Reichels Reaktion: Erst Konter, dann Entlassung

- LASK-Präsident Reichel kontert der Kritik Hamanns mit einer Aussendung
Wien – Das Kapitel Matthias Hamann beim LASK ist offiziell beendet.
Wie die Linzer vermelden, hat der Klub den Vertrag mit dem Deutschen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Diese Entscheidung kommt nach den jüngsten Ereignissen in der Winterpause alles andere als überraschend.
Zuerst setzte LASK-Präsident Hamann noch vor Weihnachten als Sportdirektor ab. In der Folge litt die Kommunikation zwischen den beiden und gipfelte aufgrund der Transferpolitik Reichels in gegenseitiger Kritik über die Medien.
Nachfolger noch offen
Ein neuer Trainer soll in den kommenden Tagen präsentiert werden. Laut "OÖN" soll Reichel Toni Polster für diesen Posten ausschließen.
Die Tageszeitung berichtet zudem, dass eine Party am letzten Tag des Trainingslagers in Belek der Grund für die Entlassung sein soll. Trainer und Mitglieder des Trainer-Teams sollen mitgefeiert haben.
Die Hamann'sche Kritik vom Dienstag wird wohl auch ihre wesentliche Rolle gespielt haben.
Reichel konterte giftig
Wenige Stunden zuvor hatte Reichel diese noch in einer Aussendung gekontert, und wie.
Nachdem sich der LASK-Präsident mit seinem zweifelhaften Ego-Trip in Sachen Personalpolitik selbst in die Kritik brachte, konterte der Welser am Mittwoch auf die mediale Schelte, die auf ihn einhagelte.
Um 16:35 Uhr erhält LAOLA1 von Seiten der Linzer Pressestelle eine Mail mit dem Titel „LASK Sportplanung“. (HIER DAS GESAMTE SCHREIBEN)
Schreiben löst Entsetzen aus
Der Inhalt löst – gelinde gesagt - Verwunderung und Kopfschütteln aus. Schon länger nicht hat sich ein österreichischer Fußball-Funktionär – in diesem Fall vermutlich ungewollt – auf ähnliche Art und Weise selbst disqualifiziert.
So wirft er Coach Matthias Hamann nicht nur eine „völlig unnötig ausgelöste Diskussion“ vor, sondern auch „vereinsschädigende Äußerungen“.
Besonderes „Lowlight“, manche würden es schlechten Stil und das Eingeständnis der eigenen fehlenden Kompetenz nennen:
„Natürlich muss sich der LASK zurechnen lassen, einen deutschen 4. Liga-Trainer verpflichtet zu haben, welcher für sich in Anspruch nimmt, über den österreichischen Fußball mehr als vier Top-Experten, die seit Jahren in und um die Bundesliga tätig sind, zu wissen.“
Zur Aufgabe zwingen
Ein Volltreffer unter die Gürtellinie Hamanns, mit dem der LASK-Boss die endgültige Demontage des Deutschen einleitete.
Jenen Trainer, dem Reichel selbst im Sommer die Chance gab.
Der Welser allein hat das - in der Nicht-Reichel-Welt eigentlich als geglückt geltende - Engagement zu verantworten. Konsequenterweise müsste nun eigentlich auch der Klub-Boss seinen Hut nehmen.
Hamann-Kritik als Anlass
Aber der Reihe nach: Anlass für Reichels Konter war die nachvollziehbare Kritik Hamanns, nachdem der Präsident sich zum wiederholten Mal als Sportchef versuchte und zum wiederholten Male scheiterte.
Der Klub-Boss rechtfertigt seine Last-MinuteTransfers, wie auch die Tatsache, dass nicht annähernd ein Wallner-Ersatz gefunden werden konnte, wiefolgt:
„Die Position von Roman Wallner ist natürlich nicht adäquat zu besetzen, sonst hätte ihn Salzburg nicht geholt. Wir sehen hier eine gute Möglichkeit, junge Spieler wie Kragl, Skuletic, eventuell auch Höltschl oder Neuverpflichtung Zakany einzusetzen.“
Wer sind Reichels Experten?
Desweiteren spricht Reichel von „vier Top-Experten“. Es wird seinen Grund haben, warum Reichel diese nicht namentlich erwähnt.
Juniors-Trainer Toni Polster kann dieser Titel noch eingeräumt werden kann. Aber wem noch? Alfred Lebschy, seinem Nachwuchsvorstand? Niklas Belihart, dem Vorstand für Verwaltung, Finanzen, Personal und Recht?
Reichel und seine „Experten“ sehen also in Kragl, Skuletic, Höltschl und Zakany potenzielle Erben von Wallner. In ferner Zukunft vielleicht.
Reichels Wallner-Erben
Skuletic, der körperlich inakzeptabel nach Linz kam, hat im Herbst in 144 Einsatzminuten gezeigt, was er kann – nämlich keinen Stürmer-Konkurrenzkampf fördern.
Lukas Kragl ist zweifelsohne ein Angriffs-Talent, aber in einem möglichen Abstiegskampf völlig verloren, wie auch Amateur-Kollege Thomas Höltschl.
Sandro Zakany hat übrigens acht Einsätze im Herbst zu Buche stehen – bei den Admira Amateuren wohlgemerkt.
Reichel schießt Vogel ab
Doch dem nicht genug. Den wahren Vogel schießt Reichel gegen Ende seines Schreibens ab.
„Mit Bedauern möchten wir festhalten, dass ein Cheftrainer die Qualität der eigenen Spieler öffentlich in Frage stellt und nach sieben Monaten noch immer nicht die Möglichkeiten des österreichischen Fußballs und des LASK erkannt hat, und sich zu vereinsschädigenden Äußerungen hinreißen lässt.“
Hamann kam im Sommer zum LASK und wurde kadertechnisch vor vollendete Tatsachen gestellt. Der 41-Jährige holte aber ein Maximum heraus.
Hamanns Verdienste
Mit seinem System, der Raute mit schnellen Spielern im Mittelfeld und dem damaligen Defensiv-Mann Thomas Prager als Offensivspitze, hauchte Hamann dem LASK wieder Leben ein.
Prager und Wallner wurden wieder Teamspieler, Letzterer wurde als Führender der Torschützenliste an Salzburg verkauft.
Reichel dürfte glauben, dies alles wäre sein Verdienst. Spieler wie Prager wissen es besser.
Und dem letzten Absatz seines Schreibens ist ohnehin nichts mehr hinzuzufügen.
Vierter Trainer in eineinhalb Jahren
Noch einmal zum „Genießen“:
„Natürlich muss sich der LASK zurechnen lassen, einen deutschen 4. Liga-Trainer verpflichtet zu haben, welcher für sich in Anspruch nimmt, über den österreichischen Fußball mehr als vier Top-Experten, die seit Jahren in und um die Bundesliga tätig sind, zu wissen.“
Peter-Michael Reichel hat reagiert und wenig später seine eigene Erfindung demontiert.
Der vierte Trainer in eineinhalb Jahren ist Geschichte - doch dieser Rauswurf könnte Reichel noch länger beschäftigen, als er sich wünscht.
Bernhard Kastler/Peter Altmann
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