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15.08.2008, 11:53 Uhr

"Schwieriger Charakter? Das ist ein Blödsinn!"

Wieder gesund! Eine Virusinfektion legte Besian Idrizaj beim FC Wacker lahm

Wien – Seinen Humor hat Besian Idrizaj noch nicht verloren. „Ich bin in Dubai und mache Urlaub“, scherzt der 20-Jährige.

Dabei war ihm in den letzten Monaten alles andere als zu lachen zu Mute.

Vor rund einem Jahr noch eine der heißesten Aktien des heimischen Fußballs, ausgestattet mit einem Vertrag beim FC Liverpool, muss man sich heute erst nach seinem Verbleiben erkundigen.

Dazwischen liegen zwölf verkorkste Monate. Erst wurde Idrizaj nach hoffnungsvollen Beginn bei Leihverein Crystal Palace aufs Abstellgleis geschoben.

Vertrag mit Liverpool gelöst

In Innsbruck plante er im Frühjahr einen Neustart, ehe das Schicksal am 16. Februar bei seinem Wacker-Debüt gegen Sturm Graz nur zehn Minuten nach seiner Einwechslung böse zuschlug. Der Offensiv-Allrounder brach aufgrund einer Virusinfektion am Spielfeld zusammen.

In der Folge wurde es ruhig um den Rohdiamanten. Inzwischen wurde der Kontrakt mit Liverpool gelöst. Der einstige Überflieger ist vereinslos, hat wieder zu Hause in Linz seine Zelte aufgeschlagen und wartet auf ein passendes Angebot.


Sein Selbstbewusstsein hat Idrizaj nicht verloren. Aber nachdem er zuletzt auch die Schattenseiten einer Fußballer-Karriere kennengelernt hat, schlägt er im LAOLA1-Interview auch nachdenkliche und bescheidene Töne an.

Über falsche und richtige Freunde, Schulterklopfer, seinen angeblich schwierigen Charakter und die Erkenntnis: „Im letzten halben Jahr habe ich gesehen, wie schnell du von oben nach unten kommst.“

LAOLA1: Besian, was machst du zurzeit?

Besian Idrizaj: Aktuell bin ich vereinslos. Ich bin in Linz bei meiner Familie, halte mich mit Laufen und in der Kraftkammer fit und warte ab, dass sich für mich etwas ermöglicht.

LAOLA1: Gibt es keine Anfragen?

Idrizaj: Es hat sich schon viel getan, aber es hat noch nichts gepasst, auch durch die Ausbildungsentschädigung, die Liverpool zusteht. Wenn ich zum LASK zurück käme, wäre ich frei, weil das mein Startverein war. Überall anders müsste eine Ausbildungsentschädigung gezahlt werden. Aber da kennt sich mein Manager besser aus als ich. Aktuell kann ich nicht sagen, ob mich wer haben will. Ich kann weder behaupten, dass mich Real Madrid, noch dass mich Gratkorn will.

LAOLA1: Schwebt dir ein neuer Anlauf im Ausland oder ein Neustart in Österreich vor?

Idrizaj: Schwer zu sagen. Es muss einfach alles passen – das Umfeld, der Trainer. Es muss mir gefallen, ob in England oder in Österreich. Natürlich würde ich gerne zurück nach England oder nach Spanien, aber wenn das Umfeld nicht passt oder der Trainer nicht von mir überzeugt ist, macht es keinen Sinn. Ich will dorthin, wo ich, sofern die Leistung stimmt, sicher spiele. Es macht keinen Sinn, zu einem guten Verein zu gehen, aber die gleiche Situation wie bei Crystal Palace zu haben. Dort hat am Anfang alles gepasst, mit dem Trainer-Wechsel habe ich aber eine auf die „Goschn“ gekriegt, weil im System des neuen Trainers mehr für Kämpfer Platz war.

LAOLA1: Bei Liverpool gab es keine Perspektive mehr?

Idrizaj: Im Vertrag gab es noch ein Jahr Option. Aber wir haben uns entschieden, dass wir das lassen, weil es für mich keinen Sinn macht, jedes Jahr ausgeliehen zu werden, wo ich mich immer bei einem neuen Verein zurechtfinden muss. Ich habe letzte Saison viel Zeit verloren. Natürlich ist das Pech dazu gekommen, dass ich erkrankt bin, das war natürlich ein großer Rückschlag. Bei Wacker Innsbruck hätte ich die Möglichkeit gehabt, wieder Fuß zu fassen, aber dann ist es einfach nur scheiße gelaufen.

LAOLA1: Schreckt dein Kollaps im ersten Spiel für Wacker potenzielle Interessenten ab?

Idrizaj: Natürlich schreckt er ab. Vielleicht wollen Vereine nicht das Risiko eingehen, eine irrsinnige Ablösesumme zu zahlen. Ich kann es schwer beurteilen, aber ich glaube, das ist sicherlich ein Grund. Der andere Grund ist, dass ich letzte Saison nur sieben Spiele in der zweiten englischen Liga und zwei in der Bundesliga gespielt habe.

LAOLA1: Bist du wieder vollkommen gesund?

Idrizaj: Absolut, mir fehlt nichts. Ich bin fit, aber nicht so hundert Prozent wie die Spieler der Bundesliga, die regelmäßig spielen. Ich fühle mich wieder super, kann trainieren. Aber es ginge nicht, morgen einzusteigen und gleich zu spielen.

LAOLA1: Du bist im Teenager-Alter zu Kult-Klub Liverpool gewechselt. Lernt man durch solch ein Tief Bescheidenheit und Demut?

Idrizaj: Natürlich. Letzte Saison im Aufbau-Training bei Liverpool hatte ich eine Phase, wo ich fast geflogen bin. Alles war perfekt. Damals wollten mich spanische Erstliga-Vereine, englische Premier-League-Vereine, englische Zweitliga-Vereine. Es gab von allen Seiten Angebote. Jetzt stehe ich so da, dass sich Vereine schwer tun, mir Angebote zu machen. Man glaubt immer, das Fußball-Business ist perfekt, alles läuft immer schön, die Fußballer verdienen so viel Geld. Im letzten halben Jahr habe ich gelernt, dass nicht immer alles nur schön ist. Ich habe lange nur gute Zeiten gehabt. Mit 16 wurde ich beim LASK Profi, mit 17 bin ich zu Liverpool. Seit diesem Alter hat alles perfekt gepasst. Im letzten halben Jahr habe ich gesehen, wie schnell du von oben nach unten kommst.

LAOLA1: Der Lerneffekt ist also da?

Idrizaj: Es ist gut, dass es in einem solch jungen Alter passiert. Es wird mich stärker machen. Ich sehe es positiv und bin überzeugt, dass ich neu durchstarten werde. Ich weiß nur noch nicht, wo. Aber egal, ob eine Liga weiter unten oder in einer höheren Liga, das ist mir wurscht – Hauptsache ich kann wieder Fußball spielen.

LAOLA1: Du hast den Ruf eines schwierigen Charakters. Es gibt genügend Beispiele, dass Spieler in schweren Zeiten gereift sind. Fällst du auch in diese Kategorie?

Idrizaj: Ich weiß nicht, das die Österreicher mit dem schwierigen Charakter haben. Das ist ein Blödsinn. Ich bin einfach ein Typ, der von sich selbst überzeugt ist. Ich weiß, wie gut ich bin. Wenn mich der Trainer fragt, was mir nicht passt, sage ich es ihm ehrlich. Viele Leute glauben, ich bin abgehoben und arrogant. Das stimmt einfach nicht. Ich habe einfach ein selbstbewusstes Auftreten. Man sollte einmal jene Leute fragen, die mich sehr gut kennen. Also ich würde nicht von einem „schwierigen Charakter“ sprechen, aber wenn das andere Leute sagen, lasse ich es so stehen. Meiner Meinung nach bin ich ein super-cooler lässiger Typ, mit dem man immer Spaß haben kann, der Anweisungen vom Trainer akzeptiert, der aber auch immer Distanz zum Trainer wahrt. Ich bin kein Schleimer.

LAOLA1: Wenn es gut läuft, gibt es viele Schulterklopfer. Lernt man in Phasen wie der aktuellen die wahren Freunde kennen?

Idrizaj: Klar. Wenn es gut läuft, stehen alle hinter dir. Wenn es schlecht läuft, erkennst du die wahren Freunde. Und die kann ich mit meinen Fingern abzählen. In England habe ich zwei, die sich immer melden. In Linz habe ich zwei, drei Freunde, mit denen ich viel unternehme, die mich unterstützen. Und natürlich die Familie, die ist die Nummer eins. Sonst ruft keiner an und fragt, wie es geht. Ich war auch überrascht, dass sich auch nach meiner Virusinfektion im Frühjahr nur wenige gemeldet haben. Aber das sollte man nicht zu negativ sehen, das passt schon so. Sicher ist Fußball ein Mannschaftssport, aber zuerst musst du mit dir selbst zurechtkommen, dann kannst du auf andere schauen.

LAOLA1: Du wirst im Herbst erst 21. Ändert dieses Tief die Ziele, die du dir in deiner Karriere gesteckt hast?

Idrizaj: In einer Karriere gibt es immer wieder einen Knacks. Meiner dauert noch nicht so lange. Sicherlich werde ich meine Ziele weiter verfolgen. Nur möchte ich jetzt zuerst einmal wissen, was Sache ist, wo es mich hinverschlägt, damit ich mich tausendprozentig darauf konzentrieren und meine ganze Kraft reinstecken kann. Es gilt, so schnell wie möglich wieder in einen Mannschaftsbetrieb einzusteigen und wieder Spaß am Fußball zu gewinnen.

LAOLA1: Ist eine Zeitspanne absehbar, bis wann es mit einem neuen Verein klappen könnte?

Idrizaj: Bei mir war es immer so, dass immer alles am letzten Tag der Transfer-Periode abgelaufen ist, egal ob Luton Town, Crystal Palace oder Wacker Innsbruck. Das bin ich jetzt schon gewohnt. Ich sehe schon wieder kommen, dass es am letzten Transfer-Tag heißt, dass ich packen muss.


Das Gespräch führte Peter Altmann



Quelle: LAOLA1.at