Die Rolle Juns

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4-1-4-1 oder doch 4-3-3?

Karl Daxbacher ist egal, wie man sein System nennt.

„Viele würden 4-3-3 sagen, weil sie nicht zugeben wollen, dass sie nur mit einem Stürmer spielen. Also zählen sie die zwei Flügelspieler dazu“, lacht der Trainer der Austria. Das komme in der Öffentlichkeit besser an.

Reaktion auf einen Trend

Fakt ist jedenfalls: Das klassische 4-4-2 ist in Wien-Favoriten Geschichte. Damit reagieren die Violetten auf einen „Trend“, wie es der Coach nennt.

„Die meisten Mannschaften spielen nur noch mit einer Spitze und drei zentralen Mittelfeldspielern“, analysiert der Niederösterreicher.

Gegen solch eine Spielanlage sei ein 4-4-2 nicht das beste Mittel. „Dadurch besteht nämlich immer die Gefahr, dass man im Mittelfeld in Unterzahl gerät“, so der 58-Jährige.

Ljubljana hat überzeugt

Durch das aktuell praktizierte System wird diese Gefahr gebannt. Der offensivste Mittelfeldpart nimmt sich bei gegnerischem Ballbesitz des defensivsten Mittelfeldspielers an.

Endgültig überzeugt von der Notwendigkeit einer System-Umstellung – diese wurde während der Saisonvorbereitung in Erwägung gezogen – wurde Daxbacher in Ljubljana.

Dort sahen die Veilchen mit ihrem 4-4-2 gegen Olimpijas 4-1-4-1 gar nicht gut aus. Daraufhin stellten die Wiener um. Wobei erwähnt werden muss, dass bereits in der abgelaufenen Saison teilweise mit einem 4-3-3 agiert wurde. Nun aber scheint es tatsächlich eine dauerhafte Lösung zu sein.

Wobei sich Daxbacher in gewissen Punkten nach wie vor flexibel gibt: „Wir können im Mittelfeld mit zwei Defensiven oder zwei Offensiven spielen.“ 4-1-4-1 oder 4-2-3-1 also.

Eine der violetten Offensiv-Möglichkeiten

Juns wichtige Rolle

Fixpunkt an vorderster Front ist Roland Linz. Und mittlerweile auch Tomas Jun dahinter. In Daxbachers Augen ist der Tscheche ideal für diese Rolle.

„Er hat ein gutes taktisches Verständnis, lässt sich gut fallen, wenn der Gegner in Ballbesitz ist“, erklärt der Coach. Jun ist ein überaus lauffreudiger Spieler, der bei seinen paar Einsätzen auf der Seite nicht so gut zur Geltung kam.

Am Flügel gut aufgehoben ist unterdessen Nacer Barazite, der sich in Sachen Defensivverhalten gut entwickelt. Die zweite Position auf der Seite ist offen. Wenn zentral mit zwei Defensiven gespielt wird, nimmt sie Zlatko Junuzovic ein.

Sollte der 23-Jährige zentral spielen, sind Marko Stankovic und Michael Liendl die ersten Alternativen.

Die Sechser-Frage

Im defensiven Mittelfeld verzeichnete der FAK im Sommer bekanntlich den Abgang von Julian Baumgartlinger. Diese Lücke zu schließen, erwies sich als nicht so einfach. Peter Hlinka ist der einzige klassische Sechser mit Bundesliga-Erfahrung im Kader.

Also wurde Markus Suttner umgeschult. „Mir gefällt er sehr gut. Experiment ist das mittlerweile keines mehr“, erklärt Daxbacher. Emir Dilaver ist mittlerweile von der U20-WM in Kolumbien zurückgekehrt und steht erstmals in dieser Saison zur Verfügung. „Ihn schätze ich von der Kampfkraft, Suttner von der Ballsicherheit her höher ein“, analysiert der Coach.

Grünwalds Qualität

Neu in der Zentrale ist zudem Alexander Grünwald. Der Kärntner hatte zu Beginn mit einer Verletzung zu kämpfen und ließ bei seinen ersten Auftritten die notwendige Passsicherheit ein wenig vermissen.

Die Spielweise des Blondschopfes könnte der Austria in der Offensive aber eine neue Qualität verleihen. Grünwald macht das Spiel nach der Balleroberung gerne schnell und spielt unerwartete Pässe.

Auf Spekulationen, ob in der Zentrale zwei Defensive oder zwei Offensive vernünftiger sind, will sich Daxbacher jedenfalls nicht einlassen: „Das sind Detailfragen. Wichtig ist, wie kompakt wir beim gegnerischen Ballbesitz zusammenstehen, wie eng wir den Raum machen.“

Um das Offensivspiel macht er sich indes weniger Gedanken: „Wenn wir am Ball sind, ist das System nicht mehr so wichtig.“

Das Fazit

Letztlich bleibt festzuhalten, dass die Wiener mit ihrer neuen Ausrichtung tatsächlich mehr Druck auf den Gegner ausüben können. Und vor allem auch früher, was in erster Linie Juns Lauffreude geschuldet ist.

Einen negativen Aspekt hat es jedoch, wenn Linz, Barazite und Jun allesamt in der Startelf auflaufen: Es fehlt an Alternativen, die von der Bank kommen können. Mit Dario Tadic steht nur noch ein einziger Stürmer zur Verfügung.


Harald Prantl

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