

Wrolich: "Ich tippe auf Lance Armstrong"

- Peter Wrolich glaubt an einen achten Tour-Sieg von Lance Armstrong
Wien - Peter Wrolich ist ein gestandener Radprofi.
Mit 35 Jahren zählt er zu den Routiniers im Peloton.
Bei seiner fünften Tour ist er Ratgeber für die Jung-Spunde und sieht sich als Helfer für seine Kapitäne.
Im LAOLA1-Interview spricht "Paco" über seine Rolle bei Milram und Komplimente des Teammanagers.
Zudem bezieht er klar Stellung zu Bernhard Kohls Auftritten in den Medien und schwimmt bei seinem Favoriten-Tipp gegen den Strom.
LAOLA1: Paco, mit 35 Jahren bist du der „Team-Papa“ bei Milram. Fühlst du dich in dieser Rolle wohl?
Peter „Paco“ Wrolich: Durchaus. Mir ist klar, dass ich die Tour de France nicht mehr gewinnen werden in meiner Karriere. Daher ist mit sehr wohl bewusst, dass ich auch dank meiner Erfahrung mitgenommen wurde. Das Alter muss nicht immer ein Nachteil sein. Mit 35 geht man ruhiger an die Dinge heran. Daher denke ich, dass auch viele froh sind, dass ich dabei bin, um Ruhe ins Team zu bringen.
LAOLA1: Fungierst du für deine jüngeren Kollegen auch als Ratgeber?
Wrolich: Natürlich. Gerade bei der Tour ist Erfahrung wichtig. In der ersten Woche geht es jedem noch gut, aber sobald eine Krankheit oder eine Sturz-Verletzung dazukommt, beginnen manche nachzudenken. Dann werde ich häufig um Tipps gefragt. Auch während Etappen sage ich den Jungen, wann sie sich verpflegen sollten, um ausreichend Nahrung zu sich zu nehmen.
LAOLA1: Für dich ist es die fünfte Tour-Teilnahme. Ist eine Nominierung für dich noch immer etwas Besonders oder mittlerweile Routine?
Wrolich: Es ist nicht mehr so wie beim ersten Mal, als ich sehr nervös und wohl auch übermotiviert war. Ich freue mich aber immer noch sehr, da es für jeden Radprofi eine Ehre ist, bei der Tour zu starten. Es ist das größte Radrennen der Welt, wir alle profitieren davon, alles wird daran gemessen. Daher fiebere ich dem Start in Monaco mit einer Riesen-Motivation entgegen.
LAOLA1: Gerry van Gerwen hat dich im Gespräch mit LAOLA1 als Führungsfigur bezeichnet, dabei bist du neu im Team Milram. Was bedeutet dir ein solches Kompliment?
Wrolich: Es ist ein schönes Gefühl. Ich glaube, dass ich mich von Beginn an richtig benommen habe. Ich war neu und habe mich hinten angestellt. Dann habe ich mich relativ schnell nach vorne gearbeitet. Ich habe eine Rolle ausgefüllt, indem ich mich in die zweite Reihe stellte, um für andere Fahrer da zu sein.Da dürften einige froh gewesen sein, dass es noch Radprofis gibt, die ihr eigenes Können einzuschätzen wissen.
LAOLA1: Dabei dürfte es auch ein Vorteil gewesen sein, dass zahlreiche Ex-Gerolsteiner-Kollegen mit dir gewechselt sind.
Wrolich: Auf alle Fälle. Ganz oben sitzt aber Gerry van Gerwen und nicht mehr Hans-Michael Holczer. Die Teamführung ist eine andere, da musste ich mich neu orientieren. Wir kommen aber sehr gut miteinander aus, hatten von Beginn an die selbe Wellenlänge. Daher kann ich über das Team Milram nur das Beste sagen.
LAOLA1: Zu Saisonbeginn lief es was die Erfolge betrifft nicht nach Plan für dein Team, inzwischen kommt Milram ins Rollen. Was macht ihr nun besser?
Wrolich: Ich habe von Beginn an prognostiziert, dass der Fall eintreten kann, dass wir zunächst nicht den gewünschten Erfolg haben. Wir waren ein neu zusammen gemischter Haufen. Vom alten Milram-Team blieben nicht mehr viele übrig, daher war die Ausrichtung des Teams plötzlich eine neue. Jeder suchte seine Position neu, dazu gibt es bei uns viele junge Profis. Einige haben die Nerven schon fast weggeschmissen, nun läuft es aber. Speziell die Tour-Mannschaft kann jederzeit auf einem hohen Niveau fahren. Wir sind auf dem richtigen Weg.
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LAOLA1: Als einzig verbliebener deutscher ProTour-Rennstall steht Milram im Medien-Fokus. Verspürt ihr bei der Tour besonderen Druck?
Wrolich: Wenn es super läuft, wird es keine Probleme geben. Sollte es schlecht laufen, wird das Engagement überdacht, aber das ist logisch. Der Radsport steht am Abgrund, oft geht es von Monat zu Monat. Ich glaube aber, dass Milram bleibt, wenn der Konzern sieht, dass es mit dem Radsport bergauf geht. Voraussetzung ist, dass nicht erneut ein großer Skandal passiert.
LAOLA1: Apropos Skandal. Bernhard Kohl sorgt fast täglich für neue Schlagzeilen, die Fahrer-Vereinigung erwägt sogar eine Klage gegen ihn. Deine Meinung?
Wrolich: Die Aussage, dass die Top 10 gedopt gewesen wären, hat er inzwischen wieder zurückgezogen. Wenn er so etwas sagt, wird er sich wohl etwas dabei gedacht haben. Es ist aber nicht immer gut, zu jedem Thema seinen Senf dazu zu geben. Oft ist es besser, auch mal nichts zu sagen.
LAOLA1: Die Öffentlichkeit erfährt stets neue kleine Details. Wäre es nicht besser, endlich alle Fakten auf den Tisch zu legen? Und dann endgültig zu schweigen?
Wrolich: Man muss sich auch fragen, ob es überhaupt noch etwas bringt, ständig weitere, manchmal unnütze Dinge zu sagen, nur um wieder in der Presse zu sein? Er hatte bereits genug Aufmerksamkeit. Mir steht es aber nicht zu, ihm jetzt Tipps zu geben.
LAOLA1: Stehst du noch in Kontakt mit Kohl?
Wrolich: Er hat mich vor einiger Zeit einmal angerufen und gefragt, wie es mir so geht. Ich habe ein faires Verhältnis zu Kohl und spucke nicht auf ihn.
LAOLA1: Trotz aller Skandale werden auch 2009 zwölf bis 15 Millionen Fans die Straßen säumen. Wie fühlt man sich, wenn man diese Menschenmassen passiert?
Wrolich: Es ist generell besonders, bei der Tour zu sein. Allein, wenn man im Hotel anreist, warten Fans, die Original-Autogramme von 1999 haben. Das ist beeindruckend. Es ist ein absolut geiles Gefühl, die Tour zu fahren. Darum freue ich mich schon riesig auf das Auftakt-Zeitfahren in Monaco. Das sind Dinge, wofür man Radprofi geworden ist.
LAOLA1: Wie sieht es mit deinen ganz persönlichen Zielen aus?
Wrolich: Ich fahre nicht mit der Erwartung hin, eine Etappe gewinnen zu müssen. Ich weiß aber, dass ich es kann. Die Frage ist, ob ich auch die Chance kriege. Daher muss ich meine Möglichkeiten nutzen. In erster Linie bin ich aber für Gerald Ciolek, Linus Gerdemann und Fabian Wegmann da. Erst in zweiter Linie habe ich eigene Möglichkeiten.
LAOLA1: Das Ziel muss aber sein, auch mal in eine Fluchtgruppe zu kommen.
Wrolich: Natürlich. Ich glaube auch nicht, dass ich zurück gepfiffen werde, wenn ich in einer Gruppe bin. Aber da will jeder hin, doch nur wenige schaffen es.
LAOLA1: Was traust du deinem Team zu?
Wrolich: Den Tour-Sieg schließe ich schon mal aus. Auch die Top 10 werden sehr schwer, ich glaube nicht, dass ein Top-10-Platz zu schaffen sein wird. Aber in Fluchtgruppen haben wir echte Chancen. Ein Fabian Wegmann oder ein Johannes Fröhlinger können das perfekt, sodass wir jederzeit überraschen können.
LAOLA1: Wer sind deine Favoriten für den Gesamtsieg?
Wrolich: Es wäre zu einfach, auf Alberto Contador zu setzen. Das tut fast jeder. Daher tippe ich auf Lance Armstrong. Er war trotz seines Schlüsselbeinbruchs beim Giro sehr stark, ich habe ihn genau beobachtet. Er wird einer derjenigen sein, die bei der Tour überraschen. Ich traue ihm den achten Sieg zu. Aber auch die Schleck-Brüder, Sastre oder Evans darf man nicht unterschätzen. Mir würde es aber gefallen, wenn Armstrong es allen noch einmal zeigen könnte.
LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Christoph Nister
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