Zehn Jahre Red Bull Salzburg

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Es war der 6. April 2005.

"Der Salzburger Energydrink-Konzern Red Bull übernimmt ab sofort die Salzburg Sport AG und damit den Fußballbetrieb des vom Abstieg bedrohten Salzburger Bundesligisten", ließ die Austria Presseagentur nach einer Aussendung um 20:38 Uhr an diesem Mittwoch wissen.

Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich die österreichische Fußball-Landschaft nachhaltig. LAOLA1 blickt zurück und zieht Bilanz: Zehn Jahre Red Bull Salzburg.

DIE ANFÄNGE

"Es kam überraschend", sagt Heinz Arzberger, damals Tormann von Austria Salzburg und heute Tormann-Trainer beim Meister. Red Bull und Fußball - das hatte bis zu diesem Zeitpunkt keiner so wirklich auf der Rechnung.

Der Konzern von Dietrich Mateschitz war zu diesem Zeitpunkt schon länger im Sportsponsoring engagiert gewesen, hatte aber früher vor allem in Trendsportarten seine Mittel eingesetzt. Mit Fortdauer kamen Engagements bei in Österreich etablierten Sportarten wie Eishockey, Ski alpin, Skispringen und im selben Jahr mit der Übernahme von Jaguar auch Formel 1 hinzu.

"Selten haben wir eine Entscheidung länger und genauer geprüft als jene, in das österreichische bzw. internationale Fußballgeschehen einzusteigen", wurde Mateschitz in der Aussendung vom 6. April zitiert und erklärte wie folgt.

"Höchst intelligentes Strategiespiel"

"Last but not least war dafür auch die Entwicklung verantwortlich, dass sich der internationale Fußball immer mehr zu einem höchst intelligenten Strategiespiel entwickelt hat, mit charismatischen Spielerpersönlichkeiten, mit neuen fußballbegeisterten Zuschauern und Zuschauerinnen, wie man sie nie zuvor in Stadien gesehen hat. Auch ist mit der kommenden Welt- und vor allem auch der in Salzburg stattfindenden Europameisterschaft ein äußerst günstiger Zeitpunkt für ein Engagement gegeben."

Der damalige Klub-Präsident Rudi Quehenberger jubelte über den Einstieg von Red Bull: "Meine Arbeit für den Salzburger Fußball hat sich nun endlich gelohnt. Ich bin glücklich darüber, dass eines der bedeutendsten Unternehmen der Welt sich für den Fußball interessiert und bin davon überzeugt, dass wie in den Jahren 1993 bis 1997 für die Salzburger Fans wieder Fußballjahre kommen werden, von denen man nur träumen kann."

Er beschrieb den Einstieg von Mateschitz folgendermaßen: "Er ist von mir seit mehr als 15 Jahren jedes Jahr angesprochen worden, für den Salzburger Fußball Interesse zu zeigen. Vor einer Woche hat er mich angerufen, ob ich Interesse für ein Gespräch habe."

Quehenberger: "Red Bull ist ein Segen"

Die Salzburger Austria spielte in der Saison 2004/05 gegen den Abstieg und soll finanziell angeschlagen gewesen sein, auch wenn der heutige Ehrenpräsident Quehenberger bei LAOLA1 vergangenen Herbst dementierte (Hier zur Story: "Red Bull ist ein Segen"): "Ohne Red Bull gäbe es uns auch noch. Ich hatte immer so viel Geld, dass ich den Klub hätte weiterführen können. Es wäre so weitergegangen, aber nie in der Form wie mit Red Bull. Dann wären wir vielleicht wie Sturm, Austria oder Rapid. Aber da hätte ich keine Bedenken gehabt.“

Nach dem Einstieg von Red Bull änderte sich freilich vieles. Am Anfang freuten sich die Austria-Fans noch über das Engagement, doch bald änderte eine Vielzahl ihr Meinung. Das neue Logo, die neuen Vereinsfarben - es gab Proteste beim ersten Freundschaftsspiel gegen Mondsee.

Arzberger trug violette Stutzen, doch damit war es freilich nicht getan. Frühere Fans wandten sich ab und gründeten Austria Salzburg neu, das sich inzwischen seinen Weg von ganz unten bis in die Regionalliga gebahnt hat. 

BILANZ NATIONAL

Liga

Red Bull Salzburg wurde in seiner ersten Saison hinter der Wiener Austria Zweiter. Seither rangierten die "Bullen" in der Endtabelle nie schlechter als auf dem zweiten Rang. In den bisherigen neun abgeschlossenen Saisonen wurde Salzburg fünf Mal Meister (2007, 2009, 2010, 2012, 2014) und vier Mal Zweiter (2006 hinter Austria, 2008 hinter Rapid, 2011 hinter Sturm, 2013 hinter Austria). In der Ära Roger Schmidt (2012-2014) konnten einige Rekorde eingeheimst werden, u.a. die Saison mit den meisten Toren (110 in 2013/14) oder die längste Serie ohne Bundesliga-Niederlage (33). Der Punktekord von der Wiener Austria (82/2013) blieb 2014 verwehrt (80), zumal man schon im März Meister war (Rekord) und danach einige Punkte auf der Strecke ließ.

Cup

Es dauerte seine Zeit, bis Red Bull Salzburg in diesem Bewerb ankam. Im ersten Versuch scheiterte man nach einem 3:2-Sieg bei der Vienna in Runde zwei gegen die Austria Amateure (mit Andreas Ulmer) 0:1. 2007 schied man im Halbfinale zu Hause gegen Mattersburg mit 2:3 n.V. aus, 2007/08 gab es wegen der EURO keinen Cup-Bewerb, 2008/09 scheiterte man zu Hause im Achtelfinale wieder an den Austria Amateuren (1:2). 2010 kam bei Sturm ebenfalls im Achtelfinale das Aus (0:2), eine Saison später blamierte man sich bei BW Linz mit 1:3. 2012 wurde per 3:0 gegen Ried der erste Cup-Titel fixiert. 2013 gab es die nächste Blamage gegen Pasching - 1:2 im Halbfinale vor eigenem Publikum. 2014 folgte der nächste Triumph - 4:2 gegen St. Pölten. In dieser Saison erzielte man mit einem 12:1 gegen den Wr. Sportklub den höchsten Sieg der Klubgeschichte.

Double

In den Spielzeiten 2011/12 unter Trainer Ricardo Moniz und 2013/14 unter Trainer Roger Schmidt wurde das Double geholt. Auch in der zehnten Saison ist es nach wie vor möglich.

BILANZ INTERNATIONAL

Champions League

Sieben Mal hat es Red Bull Salzburg versucht, sieben Mal ist man gescheitert, in die Gruppenphase der Champions League einzuziehen. Erst in dieser Saison musste man in Malmö nach einem 0:3 im Playoff-Rückspiel die Segel streichen. Eine detaillierte Auflistung der vorangegangen Versuche gibt es HIER.

UEFA Cup

Im Vorgängerbewerb der heutigen Europa League schieden die Salzburger drei Mal in Folge in der ersten Runde aus. Gegen Blackburn (2:2/h, 0:2/a), AEK Athen (0:3/a, 1:0/h) und FC Sevilla (0:2/a, 0:2/h) gab es kein Weiterkommen.

Europa League

Es ist jener Bewerb, in dem Red Bull Salzburg international bislang am erfolgreichsten abschnitt. 2009 und 2013 gewann man alle Gruppenspiele, 2014 wurden fünf Siege und ein Unentschieden eingefahren. 2010 schied man als Gruppenletzter aus, 2011 qualifizierte man sich dank eines Traumtreffers von Dusan Svento in der Nachspielzeit gegen PSG noch für das Sechzehntelfinale. Dort kam 2010 gegen Standard Lüttich das Aus (2:3/a, 0:0/h), 2012 gegen Metalist Charkiw (0:4/h, 1:4/a) und 2015 gegen Villarreal (1:2/a, 1:3/h). 2014 legte man mit dem besten Spiel der Red-Bull-Ära (3:0 bei Ajax Amsterdam) den Grundstein für den Achtelfinal-Aufstieg (3:1 zu Hause). In der Runde der letzten 16 setzte es dann ein bitteres, weil unnötiges Aus gegen den FC Basel (0:0/a, 1:2/h).

"Egal ob in lila, blau, grün..."

Freilich gab es auch andere Meinungen. "Es ist egal ob man in lila, blau, grün, gelb oder was auch immer spielt, das einzig Wichtige ist, dass die Mannschaft erfolgreich spielt", sagte Franz Beckenbauer. 

Deutschlands "Kaiser" hatte eine Berater-Rolle übernommen: "Weil ich den Eindruck hatte, dass Dietrich Mateschitz ohne mein Mitwirken das Projekt fallen gelassen hätte. Und das wäre gegenüber der gesamten Region unmoralisch gewesen."

Nach dem durch Interims-Trainer Manfred Linzmaier erzielten Klassenerhalt rückte dieser zu Beginn der neuen Saison hinter Trainer und Quasi-Sportchef Kurt Jara in die zweite Reihe. Kurt Wiebach wurde zum wirtschaftlichen Leiter ernannt.

"Das neue Wunderteam"

Die erste Transferphase dieses Sommers sah wie folgt aus, das Magazin "The Red Bulletin" titelte in seiner Erstausgabe "Das neue Wunderteam"...

Zu: Alexander Manninger (AC Siena), Markus Schopp (Brescia Calcio), Roland Kirchler, Christian Mayrleb, Patrik Jezek (CZE/alle Pasching), Marc Janko (Admira), Alexander Knavs (SLO), Vratislav Lokvenc (CZE/beide VfL Bochum), Alexander von Schwedler (CHI/US Bari), Thomas Linke (beide GER/beide Bayern München), Ezequiel Alejo Carboni (ARG/Lanus), Sebastian Miranda (CHI/Union Espanola), Wolfgang Mair (Wacker Tirol)

Ab: Tobias Willi (GER/MSV Duisburg), Ricardo Villar (BRA/SpVgg Greuther Fürth), Thomas Eder, Seo Jung-Won (KOR), Daniel Kastner (alle SV Ried), Alexander Schriebl, Mihael Rajic (CRO/beide Austria Lustenau), Heiko Laessig (GER/Karriere-Ende), Nino Bule (CRO/Admira), Goran Tomic (CRO/?), Miljan Mrdakovic (SCG/?), Seo Jung-Won (KOR/Ried), Kai Schoppitsch (Pasching), Jürgen Friedl (BW Linz), Damir Milinovic (CRO/?), Serkan Aslan (TUR/?), Nikola Gjosevski (MKD)

"Das neue Wunderteam" verlor am 12. Juli 2005 sein erstes Bewerbsspiel auswärts gegen den GAK 1:3. Markus Schopp vergab kurz vor Schluss beim Stand von 1:2 einen Elfmeter. GAK-Trainer Walter Schachner meinte nach dem Spiel: "Am Vormittag hat mir jemand gesagt, beim Stierkampf werden die Bullen nach zwanzig Minuten hinausgetragen. Wir haben heute 93 oder 94 Minuten dazu gebraucht."

Im ersten Heimspiel gewann Salzburg dann gegen Mattersburg durch Tore nach der Pause 4:0. Jara meinte damals: "Wir haben von der ersten Minute an versucht, nach vorne zu spielen. Obwohl wir Riesen-Chancen vergeben haben, haben wir nie die Geduld verloren, und nach dem 1:0 war der Bann gebrochen. Im Anschluss haben wir Ruhe am Ball gezeigt und noch drei Treffer nachgelegt. Die Zuschauer müssen froh sein, wenn sie bei solchen Events dabei sein dürfen."

DIE ERSTE AUFSTELLUNG VON RED BULL SALZBURG 

T-Mobile-Bundesliga (1. Runde): GAK - Red Bull Salzburg 3:1 (1:1) Schwarzenegger-Stadion, 10.272 Zuschauer, Stuchlik
0:1 (24.) Knavs, 1:1 (38.) Bazina, 2:1 (52.) Kollmann, 3:1 (95.) Bazina

DIE TRAINER

KURT JARA (AUT, 2005/06) - Punkteschnitt: 1,74

Erster Trainer der Red-Bull-Ära und einziger, der am Ende seines Engagements ohne Titel da stand. Musste gehen, nachdem es "Ungereimtheiten bei Spielertransfers" gegeben haben soll. Es wurde lange prozessiert, am Ende gab es einen Vergleich.

GIOVANNI TRAPATTONI (ITA, 2006-2008) - Punkteschnitt: 1,87

Italienischer Star-Trainer, der mit Lothar Matthäus den ersten Titel in der Ära holte. Ohne den Deutschen fehlten in Donetsk nur wenige Minuten auf den ersten Einzug in die Champions-League-Gruppenphase. 0:7 gegen Rapid als Tiefpunkt.

CO ADRIAANSE (NED, 2008/09) - Punkteschnitt: 1,98

Niederländer wurde in seiner ersten Saison Meister, musste aber als solcher nach nur einer Saison wieder den Hut nehmen, als ein prominenter Landsmann von ihm übernahm. Ist heute strategischer Berater beim FC Utrecht.

HUUB STEVENS (NED, 2009-2011) - Punkteschnitt: 1,77

Der erste und einzige Trainer in der Red-Bull-Ära, der während einer Saison vorzeitig gehen musste. Wurde in seiner ersten Saison Meister und gewann alle EL-Gruppenspiele. Einvernehmliche Trennung erfolgte im April 2011.

RICARDO MONIZ (NED, 2011-2012) - Punkteschnitt: 1,97

Holte Platz zwei nach Stevens-Aus und eine Saison später erstmals das Double nach Salzburg. Nach dieser Saison trat der heute 50-Jährige zurück, mitunter wegen Auffassungsunterschieden hinsichtlich der medizischen Abteilung.

ROGER SCHMIDT (GER, 2012-2014) - Punkteschnitt: 2,24

Wurde in der Ära Ralf Rangnick als No Name verpflichtet, der in der ersten Saison noch titellos blieb. Eine Saison später folgte das Double sowie mit dem Achtelfinale in der EL die beste RB-Saison. Engagement in Leverkusen folgte.

ADI HÜTTER (AUT, 2014-?) - Punkteschnitt: 1,93

Empfahl sich als Trainer des SV Grödig für höhere Aufgaben. Verpasste ebenso den Einzug in die Gruppenphase der Champions League, spielte mit Salzburg gute Rolle in der Europa League. Trotz der Abgänge sind Chancen auf Double weiter intakt.

DIE REKORDSPIELER

DIE TOP-ELF

BANK: Gulacsi; Schiemer, Ilsanker, Kovac, Svento, Tchoyi, Jezek, Zickler, Alan.

Mehr als die Hälfte der Startelf stammt aus der Schmidt-Ära, dazu die jahrelangen Stammspieler Rene Aufhauser und Ibrahim Sekagya sowie Torkanone Marc Janko, der nach der Nicht-EURO-Teilnahme in der Saison 2008/09 mit 39 Bundesliga-Treffern regelrecht explodierte. Somen Tchoyi kratzt an dieser Startelf.

DIE FLOP-ELF

BANK: Vargas, Tiffert, Traoui, Pamic, Augustinussen, Bruins, Ilic, Cristiano, Zulj.

Eine Mischung aus absoluten Transfer-Flops (Boghossian oder Vladavic) oder Neuzugängen, die weit unter ihren Erwartungen blieben (Vonlanthen oder Ivanschitz). Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

 

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Rang

Spieler

RBS-Ära (Profis)

Einsätze

1

Christoph Leitgeb

2007-?

276

2

Ibrahim Sekagya

2007-2013

223

3

Andreas Ulmer

2009-?

218

4

Christian Schwegler

2009-?

187

5

Dusan Svento

2009-2014

183

6

Martin Hinteregger

2010-?

178

7

Alexander Zickler

2005-2010

165

8

Franz Schiemer

2009-2014

159

9

Patrick Jezek

2005-2010

137

10

Jonatan Soriano

2012-?

135

Rang

Spieler

RBS-Ära (Profis)

Tore

Spiele

T/S

1

Jonatan Soriano

2012-?

117

135

0,87

2

Alan

2010-2015

93

129

0,73

3

Marc Janko

2005-2010

83

126

0,66

4

Alexander Zickler

2005-2010

65

165

0,39

5

Sadio Mane

2012-2014

45

87

0,52

6

Roman Wallner

2010-2012

34

86

0,40

7

Kevin Kampl

2012-2015

29

109

0,27

8

Rene Aufhauser

2005-2010

27

134

0,20

9

Jakob Jantscher

2010-2013

26

96

0,27

10

Patrik Jezek

2005-2010

24

137

0,18

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