Weihnachtsgeschenk oder Verkühlung?

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Die Winter-Transferzeit - immer wieder spannend.

Die Spitzenteams versuchen, sich mit Neuverpflichtungen den entscheidenden Vorteil im Kampf um den Titel zu verschaffen.

Abstiegskandidaten kaufen in ihrer Panik Unmengen von Spielern ein.

Manchmal geht das gut, oft aber auch nicht. Gelegentlich gelingt es den Verantwortlichen, den Fans ein nettes Weihnachtsgeschenk zu machen, häufig verkühlen sie sich aber nur.

LAOLA1 hat sich die vergangenen fünf Winter-Transferperioden der Bundesliga angesehen und weiß, welche Neuzugänge sich bezahlt gemacht haben, welche wiederum nicht:

  • Es gibt sie durchaus, die Glücksgriffe, mit denen niemand rechnet. Als Nacer Barazite im vergangenen Winter zur Austria kam, war er niemandem ein Begriff. Mittlerweile kann der Niederländer getrost zu den absoluten Topstars der Liga gezählt werden. Ebensowenig war damit zu rechnen, dass Altstar Milenko Acimovic dem FAK noch so viel Freude bereiten würde, als er im Winter 2006/07 verpflichtet wurde. In derselben Transferzeit kam mit Branko Boskovic ein Spieler zu Rapid, der die Bundesliga nicht weniger prägen sollte.
  • Die Bilanz zeigt, dass es sich im Winter oft lohnt, auf bewährte Kräfte zurückzugreifen. Viele geglückte Wintertransfers sind darauf zurückzuführen, dass die Verantwortlichen bei ihren Neuzugängen bereits wussten, woran sie sind.  Als jüngstes Beispiel sei Patrick Wolf angeführt. Der Flügelflitzer stellte schon im Trikot des SC Wiener Neustadt die Linksverteidiger vor große Probleme – es war absehbar, dass das auch in Graz funktioniert. Oder Roman Wallner, der beim LASK in Hochform agierte, ehe ihn sich Salzburg angelte. Selbiges kann von Joachim Standfest behauptet werden, der vom GAK zur Austria kam.

  • In den meisten dieser Fälle kann von Ergänzungsspielern gesprochen werden. Die Erwartungen an sie waren nicht groß, wurden aber auch nicht übertroffen. Ivan Parlov vom SV Mattersburg ist einer von ihnen – er spielt solide mit, sorgt aber für keine Highlights. Ähnlich verhielt es sich mit Marco Salvatore, der zu den braven Kärnten-Profis, die sich nie etwas zu Schulden kamen ließen, aber auch nie zu glänzen wussten, zählte.
  • Auffallend ist, dass die meisten der Mitläufer auch von den vermeintlich kleinen Klubs geholt wurden. Der LASK zog etwa mit Pablo Chinchilla, Mark Prettenthaler und Haris Bukva drei Mal in Folge einen solchen an Land.
  • In diese Kategorie fallen auch die klassischen Ersatzgoalies. Georg Blatnik wurde von Rapid als Alternative zum verletzten Lukas Königshofer geholt, Hubert Auer war bei der SV Ried nie als Nummer eins geplant.

  • Goalgetter kommen im Winter. Zumindest hat es den Anschein. 2009/10 holte die Austria Roland Linz, Sturm Roman Kienast und Salzburg Roman Wallner – insgesamt hat das Trio seither sensationelle 90 Meisterschaftstore erzielt. In diese Kategorie fallen übrigens auch Stefan Maierhofer bei Rapid, Deni Alar bei Kapfenberg, Mario Haas bei Sturm und Hamdi Salihi bei Ried.
  • Dass man als vermeintlich kleiner Klub im Winter ebenfalls gute Einkäufe tätigen kann, bewies der SCR Altach. Tomas Jun, Petr Vorisek und Nate Jaqua, der nach einem halben Jahr wieder in die USA zurückkehrte, hinterließen einen ausgezeichneten Eindruck. Und auch die Innsbrucker haben gelegentlich ein gutes Händchen bewiesen – Carlos Merino kam vergangenen Winter nach einem halben Jahr ohne Klub und zieht beim FC Wacker mittlerweile im Mittelfeld die Fäden. Auch Mattias Lindström machte in Innsbruck eine sehr gute Figur, ehe er in Mattersburg überhaupt nicht zurechtkam.

  • Es ist Winter für Winter dasselbe Spiel: Die Abstiegskandidaten werden nervös und kaufen völlig planlos ein. Der LASK war im vergangenen Winter ein Paradebeispiel dafür. Aridane Tenesor, Ruben Lopez, Juan Ramon Ruano, Cem Atan und Petr Lukas hätte man sich allesamt sparen können. Das Jahr davor machte es Austria Kärnten mit Luka Elsner, Admir Medjedovic und Goran Aleksic um keinen Deut besser. Dieser Trend lässt war auch schon früher zu erkennen. Siehe Altach oder Wacker Innsbruck.
  • Im Winter 2008/09 leistete sich der SV Mattersburg gleich drei Fehlgriffe am Stück. Robert Ujcik, Stanislav Velicky und Ostoja Stjepanovic waren ihr Geld nicht wert. Doch die Burgenländer haben ihre Lehren daraus gezogen und verhalten sich seither im Winter auffällig ruhig.
  • Große Namen bringen nicht immer die gewünschten Leistungen. So konnten beispielsweise Alex Santos und Tsuneyasu Miyamoto in Salzburg nicht überzeugen. Auch Vaclav Sverkos zeigte im Austria-Trikot nie, was sein Ruf versprach. Dass Antonio di Salvo vor gar nicht allzu langer Zeit in Kapfenberg sein Glück versuchte, ist schon fast wieder in Vergessenheit geraten.
  • Ein paar Exoten gefällig? Der Ägypter Wael Reyad wirbelte beim GAK keinerlei Sand auf. Die beiden Argentinier Matias Rodriguez und Mariano Torres hatten mit ihrem Landsmann Diego Maradona gerade einmal die Boca Juniors als Ex-Klub gemein. Joseph Ngwenya aus Simbabwe fühlte sich in Kärnten am Ufer des Wörthersees wohler als auf dem Rasen. Die beiden Ghanaer Emmanuel Clottey und Alfred Arthur fielen in Innsbruck höchstens durch ihre geringe Körpergröße auf. Und der Isländer Gardar Gunlaugsson brachte zwar eine bildhübsche Frau, aber keine Torgefahr mit nach Linz.

Harald Prantl

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