Gut, aber nicht gut genug

Aufmacherbild
 

Karl Daxbacher: Gut, aber nicht gut genug

Aufmacherbild
 

Von wegen besinnliche Weihnachtszeit.

Drei Tage vor Heiligabend hat die Wiener Austria beim Ausklang ihres Jubiläums-Jahres für einen Knalleffekt im heimischen Fußball gesorgt.

Trainer Karl Daxbacher muss samt seines „Co“ Josef Michorl seinen Hut nehmen. Ivica Vastic, der bislang die Amateure betreute, übernimmt ab sofort die Agenden.

Damit endet eine „Ära“. Denn 1269 Tage Trainer am Stück war seit 40 Jahren keiner mehr in Wien-Favoriten. Damals betreute Austria-Legende Ernst Ocwirk die Kampfmannschaft.

Knalleffekt ohne Überraschungs-Wert

Auch wenn die Entscheidung einem Knalleffekt gleich kommt, ist sie nicht völlig überraschend. Augenscheinlich liegt sie in erster Linie in der jüngsten Vergangenheit begründet.

Mit nur einem Sieg aus den vergangenen neun Spielen in der Bundesliga beendete die Austria die Herbstsaison in keiner Weise zufriedenstellend.

Vor allem Niederlagen wie das 1:5 bei Sturm oder die 0:3-Pleite in Salzburg sorgten für Unruhe bei den violetten Gemütern.

Mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Rapid wurde die Winterpause auf dem vierten Platz begonnen. Zu wenig, wie letztlich der Vorstand um Präsident Wolfgang Katzian konstatierte.

Ganz allein an diesem Umstand darf die Beurlaubung allerdings wohl nicht festgemacht werden. Offenkundig ist das Vertrauen in die Fähigkeiten Daxbachers endgültig verloren gegangen.

Fest steht: Die „Veilchen“ agierten unter dem 58-Jährigen keineswegs unerfolgreich. Dritter, Zweiter, Dritter lauten die Meisterschaftsplatzierungen in seiner Ära.

Jedes Mal konnten die Wiener also an der Europacup-Qualifikation teilnehmen, zwei Mal schafften sie es dabei auch in die Europa-League-Gruppenphase. Zudem wurde 2009 der Cup-Sieg geholt.

Erste erfolgreiche Phase…

Vor allem zu Beginn seiner Amtsperiode konnte das Austria-Urgestein für sportliche Stabilität sorgen.

Zu jener Zeit, in der sich die Austria gerade erst von Frank Stronach als Mäzen gelöst hatte und ein großer Umbruch stattfand, hielt Daxbacher die Mannschaft im Spitzenfeld und holte mit dem Cup-Erfolg auch gleich einen Titel.

Der Sprung in die EL-Gruppenphase 2009 war der nächste Höhepunkt, der ihm gelang. Eine glorreiche Zeit schien angebrochen, doch die logischen Schritte blieben in der Folge aus.

Vor allem der von allen violetten Seiten ersehnte Meistertitel zum 100-jährigen Jubiläum wurde in diesem Frühjahr gegen die schwächelnde Hauptkonkurrenz aus Salzburg letztlich kläglich - man denke etwa an die Heimniederlage gegen Mattersburg - verpasst.

Aufgrund der blamablen 0:4-Heimniederlage gegen Erste-Liga-Klub Austria Lustenau verabschiedete sich der Rekordsieger zudem auf peinliche Art und Weise aus dem ÖFB-Cup. Das Jubiläumsjahr blieb titellos.

Überhaupt pflasterten in den dreieinhalb Saisonen verschenkte Punkte gegen vermeintlich kleine Klubs den Weg Daxbachers. Guten Perioden folgten zu oft zu lange Schwächephasen.

Fehlende Weiterentwicklung

Kritiker warfen dem Niederösterreicher daher nicht nur einmal vor, aus dem qualitativ sehr guten Kader zu wenig herausgeholt zu haben – auch wenn selbige die Art des Fußballspielens oftmals lobten.

Auch intern sah sich Daxbacher – zumindest mit vorgehaltener Hand – mit Kritik konfrontiert.

Nicht selten riefen etwa seine Personalentscheidungen, die er in der Kabine unbegründet ließ, Unverständnis bei den Spielern hervor – auch bei jenen, die von diesen gar nicht betroffen waren.

Am Ende bleibt stehen: Daxbacher, der überaus positiv in seine Ära als Austria-Trainer startete, konnte mit Fortlauf der Zeit einen mehr als seriösen Titelkandidaten nicht dementsprechend weiterentwickeln.

Eine Mannschaft, die zuletzt etwa die mit Abstand meisten Teamspieler stellte, spielt nach wie vor nicht zu hundert Prozent jene Rolle, die sich der Verein und die Fans zu diesem Zeitpunkt erwartet haben.

Und je länger die Zeit in dieser Ära voranschritt, desto unrunder wurde das Umfeld. Letztlich ist auch dem Vorstand ein halbes Jahr vor dem Vertragsende ihres Coaches der Geduldsfaden gerissen.

Karl Daxbacher wird als guter Trainer in die Austria-Geschichte eingehen. Aber eben als einer, der nicht gut genug war.

 

Bernhard Kastler

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen