PRO
Langsam hätte man den Eindruck bekommen können, Franco Foda will grundsätzlich nicht weg aus Graz, hätte er im Dezember nicht selbst das Scheitern der Vertragsverhandlungen kommuniziert.
Aber will er wirklich weg?
Ist solch eine Ankündigung des Abschieds oft eine Steilvorlage für eine sofortige Trennung (schöne Grüße an die Hertha in Berlin und Markus Babbel), erledigt Foda bei Sturm wie gehabt seinen Job.
So wie seit Jahren. Es ist keine Neuigkeit, dass bei den „Blackies“ in der jüngeren Vergangenheit die Schere zwischen professioneller Arbeit im sportlichen Sektor und teils ungeschicktem Vorgehen im organisatorischen Bereich weit auseinander ging.
Mit der Einschätzung, dass im Prinzip Foda (bis Sommer Hand in Hand mit Oliver Kreuzer) den Laden namens Sturm schupfte, liegt man wohl nicht gänzlich falsch.
Die Steirer durchlebten in der Amtszeit des Deutschen die Metamorphose vom Konkursklub zum Meister und Cupsieger.
Dass es nach inzwischen bald 15 Jahren Ehe Abnützungserscheinungen gibt, ist naheliegend. Dass offenkundig persönliche Eitelkeiten und atmosphärische Störungen die mögliche Scheidung beschleunigten umso weniger.
Beliebtheitspreis wird Foda aufgrund seiner fordernden Art vereinsintern so schnell keiner verliehen. „Lieb sein“ ist jedoch keine gängige Währung im Sport, Erfolg indes sehr wohl.
Mit dem Wechsel an der Vereinsspitze sind die Karten neu gemischt. Der Meistermacher lässt Interesse am Verbleib durchblicken, der neue Vorstand Gesprächsbereitschaft.
Das Verhältnis zum Präsidenten Christian Jauk gilt nicht als friktionsfrei. Eines ist gewiss: Sollte die Trennung vollzogen werden, würden die neuen Verantwortlichen am Erfolg des Nachfolgers gemessen werden.
Peter Altmann
Diashow
CONTRA
Ehre, wem Ehre gebührt. Sturm hat Franco Foda viel zu verdanken. Immerhin war der Deutsche, der seit 1997 bei den Grazern tätig ist, an allen drei Meistertiteln entweder als Spieler oder Trainer beteiligt.
Ich bin dennoch der Meinung, dass nach dieser Saison Schluss sein sollte. Warum?
Der 45-Jährige ist längst nicht mehr unumstritten, das zeigt schon der dubiose Verlauf seiner nicht zu Stande gekommenen Vertragsverlängerung. Zuerst fix, dann gescheitert und nun wieder vorstellbar. Eine klare Linie ist nicht zu erkennen – dafür sind beide Seiten verantwortlich und das hat nichts mit dem Wechsel an der Vereinsspitze zu tun.
Dass Foda einer neuen Herausforderung nicht abgeneigt ist, wurde bei der Teamchef-Suche unter Beweis gestellt.
Zudem sind die Abnützungserscheinungen nach eineinhalb Jahrzehnten beim selben Arbeitgeber wohl größer, als es von ihm in der Öffentlichkeit kommuniziert wird.
Zum Schluss bleibt noch die Frage nach der Motivation: Was will jemand erreichen, der schon alles erreicht hat? Der Gewinn der Meisterschaft, der Cupsieg und die Europa-League-Teilnahme lassen keinen Spielraum mehr übrig.
Irgendwann geht der Biss verloren und daher würde dem akribischen Arbeiter ein Tapetenwechsel gut tun…
Martin Wechtl
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