

"Ich bin der Christian Maly, das andere Original"

- Christian Maly saß in Laibach erstmals auf der Trainerbank von Hypo NÖ
Wien – Ein Einstand nach Maß sieht anders aus.
Nach dem unrühmlichen Rücktritt von Gunnar Prokop als Trainer von Hypo Niederösterreich übernahm Christian Maly bei Österreichs erfolgreichstem Handball-Damen-Team die Zügel.
Bei seinem Debüt gab es in der Gruppenphase der Champions League eine 24:35-Packung (Spielbericht) bei Krim Laibach.
Ein Rückkehrer
Maly, der einst als Spieler mit West Wien von der dritten Liga in die erste durchmarschierte, ist in Maria Enzersdorf kein Unbekannter.
In den achtziger Jahren war er in der Südstadt bereits als Nachwuchstrainer engagiert. „Das war eine unglaublich lehrreiche Zeit“, erinnert sich der 48-Jährige bei LAOLA1.
„Damals sind viele Trainer gekommen und gegangen. Somit hatte ich ausreichend Gelegenheit, mir von jedem etwas abzuschauen.“
Im Interview spricht Maly über sein verpatztes Debüt, über Prokops „Fehltritt“ und große Fußstapfen:
LAOLA1: Habt ihr die deutliche Schlappe gegen Laibach schon verdaut?
Christian Maly: Wir haben versucht, sie aufzuarbeiten und zu analysieren. Jetzt geht es darum, richtige Entscheidungen für das wichtige Spiel in Metz (am Samstag; Anm.) zu treffen und das mit aller Gewalt zu gewinnen.
LAOLA1: Du bist frisch an Bord bei Hypo. Wie lautet deine „Schnellschuss-Analyse“ für die Ursachen der Niederlage?
Maly: Die Trotz-Reaktion hat nur 20 Minuten gedauert. Infolge hat Laibach zulegen können, wir aber nicht. Das sogenannte Hirn der Mannschaft, Spielmacherin Sung Ok Oh, ist manngedeckt worden. Der Spielverbund ist noch nicht so gut, dass man so etwas kompensieren kann.
LAOLA1: Dass Oh manngedeckt wurde, passiert ja nicht zum ersten Mal. Ist man zu abhängig von ihr?
Maly: Es gibt da noch ein, zwei ausbaufähige Spielerinnen. Aber eine Marion Limal ist halt erst 21 Jahre alt. Andere sind ebenfalls noch sehr jung. Aber insgesamt hat das Kollektiv nicht richtig funktioniert.
LAOLA1: Du hast bereits das womöglich vorentscheidende Spiel in Metz angesprochen. Siehst du den Aufstieg in die nächste Runde in Gefahr?
Maly: Nein, überhaupt nicht. Wir haben die letzten beiden Spiele zuhause. Wenn wir in den noch verbleibenden Partien unsere Form bringen, dann werden wir am Ende gut dastehen. Positiv ist, dass nach dem Metz-Spiel viel Zeit ist, um einiges in das Lot zu rücken.
LAOLA1: Kannst du die skandalöse Aktion von Gunnar Prokop im Hinspiel gegen Metz verstehen?
Maly: Ich habe so eine Geschichte schon selbst miterlebt. Wir haben zehn Jahre lang das Turnier „Sport und Kultur“ in Wien organisiert. Während eines Junioren-Spiels ist damals David Sleszak bei einem Gegenstoß vom gegnerischen Trainer gecheckt worden. Außerdem kennt ja jeder die Geschichten von Veselin Vujovic (der Montenegriner attackierte 2008 einen Schiedsrichter; Anm.). Solche Sachen sind immer wieder passiert und sind wohl intuitive Entscheidungen, die eigentlich nicht erklärbar sind.
LAOLA1: Es ist also nicht neu und dennoch das hohe Strafmaß. Ist das für dich nachvollziehbar?
Maly: Gunnar hat das richtigerweise sofort schriftlich dokumentiert, dass es eine Kurzschlusshandlung war, was ich ihm auch zu einhundert Prozent abkaufe. Damit geht das Leben weiter. Handball ist ein harter Sport, da passieren manchmal unschöne Szenen. Hinzu kommt, dass auch das Regelwerk nicht ganz klar ist. So kann es erst zu solchen Urteilen kommen. Dass uns ein Punkt abgezogen wird, ist ein Präzedenzfall. Ob das hält, wird man sehen.
LAOLA1: Seid ihr guter Dinge, das Urteil rückgängig machen zu können?
Maly: Der europäische Verband muss sich an die festgelegten Rahmen halten. Ein Ladendieb geht schließlich auch nicht für 30 Jahre ins Gefängnis. Gegen alles, was über den Rahmen hinaus geht, muss Einspruch erhoben werden.
LAOLA1: Bist du der neue Prokop?
Maly: Nein (lacht), es gibt den Prokop und der ist das Original. Ich bin der Christian Maly, der ist das andere Original. Prokop ist der Supermacher und ich versuche, ihm in dieser schwierigen Situation zu helfen. Aufgrund meiner früheren Anstellung hier ist das natürlich ein Traum für mich. Denn alte Liebe rostet nicht.
LAOLA1: Gunnar Prokop meinte nach seinem Rücktritt, dass er die Mannschaft nach wie vor fest in seiner Hand haben werde. Hinzu kommt noch Oh als Spielertrainerin. Ist da überhaupt Platz für dich oder bist du gar nur ein Statist?
Maly: Nein, das sicher nicht. In einem gut funktionierenden Team herrscht Arbeitsteilung. Gerade bei den Profis gibt es viele Bereiche, die man mit vielen Augen sehen muss.
Das Interview führte Reinhold Pühringer












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