

Chicken Nuggets und verwandte Substanzen

- Usain Bolt zeigt der Konkurrenz die Zunge: Ist er wirklich sauber?
Wien – Als die Zeitanzeige im Berliner Olympiastadion am Donnerstagabend bei 19,19 stehen blieb und Usain Bolt jubelnd in die Kurve einbog, waren sie wieder da – die Diskussionen über die Sauberkeit des „Außerirdischen“.
Zu unfassbar, zu monströs, zu unglaublich waren die beiden Weltrekorde, die der Jamaikaner bei den Weltmeisterschaften in die Geschichtsbücher meißelte.
Hinter vorgehaltener Hand wurde bereits seit Peking gefragt: Kann das mit rechten Dingen zugehen?
Und damals hatte Deutschlands bester Sprinter Tobias Unger von einer „Riesenverarschung“ gesprochen.
Sonderbare Ernährung
Mit seiner Meinung ist der verletzte Kurzstrecken-Spezialist nicht allein. Bolt scheint hingegen über jegliche Zweifel erhaben zu sein.
„Würde ich mit Doping erwischt werden, würde ich bei meinem Volk unten durch sein“, will der Nationalheld der Karibik-Insel alle Anschuldigungen vorab vom Tisch wischen.
Sein Vater schwört stattdessen auf die „übernatürlichen“ Kräfte der Trelawny-Kartoffel. Das ominöse Gewächs, das aus dem Nordwesten Jamaikas stammt, sei der Grund für die Schnelligkeit seines Filius.
Dieser wiederum betont, dass sein übermäßiger Genuss von Chicken Nuggets, das einzige Außergewöhnliche an seiner Ernährung sei.
System ohne Biss
Abseits der Frage, was der 23-Jährige tatsächlich seinem Körper zuführt, sorgen die Verhältnisse im internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) ohnehin für Stirnrunzeln.
Unmittelbar vor den Titelkämpfen in der deutschen Hauptstadt wurde bekannt, dass in Russland und Afrika 2009 noch keine Blutkontrollen durchgeführt wurden.
Hinzu kommt, dass es auf Jamaika zwar eine nationale Anti-Doping-Agentur (JADCO) gibt, diese aber eher zahnlos agiert. So wurden vor der WM fünf jamaikanische Sportler, darunter auch Bolts Trainingskollege Yohan Blake, mit Aufputschmitteln erwischt.
Nach einer Anhörung wurden sie dann aber doch nach Berlin geschickt. Konsequenzen? Fehlanzeige. Usain Bolt befand sich übrigens nicht darunter.
„Wenn es hart auf hart kommt“
Dass an diesem System etwas faul ist, geben die Insulaner sogar selbst zu. „Ich misstraue dem Prinzip“, meint etwa Bolt-Trainer Stephen Francis gegenüber dem „Stern“.
„Überall wird einer aus dieser Institution den Landsmann schützen, wenn es hart auf hart kommt.“
Aussagen wie diese – noch dazu aus dem unmittelbaren Umfeld Bolts, werfen ein schiefes Licht auf den Sprint-Gott.| Um posten zu können, logge dich hier mit deinem Usernamen und Passwort ein. | |
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