

Die Schweiz feiert ihr U17-Traumduo

- Nassim Ben Khalifa hat in der Schweizer Liga schon zwei Treffer erzielt
Wien – Seit 2003 war die U17 Nigerias ungeschlagen. Dann kam die Schweiz.
Ausgerechnet im WM-Finale im eigenen Land ging die unglaubliche Serie der „Super Eagles“ zu Ende.
So dürfen sich die Eidgenossen erstmals über den U17-Weltmeistertitel freuen. Und der Jubel ist dementsprechend groß.
"Schon jetzt Legende"
„Ein Wahnsinn. Ein historischer Erfolg, der schon jetzt Legende ist. Wir haben während der ganzen WM nur in Superlativen gesprochen, dieses letzte Kapitel ist der Höhepunkt und nicht mehr zu toppen“, erklärt etwa A-Teamchef Ottmar Hitzfeld.
Immerhin ist es der jungen Truppe von Trainer Dany Ryser davor bereits gelungen, Kaliber wie Brasilien, Deutschland und Italien zu bezwingen.
Traumduo Seferovic/Ben Khalifa
Einen großen Anteil am überraschenden Erfolg der Schweizer hatte das Sturm-Duo bestehend aus Haris Seferovic und Nassim Ben Khalifa.
Ersterem gelang im Endspiel das Goldtor zum 1:0-Sieg. Davor konnte der 17-Jährige bereits vier Treffer verbuchen. Ben Khalifa beendete das Turnier mit einem Tor weniger auf dem Konto.
„Wir sind eine Art Traumduo. Wir verstehen uns blind, wissen immer genau, wo der andere steht und wissen auch genau, wohin der andere den Ball gespielt haben will“, schwärmt Seferovic vom Zusammenspiel mit seinem kongenialen Partner.
Ben Khalifa spielt, Seferovic (noch) nicht
Das blinde Verständnis der beiden „Secondos“ kommt nicht von ungefähr, stehen sie doch beide bei Grasshopper Zürich unter Vertrag.
Ben Khalifa ist in der Schweizer Super League kein Unbekannter mehr. Neun Mal setzte GCZ-Coach Ciriaco Sforza den Teenager in dieser Saison bereits ein – der Stürmer dankte es ihm mit zwei Treffern.
Seferovic muss unterdessen noch auf seinen Durchbruch warten. Lediglich ein Kurzeinsatz aus der Vorsaison ist in den Statistiken zu finden.
Ibrahimovic und Ronaldo als Vorbilder
Sforza wäre aber zu raten, in naher Zukunft auch auf den Stürmer mit bosnischen Wurzeln zu setzen. „Momentan bin ich in Topform“, verkündet Seferovic, dessen großes Vorbild Zlatan Ibrahimovic ist.
Ben Khalifa hat einen anderen Kicker, zu dem er aufblickt: Ronaldo. Als kleiner Junge sah er gemeinsam mit seinem Vater dem Brasilianer im Stadion auf die Beine. „Das hat mich tief beeindruckt“, gesteht der Youngster, der tunesische Vorfahren hat.
Angst vor Nationen-Wechsel
Unter all den Jubel über den Titel mischen sich in der Schweiz aber auch eher ängstliche Gefühle. Was, wenn sich diese talentierten Kicker dazu entscheiden, doch für Bosnien-Herzegowina bzw. Tunesien zu spielen?
Die Eidgenossen würden das nicht zum ersten Mal erleben. Der Nachwuchs-Internationale Ivan Rakitic entschied sich einst auch für Kroatien uns löste heftige Debatten aus.
„Schießen U17-Helden bald Tore gegen uns?“ titelte das Boulevard-Blatt „Blick“ vor kurzem.
"Moralische Verpflichtung"
„Ich werde immer für die Schweiz spielen. Es ist mein Heimatland. Hier bin ich ausgebildet worden“, beruhigt Seferovic.
Teamchef Ottmar Hitzfeld hat diesbezüglich auch schon mit der U17-Auswahl gesprochen: „Meine Rede war klar. Ich habe ihnen in Erinnerung gerufen, dass die Schweiz ihnen die Chance gegeben hat, sich zu zeigen. Sie hätten nun eine moralische Verpflichtung weiterhin für die Schweiz zu spielen.“
Weltmeister mit der U17, Teilnehmer der WM 2010 in Südafrika – derzeit gibt es auch gar keinen Grund, nicht für diese Nation spielen zu wollen...
Harald Prantl
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