

"Ich kann dieses Geschrei nicht mehr hören"

- Kübler (Bilder: radsportseiten.net) ist ältester noch lebender Tour-Sieger
Wien - Ferdinand "Ferdy" Kübler ist der älteste noch lebende Sieger der Tour de France.
1950 fuhr er als Sieger nach Paris und feierte damit seinen größten Triumph.
Inzwischen fiebert der Schweizer seinem 90. Geburtstag entgegen.
Seine Liebe zum Radsport ist ungebrochen, wenngleich er selber nicht mehr fahren kann. "Der Schwindel plagt ihn, ansonsten geht es ihm aber gut", erklärt seine Frau Christina.
Bei LAOLA1 spricht Ferdy Kübler EXKLUSIV über die Frankreich-Rundfahrt und das leidige Thema Doping. "Das ist alles ein Theater und wird nicht richtig gehandhabt", ärgert er sich.
Auch zu seinem Triumph und möglichen Versuchungen findet er klare Worte. Des weiteren gibt er einen Favoritentipp ab und spricht über die Chancen von Lance Armstrong.
LAOLA1: Herr Kübler, sie feiern am 24. Juli ihren 90. Geburtstag. Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Ferdy Kübler: Es geht schon noch. Ich bin halt nicht mehr 24. Es ist nicht mehr so einfach für mich, da ich zu Fuß nicht mehr so gut unterwegs bin. Ich bin fast 90 und muss dankbar sein, dass ich noch lebe.
LAOLA1: Ist für Ihren Geburtstag eine große Feier geplant?
Kübler: Meine Frau hat alles organisiert. Sie ist großartig und bereitet mir als Golf-Fan eine große Freude. Es gibt ein ein kleines Turnier mit 50 Freunden. Dann spielen wir ein bisschen und sitzen anschließend beim Abendessen beisammen.
LAOLA1: Sie sollen ein Handicap von 22 haben.
Kübler: Das ist richtig, das habe ich immer noch. Ich spiele jede Woche zweimal mindestens. Ich kann allerdings nicht mehr alles zu Fuß gehen. Daher fahre ich die Strecke, steige zum Abschlag ab und setze mich wieder aufs Golfkart. Das klappt dann ganz gut.
LAOLA1: Die Tour de France steht wieder in den Startlöchern. Werden Sie sich das Rennen ansehen?
Kübler: Ja, natürlich. Ich werde es im Fernsehen verfolgen. Ich interessiere mich immer noch sehr dafür.
LAOLA1: Dabei sorgte der Radsport in den letzten Jahren meist für Negativ-Schlagzeilen.
Kübler: Das ist alles ein Theater und wird nicht richtig gehandhabt. Einige dürfen fahren, andere werden bestraft. Ordnung muss sein, das ist klar. Ich verstehe einfach nicht, warum einige Fahrer so blöd sind und immer wieder zu Doping greifen. Ich kann es nicht verstehen, dass so viele es tun. Da geht’s immer nur ums Geld.
LAOLA1: Gibt es einen Fahrer, von dem Sie überzeugt sind, dass er sauber fährt?
Kübler: Ja, es gibt einen Rennfahrer, für den ich die Hand ins Feuer legen würde. Fabian Cancellara ist ein guter Freund von mir, der würde nie Doping nehmen. Der ist einfach so gut, der fährt absolut sauber und nimmt nichts Verbotenes. Daran sollten sich andere Fahrer ein Beispiel nehmen.
LAOLA1: Es gab und gibt auch andere gute Fahrer, von denen niemand dachte, dass sie betrügen würden. Schlussendlich wurden sie trotzdem erwischt.
Kübler: Ein Alejandro Valverde darf nicht bei der Tour fahren, weil er mit Dr. Fuentes in Kontakt stand. Jan Ullrich wurde suspendiert, weil er mit dem Arzt verkehrte. Es gibt lediglich Belege, aber keine positive Probe. Wenn sie überführt werden, ist es okay, aber so ist es eine Schweinerei. Die Leute von der UCI und der WADA sind keine Rennfahrer, haben aber die ganze Macht und machen alles kaputt.
LAOLA1: Glauben Sie, dass man die Tour de France sauber gewinnen kann?
Kübler: Aber ganz sicher sogar. Ich habe sie ja auch gewonnen. Wir mussten damals 5.000 Kilometer zurücklegen, heute sind es 3.500. Es ist zwar alles schneller geworden, aber auch wegen des Materials. Dazu gibt es bessere Verpflegung, bessere Betreuung und bessere Straßen. Doping braucht es ganz sicher nicht. Das ist eine Einbildung, dass man nur mit Doping gut sein kann.
LAOLA1: Kamen Sie je in Versuchung, Dopingmittel zu nehmen?
Kübler: Nein. Das kann ich Ihnen schwören. Ich verdamme es, dass ständig alle mit Doping in Verbindung gebracht werden. Ich kann dieses Geschrei, dass alle was genommen haben, nicht mehr hören.
LAOLA1: Es gibt aber leider zu viele, die wegen Dopings bei der Tour zuschauen müssen.
Kübler: Es sind sicher zehn bis 15 gute Rennfahrer, die pro Jahr zuhause bleiben. Dadurch wird vieles verfälscht. Sie sind natürlich selber schuld. Es ist daher nicht mehr das Gleiche wie früher, als immer die Besten angetreten sind. Der Radsport ist leider sehr angeschlagen. Keiner will sich mit den Rennfahrern identifizieren, also steigen auch die Sponsoren aus. Wenn so viele dopen, kann man sich auch nicht mehr mit den Athleten freuen. Ich finde es so schade für den Radsport. Dabei ist das doch ein wunderbarer Sport.
LAOLA1: Sie haben die Tour 1950 gewonnen. Was hat der Sieg damals bei Ihnen ausgelöst?
Kübler: Es war einfach wunderbar. Die Tour zu gewinnen, ist ja nicht einfach. Dazu holte ich einige Etappensiege, wurde 1954 Gesamtzweiter und gewann das Grüne Trikot.
LAOLA1: Wie haben Sie sich auf die Tour vorbereitet?
Kübler: Ich habe mich auf jedes Rennen spezifisch vorbereitet. Ich habe unheimlich viel trainiert, wilder als jeder andere. Ich habe für den Radsport gelebt. Heutzutage ist das wohl nicht mehr so. Heute sagt man sich: Ich nehme ein bisschen EPO, dann fahre ich auch schnell. Aber so geht’s eben nicht.
LAOLA1: Und wie macht man es richtig?
Kübler: Man muss sich gut ernähren, gesund leben und viel trainieren.
LAOLA1: Lance Armstrong gibt sein Comeback bei der Tour de France. Was halten Sie von ihm?
Kübler: Er war ein toller Rennfahrer. Man muss aber auch dazu sagen, dass er die besten Rennfahrer an seiner Seite hatte. Seine Mannschaft war immer super aufgestellt, er musste auf den Flachtetappen nur am Hinterrad fahren. Am Berg war er dafür mit Abstand der Beste. Das ist eben auch ein großer Unterschied zu früher.
LAOLA1: Inwiefern?
Kübler: Der Radsport ist kein Einzelsport mehr. Heute lebt man von der Mannschaft. Ich finde beispielsweise die Funkgeräte nicht gut. Jeder weiß immer genau, wie groß sein Rückstand ist. Früher wussten wir nichts, mussten alles selber herausfinden. Aber das sind wohl Sachen, die man nicht verhindern kann.
LAOLA1: Trauen Sie Armstrong den Sieg bei der Tour 2009 zu?
Kübler: Ich kann das nur schwer sagen, aber ich glaube eher nicht. Er hat lange pausiert, viele Junge kommen nach. Er wird aber sicher eine gute Tour fahren und eine wichtige Rolle spielen. Schließlich ist er einer, der sich vorbereitet wie kein anderer.
LAOLA1: Wer ist Ihr Favorit?
Kübler: Ein Contador ist ein guter Rennfahrer, der hat Klasse. Er kann gut Zeitfahren und ist auch am Berg stark. Ihm traue ich den Sieg zu.
LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Christoph Nister













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