, deshalb der „fliegende Wechsel“. „Das ergibt sich völlig spontan, je nach Spielverlauf. Am Anfang stehe immer ich, danach wechseln wir uns spontan ab. Oliver sieht etwas und gibt Anweisungen, dann setze ich mich. Ein paar Minuten später fällt mir etwas auf und ich laufe hinaus. Dann dreht sich der Spieß um. Manchmal sieht man von hinten mehr, weil man ruhiger ist“, erklärt Baumeister das Wechsel-Spielchen. Auch neben dem Platz harmoniert das Duo ideal. Während Lederer der akribische Arbeiter ist, setzt Baumeister auf Intuition und lockeren Umgang mit den Spielern. „Oft beginnt Oliver bereits Anfang der Woche nachzudenken, welcher Spieler dem Gegner am Wochenende Probleme bereiten könnte. Dann versuche ich, ihn etwas zu bremsen. In der Trainingswoche kann so viel passieren, vielleicht drängt sich ein Spieler auf oder es verletzt sich jemand“, schildert die Austria-Legende ihre Sicht der Dinge. „Oliver plant alles bis ins kleinste Detail, ich verschaffe ihm mit meiner Routine die nötige Ruhe. Auch Co-Trainer Michael Horvath spielt eine große Rolle. Wir sind diese Saison aus Standardsituationen sehr gefährlich, das ist zu einem großen Teil sein Verdienst. Die Mannschaft merkt, dass das Trainerteam die Harmonie nicht nur nach außen vorspielt, sondern, dass die Chemie echt ist. Das überträgt sich auf die Mannschaft.“

Einer für alle – und alle für einen

Der Teamgeist innerhalb der Truppe wird als großartig beschrieben. Dass die Moral stimmt, war vor allem beim 3:2-Sieg in Grödig in der vierten Runde unübersehbar. Zweimal gingen die Salzburger in Führung, beide Male glich die Admira aus. In der 84. Minute gelang Toni Vastic dann sogar noch der Siegtreffer. „Sogenannte Stars bzw. die Führungsspieler sind weg. Dass wir danach als Fixabsteiger tituliert wurden, hat die Mannschaft richtig zusammengeschweißt. Keiner sticht heraus, alle ziehen an einem Strang“, unterstreicht Baumeister die Wichtigkeit des guten Teamgeists. „Die Kameradschaft ist seit dem ersten Tag äußert positiv. Wenn man gewinnt, ist das fast selbstverständlich – bei uns war es aber vom ersten Tag der Vorbereitung an so. Das macht sehr viel aus.“ Der Verein selbst trägt seinen Teil dazu bei. Bereits vor der Saison wurde auf diversen Social-Media-Plattformen der Hashtag „#herzblut“ ins Leben gerufen. Herzblut, also immer alles geben, lautet die Devise der jungen Mannschaft und des Klubs. Dieser Gedanke schwappte bislang nur noch nicht ganz auf die Anhänger in der Südstadt um. Denn in Wahrheit hätten sich die Spieler für ihre sensationellen Auftritte mehr als die durchschnittlich 2.500 Fans, die bislang den Weg in die BSFZ-Arena fanden, verdient.

Die nötige Portion Glück

„Das Glück muss man sich erarbeiten“, lautet eine etwas abgedroschene und überstrapazierte Fußballer-Weisheit. Dass sie dennoch wahr ist, beweist die Admira in letzter Zeit. Schon beim Saisonauftakt bei Sturm Graz deutete sich die gnadenlose Effizienz an - Dominik Starkl brachte die Admira mit der zweiten wirklichen Chance und dem ersten Schuss auf das Tor in Führung - am Ende holten die Niederösterreicher einen Punkt. Auch gegen Mattersburg oder zuletzt die SV Ried war kein großer Klassenunterschied zu sehen. Die Admira dominiert nicht, punktet aber. Eine Tugend, die letzte Saison gefehlt hat. 2014/15 gingen die Südstädter oftmals als Verlierer vom Platz, obwohl man spielerisch überlegen war. „Man sagt nicht umsonst: ‚Der Tüchtige hat das Glück.‘ Das ist alles hart erarbeitet“, bekräftigt Baumeister. „Glück hast du vielleicht einmal einen kurzen Augenblick lang, aber nicht über einen so langen Zeitraum. Generell ist Glück alleine zu wenig, darauf kannst du dich nicht verlassen.“

 

Matthias Nemetz

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