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30.11.2009, 20:45 Uhr

"Wer so etwas macht, hat bei uns nichts verloren"

Ein Doppelhalter im Fandorf von Rapid sorgte für gehörigen Aufruhr

Wien - „Es ist eine unglaubliche Geschichte, aber wir sind uns immer bewusst: Im nächsten Moment kann etwas passieren.“

Es ist die Ambivalenz, von der Rapid-Klubservice-Leiter Andy Marek im Gespräch mit LAOLA1 redet.

Ambivalenz hinsichtlich der aktuellen grün-weißen Popularität bei den Fans.

Werden 500.000 Fans haben“

Letztere zeigen in der jüngeren Vergangenheit eine Präsenz, die in Österreich einmalig ist und in Europa keinen Vergleich zu scheuen braucht.

„Wir werden in dieser Saison um die 500.000 Fans bei unseren Spielen zu Gast haben“, berichtet Marek.

Auch in Sachen Auswärtsspielen fällt der Vergleich zu früher positiv aus. „Früher sind 200-300 Fans mitgefahren, jetzt 2000.“

Das ist mittlerweile Alltag, nämlich Bundesliga. Die Zugabe nennt sich heuer Europa League – und auch hier begleiten die Rapid-Fans ihre Mannschaft in Scharen.

Anfangs nur 2900 Tickets

Knapp 700 waren es in Tel Aviv, 2500 in Glasgow – und am Mittwoch sollen sich 8000 Grün-Weiße in der HSH-Nordbank-Arena zu Hamburg befinden.

„Wir haben 7200 Karten über Rapid verkauft. Mehr war auch nicht drinnen. Anfangs bekamen wir 2900 Tickets zugesprochen“, erinnert sich Marek.

Seine Kontakte in die Hansestadt ließen das Kontingent der Gäste-Fans stetig steigen.

So werden neun Flugzeuge und in der Folge 46 Busse mit 2500 Rapid-Fans unterwegs sein. Wegen des Nachtflugverbots in Hamburg (Marek: „Wir haben alles probiert.“) rollen die Vehikel von Hannover nach Hamburg und wieder retour.

Zwei Drittel von Brüssel

8000 Fans bei einer Auswärtsfahrt – das ist für den Klubservice, der Ende der 90er Jahre entstand, Rekord. Zum Vergleich: Beim Europacup-Finale 1996 gegen Paris St. Germain in Brüssel waren 12.000 dabei.

Die Zahlen belegen es: Rapid boomt.

Aber es ist in dieser Hinsicht auch nicht alles eitel Wonne. Aktuell hat Rapid vier Stadion-Verbote verhängt, ein weiteres steht an.

Jener Anhänger, der nach dem 4:1-Derbysieg gegen die Austria einen Doppelhalter, auf dem eine Hitler-Comicfigur und der Spruch „Tod und Hass dem FAK“ zu sehen war, in die Höhe hielt, kann sich darauf schon einstellen.

„Wir haben den Doppelhalter nicht gesehen, ansonsten hätten wir umgehend gehandelt. Mittlerweile wissen wir, wer ihn zumindest gehalten hat – und es wird natürlich in dieser Causa ein ganz striktes Stadionverbot geben. Wer so etwas macht, hat bei uns nichts verloren.“

Es ist eine Herausforderung“

Und hier spürte Marek die angesprochene Ambivalenz ganz stark: „Wir haben uns alle über den Derby-Sieg gefreut und es hat keine einzige Beschwerde gegeben. Obwohl bekannt ist, dass ein Derby nicht nur sportlich sondern auch bei den Fans eigene Gesetze hat.“

„Und dann taucht dieses Scheiß-Foto auf. Das ist in diesem Moment schon mühsam“, gibt die Stimme Rapids Einblick und folglich auch zu: „Mein Job ist eine Herausforderung.“

Herausfordernd könnte für Rapid auch noch die Angelegenheit rund um die 171 Rapid-Anhänger - unter denen der Capo der „Ultras“ war - werden. Sie "empfingen" Ende Mai Fans der Wiener Austria am Westbahnhof.

Dabei sollen Exekutiv-Beamte verletzt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen alle zu diesem Zeitpunkt dort anwesenden Rapid-Fans – auch weil sie es aufgrund von Video-Aufzeichnungen kann.

Bauernopfer?

Möglicherweise könnten alle 171 Rapid-Fans angezeigt werden. Marek erklärte vor einiger Zeit gegenüber der "Presse", „dass hier viele zu Bauernopfer wurden.“

Wusste also eine Vielzahl der 171 Rapid-Anhänger gar nicht, was sie dort eigentlich sollten?

„Bauernopfer bin ich ja dann, wenn ich für etwas verurteilt werde, was ich nicht getan habe. Dass die Leute am Bahnhof waren, ist aufgrund der Filmaufnahmen unbestritten. Nur, ich kann nicht alle über einen Kamm scheren und sagen: Es sind alle 171 schuldig, weil sie alle Polizisten verletzt haben beziehungsweise Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet haben. Dass jemand dort hinfahren und Stärke demonstrieren wollte, das mag sein. Nur gegen eine Pauschalverurteilung wehre ich mich“, stellt Marek seine Meinung dar.

Keine Verletzung vor Sturm-Spiel

Während diese Causa noch offen ist, ist ein anderes Thema längst wieder erledigt: Die Ausschreitungen vor dem Heimspiel gegen Sturm.

Fans beider Vereine sorgten auf dem Feld für tumultartige Szenen. Was war passiert?

„Wir haben den Sturm-Fans erlaubt, Transparente aufzuhängen. Da haben dann einige versucht, nebenan eines von Rapid zu fladern. Das war halt auch keine lässige Geschichte“, berichtet Marek.

Der 47-Jährige soll Forums-Einträgen zufolge sogar zwischen die Fronten geraten und verletzt worden sein.

„Nein, nein. Ich bin bei einer Schaumstoff-Werbebande ausgerutscht, mir ist nichts passiert. Es ist mir gegenüber auch keiner handgreiflich geworden“, stellt Marek fest.

Nicht so wie bei AC/DC

All diese Dinge werfen natürlich kein gutes Licht auf den eigenen Verein. Marek gibt aber zu bedenken:

„Wir haben eine unglaubliche Zahl an Fans zu betreuen. Wenn AC/DC in Wien spielt, passiert auch etwas, aber darüber wird nicht geschrieben, weil die ohnehin wieder weg sind und bei uns das das Tagesgeschäft ist. Ich bin keiner, der sich dem Negativem nicht stellt. Das nicht immer alles eitel Wonne ist, ist klar. Aber es gibt bei uns eine klare Grenze.“

„Natürlich war die Bahnhof-Geschichte nicht in Ordnung, oder auch die Aktion des Burschen in Tel Aviv (Anm.: Hitlergruß, mittlerweile Stadionverbot). Aber das sind immer nur Einzelfälle.“

Nach Glasgow und Tel Aviv wartet mit der Auswärtsreise in Hamburg nun die nächste Herausforderung.

Keine Entspannung beim HSV

Aufgrund des geschichtlichen und politischen Kontexts mit den vergangenen zwei europäischen Auswärtszielen, könnte man meinen, dass die Hamburg-Reise nun entspannt ablaufen könnte.

„Wenn 8000 deiner Fans bei einem Auswärtsspiel sind, kann es nicht entspannt zugehen. Da braucht nur irgendwo unabsichtlich etwas passieren“, weiß Marek.

Getreu seinem Motto: „Es ist eine unglaubliche Geschichte, aber wir sind uns immer bewusst: Im nächsten Moment kann etwas passieren.“

Eben, die Ambivalenz.


Bernhard Kastler

Quelle: LAOLA1.at

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