Die Rieder Zauberformel

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Schweitzer: "Haben uns spielerisch verbessert"

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Die 0:2-Niederlage zum Frühjahrs-Auftakt gegen die Austria war ein kleiner Rückschlag.

Dennoch hat sich die SV Ried in den letzten beiden Jahren prächtig entwickelt. Zwei Herbstmeistertitel sowie der Sieg im ÖFB-Cup belegen dies.

Die Erfolgsgeschichte der Innviertler fußt auf vielen Faktoren. Einer davon ist das ungewöhnliche 3-3-3-1-System der Mannschaft von Paul Gludovatz. Dabei hat sich die Rieder „Zauberformel“ eher zufällig ergeben.

Die Vorteile sind für Schweitzer klar. Er sieht sie vor allem in der defensiven Stabilität: "Das Entscheidende ist, im Mittelfeld eine Überzahl herzustellen – egal, ob sich das jetzt in Form eines 3-6-1 oder eines 3-4-3 ergibt. Durch die Dreierkette stehen wir im Zentrum sehr dicht und bilden mit unseren laufstarken Außenspielern eine Fünferkette, wenn uns der Gegner hinten hineindrängt."

Das 3-3-3-1-System von Ried: Hadzic verteilt die Bälle in der Mitte. Angegriffen wird vor allem über die Flanken, dazu marschieren auch die defensiven Außenbahnspieler nach vorne. Hinter ihnen rücken die äußeren Glieder der Dreierkette auf die Seiten, um einerseits abzusichern und andererseits das Spielfeld beim Herausspielen breit zu machen.

Offensiv über die Außenpositionen

Seit den Anfängen der Gludovatz-Ära im Sommer 2008 wurde die Rieder Spielphilosophie jedoch auch offensiv beständig weiterentwickelt.

„Wir haben uns spielerisch verbessert. Das Herausspielen aus der Abwehr, die Laufwege in die Tiefe – all das haben wir uns erst erarbeiten müssen. Hinzu kommt, dass unser Passspiel sicherer geworden ist“, sagt Schweitzer.

Den nächsten Schritt in dieser Entwicklung deutete die Partie gegen die Austria (Video-Highlights) an: Die Defensive steht nun höher. „Es ist unsere neue Linie, dass wir jetzt weiter vorne attackieren“, meinte Paul Gludovatz nach der 0:2-Niederlage. Dadurch soll das Spiel mehr in die gegnerische Hälfte verlagert werden. Die Richtung geht weg von einer Konter-Mannschaft hin zur aktiven Spielgestaltung.

Dabei spielen in der Offensive vor allem die Flanken eine große Rolle: „Wir wollen über das Außenpärchen kommen und über diese beiden Spieler Druck machen. In den Strafraum dringen dann immer verschiedene Spieler ein. Das sieht man auch an unserer Torschützenliste“, weiß Schweitzer.

Tatsächlich erzielten in dieser Saison bereits dreizehn verschiedene Spieler ein Liga-Tor für die Innviertler.

Ein Spiel gegen Rapid als Anfang

„Wir haben im September 2008 gegen Rapid und deren starkes Mittelfeld mit Hofmann, Boskovic und Co. gespielt. In den Partien davor sind wir hinten schlecht gestanden. In Wahrheit haben wir nicht über die richtigen Spieler für eine Viererkette verfügt. Also sind wir zum Entschluss gekommen, mit einer Dreierkette zu spielen, um zusammen mit den laufstarken Außen eine Überzahl im Mittelfeld herzustellen“, erklärt Co-Trainer Gerhard Schweitzer gegenüber LAOLA1.

Weil die Defensive beim 1:1 in Hütteldorf gut funktionierte, blieben die Innviertler bei ihrem mittlerweile legendären 3-3-3-1.

Die Nachteile des 3-3-3-1

Doch wo liegen die Schwächen des Rieder 3-3-3-1-Systems? Schweitzer selbst meint: „Durch die fünf Spieler in der Defensive sind wir im Konter nicht so stark. Aber für uns ist es wichtiger, hinten sicher zu stehen.“

Abgesehen davon wechselte Cheftrainer Gludovatz in dieser Saison schon einmal zu einer 4-5-1-Formation - bei den Spielen in der Europa League gegen PSV Eindhoven (0:0/0:5). Der Grund dafür ist simpel: Gegen die drei Stürmer der Niederländer hätten die drei Rieder Verteidiger Mann gegen Mann spielen müssen.

Mit der Umstellung auf eine Viererkette umging Gludovatz diesen Nachteil. Eine Praxis, die man zum Beispiel schon von der Nationalmannschaft Uruguays kennt.

Das 3-3-3-1 wäre zudem auch im zentralen Mittelfeld gegenüber dem 4-3-3 der Eindhovener im Nachteil gewesen. „PSV hat unheimlich ballsichere Spieler. Wir wären in ständiger Unterzahl gewesen“, merkt Schweitzer an.

Die Problemzonen, die Gludovatz und Schweitzer für das 3-3-3-1-System gegen das 4-3-3 von PSV ausgemacht haben: Einerseits die Unterzahl im zentralen Mittelfeld und andererseits das Problem der drei Innenverteidiger gegen die drei Stürmer:

Systemänderung auch in der Bundesliga?

Nach dem 0:0-Achtungserfolg daheim gegen Eindhoven stand bei Ried die Überlegung im Raum, auch in der Bundesliga mit einem 4-5-1 zu spielen.  

„Da wir im Sommer personell einen großen Umbruch hinnehmen mussten, war eine Systemänderung durchaus im Gespräch. Wir entschieden uns aber dagegen. Die Hauptgründe dafür waren, dass unsere Spieler mit dem System vertraut sind und dass wir mit Hinum, Schreiner oder Basala-Mazana weiterhin auf starke Außenspieler vertrauen konnten.“ Diesen kommt im Rieder Spiel eine besonders wichtige Rolle zu. Sie müssen ein hohes Laufpensum zurücklegen und sowohl offensiv, als auch defensiv ihre Qualitäten haben.

Rieds 4-5-1-System gegen den PSV:

Warum machen es österreichische Trainer nicht wie PSV?

Neben den von Schweitzer genannten Gründen spricht ein weiterer Fakt gegen eine Rieder Systemumstellung: Bisher hat noch keine Bundesliga-Mannschaft ein langfristig effektives Mittel gegen die spezielle Formation der Rieder gefunden.

Zwar überwindeten sich manche Trainer vor einzelnen Spielen gegen Ried zu kurzfristigen taktischen Feinumstellungen – so setzte Franco Foda beispielsweise im Februar 2011 auf ein 4-1-4-1 anstatt auf das etatmäßige 4-4-2, was zu einem 1:0-Erfolg von Sturm führte. Über einen längeren Zeitraum jedoch konnte kein Team das 3-3-3-1 so herausfordern, wie der PSV Eindhoven. Warum also schauen sich die Bundesliga-Coaches nichts vom 4-3-3 der Niederländer ab?

"Ich denke, dass jeder Trainer für seine Mannschaft ein eingespieltes System hat. Nur wegen eines Spiels gegen Ried wird er dieses nicht ändern", entgegnet Schweitzer. Eine plausible Antwort, die jedoch zu wenig weit geht. Wird doch auf internationalem Level der Mut zur taktischen Flexibilität immer wichtiger, wie in etwa "El Clasico" regelmäßig zeigt.

Dem Rieder Co-Trainer selbst wird dies egal sein, solange die Innviertler mit ihrem 3-3-3-1 weiterhin die österreichische Bundesliga aufmischen. Frei nach dem Motto: Never change a winning System.


Jakob Faber

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