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09.02.2010, 13:16 Uhr

Benni Raich: "Erfolg ist nicht alles im Leben!"

Marlies Schild und Benni Raich bei der ÖOC-Verabschiedung in der Hofburg

Whistler – Auf Benjamin Raich warten intensive Tage und Wochen.

Der „Blitz aus Pitz“ fährt bei den Olympischen Spielen ein Mammutprogramm. Super-G, Kombination, Riesentorlauf und Slalom.

Nur Elisabeth Görgl, die in allen Disziplinen starten wird, hat bei den Alpinen mehr Einsätze als Raich, der einzig auf die Abfahrt verzichtet.

„Du musst im Kopf frisch sein, das ist neben spritzigen Beinen das Um und Auf und bei Olympia noch wichtiger“, erzählt Raich im Gespräch mit LAOLA1.

Erfolg ist nicht alles

Der 31-Jährige tritt in Whistler Mountain als zweifacher Titelverteidiger an. Vor vier Jahren in Sestriere gewann der Tiroler Olympia-Gold in RTL und Slalom.

Dazu hat er von Salt Lake City im Jahr 2002 noch zwei Bronze-Medaillen von Kombination und Slalom im Trophäenschrank hängen.

Erfolg ist für den Erfolgraichen aber nicht alles. „Würde ich mich nur darüber definieren, mein Leben wäre richtig schwer.“

"Ein Raich muss gewinnen!"

Da trifft es sich gut, dass er, der in seiner Karriere alles gewonnen hat, was es auf den Pisten dieser Welt zu gewinnen gibt, nicht nur von Erfolgen zehrt.

 

„Mir gibt auch die tägliche Arbeit sehr viel, selbst wenn dann am Ende nur ein 5. oder 10. Platz rauskommt.“

Und überhaupt, so Raich, können auch ein 5. oder 10. Platz ein Erfolg sein.

Die Erwartungshaltung der anderen, der Öffentlichkeit, der Medien, ist eine andere: „Ein Raich muss gewinnen!“

Ein warmer Händedruck

Einmal ist ihm das in dieser Saison gelungen. Super-Kombi in Val d‘Isere, dazu zwei zweite und drei dritte Plätze. Die Ski-Fans erwarten bei den Olympischen Spielen Medaillen.

Darum geht es. Für vierte Plätze, die Raich im Slalom abonniert hat, gibt es in Kanada einen warmen Händedruck.

Der Doppel-Olympiasieger weiß aber, dass er nicht immer ganz vorne sein kann. „Uns ist bewusst, in welcher Liga wir spielen, wie eng es in der Weltspitze zugeht. Es ist nicht mehr so, wie es in den Neunzigern war!“

Keine Seriensiege(r) mehr

Gerne erzählt Raich die Geschichte von seinen ersten Erfolgen: „Ich habe in Schladming meinen ersten Sieg gefeiert, drei Tage später auch in Flachau gewonnen. Beim nächsten Rennen in Adelboden bin ich 3. geworden, das war schon eine Niederlage.“

Bezeichnend. „Wenn man sich da als Mensch und Sportler mitreißen lässt, kriegt man ein Problem.“ Seriensiege(r) gibt es kaum noch.

Ein Doppelpack, wie ihn Didier Cuche in Kitzbühel gezeigt hat, ja, aber eine Serie wie sie Giorgio Rocca in der Saison 2005/2006 hingelegt hat, mit fünf Siegen en suite, das gibt es nicht mehr.

„Wir sind Menschen und nicht jeden Tag gleich drauf, dazu kommen andere Faktoren wie Witterung, Material, Startnummer. Nur wenn alles für dich spielt, bist du vorne dabei, das musste auch der Hermann (Maier, Anm.) erkennen.“

Braucht den Rhythmus

Spezialisten haben es heutzutage leichter, weil sie sich auf ihre Disziplin(en) konzentrieren können. Raich fährt aber gerne viel, er braucht diesen Rhythmus.

„Ich bin in der Lage, in meinen Disziplinen vorne mitzufahren, bin konstant vorne dabei, obwohl es schwieriger geworden ist“, so der Tiroler, der im Vergleich zu den letzten zwei, drei Jahren eine Steigerung erkennt.

Daumen drücken vorm TV

Freundin Marlies Schild steigert sich beim Thema Olympia noch nicht rein. Die Slalom-Spezialistin hat bis zu ihrem Auftritt in Vancouver noch Zeit, gibt erst am 26. Februar Gas.

„Ich werde erst kurz vorher anreisen“, verrät die Salzburgerin bei LAOLA1, dass sie ihrem Schatz vor allem vor dem Fernseher die Daumen drücken wird.

Auch für Schild sind es die dritten Olympischen Spiele, Routine stellt sich dennoch nie ein. „Dadurch, dass es nur alle vier Jahre ist, wird es immer ein spezielles Event sein.“

"Es werden tolle Spiele"

Das erste Mal Olympia war eine sehr kurzfristige Entscheidung, die mit einem Ausfall im Slalom endete.

Vier Jahre später in Turin lief es bedeutend besser: Silber in der Kombination und Bronze im Slalom blieben (am Hals) hängen. „Das sind natürlich schöne Erinnerungen!“

Die hat Schild auch an Whistler. Vor zwei Jahren wurde sie Zweite in der Super-Kombi. „Es werden tolle Spiele, davon bin ich überzeugt. Die Kanadier sind sportverrückt, ich freue mich schon auf mein Rennen.“

Davor wird aber daheim trainiert. Der erste Kondi-Block ist absolviert, jetzt gibt’s Schneetraining. „Ich werde Übergänge trainieren, spezielle Passagen üben, Rennen simulieren und versuchen, in Form zu bleiben.“

Am 12. Februar testet Schild ihre Olympia-Form im Rennen – beim Europacup-Slalom im deutschen Lenggries.

Stephan Schwabl

Quelle: LAOLA1.at

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