ÖSV-Freiwild, gutes Omen und 24 Dosen Bier

- Loitzl wurde rechtzeitig vor Saisonstart mit einem Sponsor beschenkt
Wien - Der Start in die neue Skisprung-Saison ist am Freitag schon mal geglückt.
Zumindest aus österreichischer Sicht.
Das ÖSV-Quartett Loitzl, Kofler, Schlierenzauer und Morgenstern holte gleich zum Auftakt im Teamspringen den Sieg - der erste ÖSV-Mannschaftserfolg in Kuusamo überhaupt.
Heute (ab 15 Uhr im LAOLA1 Live-Ticker) folgt der Einzelbewerb.
Bevor es richtig losgeht hat LAOLA1 noch die wichtigsten Fakten zusammengestellt.
- Alle jagen Schlierenzauer!
Der Rekordmann der Vorsaison (13 Siege, 2.083 Punkte) ist auch heuer der große Gejagte. Gregor Schlierenzauer erlitt zwar gleich nach Saisonende einen Innenbandriss im Knie, beeinträchtigen ließ sich der 19-Jährige davon aber nicht. Der Tiroler verzichtete weitestgehend auf den Sommer-GP, dominierte jedoch, wenn er teilnahm, fast nach Belieben. Drei Mal trat der Gesamtweltcupsieger an, zwei Mal holte er den Sieg, ein Mal wurde er Zweiter. Auch bei den Staatsmeisterschaften triumphierte „Schlieri“ auf Groß- und Normalschanze. „Schlierenzauer ist sich seiner Stärke bewusst. Selbstvertrauen ist das, was dich weit springen lässt“, meint ÖSV-Renndirektor Toni Innauer bei LAOLA1 vielsagend.
- Gutes Omen
Neben der internen Konkurrenz muss Schlierenzauer vor allem Simon Ammann fürchten. Der Schweizer präsentierte sich im Sommer äußerst stark und gewann auch die Grand-Prix-Gesamtwertung überlegen vor Robert Kranjec (SLO). Das ist insofern interessant und ein Fingerzeig, da sich dieser Erfolg in den letzten Jahren als gutes Omen erwies. Vier Mal in Folge gewann der Sommer-GP-Sieger nämlich auch den Gesamtweltcup: Janda (CZE) 2005/06, Malysz (POL) 2006/07, Morgenstern 2007/08 und Schlierenzauer 2008/09. Demnach müsste die große Kristallkugel in dieser Saison an Ammann gehen. „Ich hoffe, dass wir diese Serie durchbrechen können“, schmunzelt Morgenstern im Gespräch mit LAOLA1.
- Kleine Tradition
Das Nordic-Opening in Kuusamo hat mittlerweile schon eine kleine Tradition. Seit 2002, also heuer das achte Mal in Folge, starten die Skispringer im Norden Finnlands in die neue Saison. Neben den Springern eröffnen auch die Kombinierer und Langläufer im 17.000-Einwohner-Ort ihren Winter. Zuvor jagten die Adler in Kuopio (1999/00, 2000/01, 2001/02) und Lillehammer (1995-1998) zum Auftakt über den Bakken.
- Weniger ist mehr
Bislang wurde das Preisgeld unter den Top 10 aufgeteilt. Das hatte zur Folge, dass die Siegspringer sehr gut verdienten, die Athleten von Platz elf bis 30 aber leer ausgingen. Darauf hat die FIS nun reagiert. Die Prämie für einen Erfolg wurde von 30.000 Franken (umgerechnet 20.000 Euro) auf 10.000 (rund 6.600 Euro) gekürzt, dafür gibt es pro Punkt 100 Franken (66,2 Euro). Damit verdient auch der letzte Springer in den Punkterängen noch. Im ÖSV-Lager ist man darüber nicht erfreut. „Es ist ein zu tiefer Einschnitt. Die besten Sportler werden nicht mehr honoriert, man bekommt als Erster nicht viel mehr als als Fünfter“, klagt Tourneesieger Wolfgang Loitzl an. Teamkollege Schlierenzauer ist gleicher Meinung: „Das ärgert mich, was mit uns gemacht wurde. Grundsätzlich ist mir Geld nicht so wichtig, aber ich finde es nicht fair, dass die Top 3 jetzt weniger verdienen. Die müssen viel tun, nicht nur auf der Schanze, sondern auch im Nachhinein.“
- Der Kopf ist voll und endlich frei
Was macht ein Tourneesieger, Weltmeister und Sportler des Jahres, wenn er bis kurz vor Saisonstart noch ohne Kopfsponsor dasteht? Er macht sich Gedanken. So wie Wolfgang Loitzl, der trotz seiner Traumsaison bis zum Schluss zittern musste. Als einziger im ÖSV-Team drohte dem Steirer ein „nackter Helm“, der Last-Minute-Vertrag mit "Victoria Volksbanken Versicherungen" erspart ihm das aber. "Das ist eine super Sache. Am Schluss ist alles sehr schnell gegangen. Ich freue mich, mit einem starken Partner in die Olympia-Saison zu starten.“ Loitzls Kopf ist also voll und endlich auch frei.
- Keine neue Regeln
Viel wurde diskutiert, viel wurde getestet. Letztlich einigten sich die Beteiligten auf einen Kompromiss. Die neuen Regeln werden vorerst nur bei der Team Tour (30.1-7.2.2010) und beim Nordic Tournament (6.-14.3.2010) zum Tragen kommen. Beim Sommer-GP wurden die Neuerungen hinsichtlich Windverhältnisse und Anlauflängen reichlich getestet, die Erkenntnisse darüber sind unterschiedlich. FIS-Direktor und Initiator Walter Hofer spricht von einer „Annäherung, um den Sport fairer und sicherer zu machen.“ Athleten und Trainer sind aufgrund der Undurchsichtigkeit für das Publikum noch skeptisch. Fortsetzung folgt...
- Einer der Größten ist zurück
Da ist er also wieder. Janne Ahonen. Rekordsieger bei der Tournee (5), 17-facher Medaillengewinner (WM, Olympia, Skiflug-WM), 36 Mal am obersten Weltcup-Treppchen. Der schweigsame Finne will es nach einem Jahr Pause wieder wissen. Bei den finnischen Meisterschaften hat der 32-Jährige auch gleich gezeigt, dass er nichts verlernt hat. Ahonen triumphierte überlegen vor Harri Olli. „Wenn einer die finnischen Meisterschaften gewinnt, dann weiß man schon, wie gut er ist“, betont auch Toni Innauer. Ahonens großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2010. Eine Einzelmedaille bei Olympia fehlt dem Überflieger nämlich noch. „Ich bin zuversichtlich, dass ich in Vancouver erfolgreich sein kann“, meint Ahonen vielsagend. Im Sommer überraschte der Finne zudem mit tiefen Einblicken in seine Karriere - die Biographie "Königsadler" machte es möglich. So verriet die fliegende Legende zum Beispiel, dass sie beim Saisonfinale 2005 in Planica mit ihrem Teamkollegen Risto Jussilainen 24 Dosen Bier leerte. Damit nicht genug, trat er am nächsten Tag zum Fliegen am größten Bakken der Welt an und setzte prompt bei unglaublichen 240 Metern auf. Ahonen stürzte aber und prallte mit dem Hinterkopf auf den Boden. Aus Angst vor einer möglichen Alkoholkontrolle verweigerte er jedoch den Abtransport ins Krankenhaus. Auch das ist Janne Ahonen. Neben all den Triumphen und Rekorden.
Kurt Vierthaler















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