So spielen Salzburg, Rapid und die Austria

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Elf Runden sind in der österreichischen Bundesliga absolviert.

Mittlerweile haben sich die unterschiedlichen Spielweisen der Mannschaften herauskristallisiert. Jedes taktische Konzept hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen.

Der LAOLA1-Taktik-Corner will mit folgender, in drei Teilen gehaltener Serie einen Überblick verschaffen. Welche Systeme lassen die Trainer spielen? Wo sind die Teams am verwundbarsten? Wie schießen die Mannschaften ihre Tore?

In Teil I werden die Europacup-Vertreter Salzburg, Rapid und Austria Salzburg vorgestellt.

Teil II beschäftigt sich mit Grödig, Sturm und Ried.

Teil III ist der Admira, dem WAC, Wr. Neustadt und Wacker Innsbruck gewidmet.

Alle dabei verwendeten statistischen Daten kommen von IMPIRE.

OFFENSIVE: Über drei Tore schießt Salzburg durchschnittlich pro Spiel. In den internationalen Top-Ligen schafft das nur der FC Barcelona. Die "Bullen" dominieren dank aggressivem Pressing, direktem Angriffsfußball und hervorragenden Einzelspielern. “Jeder weiß, dass wir bei Ballbesitz oder durch schnelles Umschaltspiel versuchen, mit tiefen, flachen Bällen durch Kombinationen vor die Abwehr zu kommen“,  meint Trainer Roger Schmidt, der ein flexibles 4-1-3-2-System spielen lässt. Im Spielaufbau stößt einer der beiden Innenverteidiger schon einmal mit nach vor. Der Staubsauger vor der Abwehr, Stefan Ilsanker oder Andre Ramalho, sichert dann ab. Von den beiden Stürmern lässt sich zumeist einer etwas nach hinten fallen. Überragender Spieler im starken Salzburger Kollektiv ist natürlich Kevin Kampl. Egal, ob der Slowene rechts oder zentral aufgestellt wird, er ist überall zu finden und versucht das Spiel an sich zu reißen.

DEFENSIVE: „Wir haben ein glasklares Gerüst, das auf aggressives nach vorne Verteidigen und richtig gutes Gegenpressing nach Ballverlust basiert. Das hat Wiedererkennungswert“, beschreibt Schmidt die Spielweise seiner Mannschaft im LAOLA1-Interview. In der Tat spielt Salzburg ein Angriffspressing, das in der Liga seinesgleichen sucht. Den „Bullen“ kommt dabei zugute, dass sie über eine junge, schnelle und laufstarke Mannschaft verfügen. Selbst die Innenverteidiger rücken immer wieder aus ihrer Grundordnung heraus, um im Mittelfeld den Druck auf den Gegenspieler aufrechtzuerhalten. Das führt natürlich auch hin und wieder zu Löchern in der Defensive, doch dieses Risiko wird immer geringer, wie Schmidt hervorstreicht: „Das frühe Attackieren ist relativ gut abgesichert. Da haben wir einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht." Die Statistik gibt dem Trainer recht: Salzburg hat nicht nur die meisten Tore geschossen, sondern auch die wenigsten erhalten.

OFFENSIVE: Rapid versucht im 4-2-3-1-System das Spiel über die Außenverteidiger breit zu machen. Das erlaubt den Flügelspielern nach innen zu ziehen. Überhaupt wird in der offensiven Dreierlinie viel rochiert, was manchmal nicht nur beim Gegner für Verwirrung sorgt. Erste Station im Spielaufbau ist Neuzugang Thanos Petsos. Als Spielmacher vor der Abwehr sorgt er für Ballzirkulation und spielt zumeist den ersten Pass nach vorne. Der Sechser neben ihm soll für die Verbindung zwischen Verteidigung und Offensive sorgen. Gelingt das nicht, entsteht wie beim 0:1 in Thun, ein Ballgeschiebe ohne Zug nach vorne. Im Angriff gibt es mit Terrence Boyd, Marcel Sabitzer oder Guido Burgstaller vielfältige Optionen, die sich auch taktisch auswirken. Der stämmige US-Amerikaner kann mit hohen Bällen gefüttert werden, während die schnellen Burgstaller und Sabitzer besser bei Steilpässen zur Geltung kommen.

DEFENSIVE: Immer wieder betont Zoran Barisic, dass sein Team früh attackieren soll. Sein System bezeichnet er deswegen auch gerne als 4-3-3. Im Angriffspressing versucht Rapid das Spiel oft auf die Flanken zu leiten, um dort den gegnerischen Außenverteidiger überfallsartig zu attackieren. Damit der Raum im Mittelfeld nicht zu groß wird, rückt auch die Verteidigung hoch auf. Aufgrund ihrer Schnelligkeit liegt den Innenverteidigern Christopher Dibon und Mario Sonnleitner diese Spielweise, wie letzterer erklärt: „Die Aufgabenverteilung ist klar und zugute kommt uns in der Verteidigung sicher, dass wir ein sehr offensives Pressing ausüben. So gewinnen wir die Bälle früher und können sofort auf die Offensive umschalten.“ Das funktioniert so gut, dass Rapid nach Salzburg die zweitwenigsten Torschüsse auf das eigene Tor hinnehmen muss.

 

OFFENSIVE: Peter Stögers 4-3-3 wurde letzte Saison zum Garanten für den Meistertitel. Sein Nachfolger Nenad Bjelica hält an diesem System fest. An der Spielausrichtung änderte sich wenig, weshalb die „Veilchen“ mittlerweile vielleicht auch ein wenig ausrechenbar geworden sind. Grundsätzlich versucht die Austria das Spiel breit zu machen und mit flachen Kombinationen nach vorne zu kommen. Bei längeren Ballbesitzphasen lässt sich James Holland gerne einmal zwischen die Innenverteidiger fallen, damit die offensivstarken Markus Suttner und Fabian Koch aufrücken können. Von den beiden Achtern ist Florian Mader mehr für den spielerischen Part zuständig, während Marko Stankovic den Zug zum Tor sucht. Aufgrund diverser Verletzungen kann Bjelica momentan aber nicht auf seine Wunschelf zurückgreifen. Bei Rückstand stellt der Coach gerne auf ein System mit zwei Stürmern um.

DEFENSIVE: Während Bjelica offensiv wenig änderte, versuchte er defensiv im Hinblick auf die internationalen Auftritte neue Inputs zu setzen. Letzte Saison verteidigte die Austria durchwegs recht hoch stehend. Mittlerweile wirken die „Veilchen“ aber flexibler. Bestes Beispiel dafür sind die Champions-League-Spiele, wo Bjelica seine Mannschaft speziell auf die jeweiligen Gegner einstellte. Während man gegen Zagreb beispielsweise recht tief verteidigte, attackiert man in der Liga auch schon einmal ganz weit vorne. Insgesamt scheint diese gestärkte Defensive jedoch auf Kosten der Kreativität zu gehen, wie diverse Pleiten gegen Außenseiter (Kalsdorf, Admira) zeigen.

Jakob Faber

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