Der Computerfreak hat Absprung genau erwischt

- Joachim Standfest verließ zum richtigen Zeitpunkt das sinkende Schiff
Stegersbach – Den Herbst 2006 wird Joachim Standfest wohl nie wieder vergessen.
Als Kapitän des GAK erlebte der Steirer eine denkbar schwere Zeit. Auf den Konten der Spieler herrschte durch die Bank Ebbe.
„Die Zeit war sehr schwierig, ich habe aber sicher auch sehr viel gelernt“, erinnert sich Standfest im Gespräch mit LAOLA1.
Alltägliche Probleme werden lächerlich
Noch heute ist ihm nicht ganz klar, wie der Konkurs der „Roten Teufel“ passieren konnte: „Wenn ich mir die Schuldensumme ansehe, kann ich das alles nicht nachvollziehen.“
Der Rechtsverteidiger, der auch im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann, erlebte wie alltägliche Probleme im Profi-Fußball zu Lächerlichkeiten wurden.
Vor allem für ihn als Kapitän sei die Situation nicht gerade einfach gewesen: „Es war nicht leicht in die Kabine zu gehen und zu sagen: „Es gibt leider nichts“ oder „Wir müssen noch warten“.“
Kein Gejammer
Beeindruckt hat ihn die Einstellung seiner Mitspieler schon damals. Und tut sie auch noch heute. „Gejammer hat es fast keines gegeben. Ein einzigartiges Team.“
Doch noch bevor Konkurs angemeldet wurde, verließ der heute 28-Jährige die Steiermark und heuerte bei der Wiener Austria an.
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- Lara Croft begleitete Joachim Standfest auf all seinen Vereins-Stationen
Fan war er nie. Sein Herz schlug als Kind für kein besonderes Team. Einzig die Holländer 1988 sind ihm in bleibender Erinnerung geblieben: „Vor allem Gullit, van Basten und Rijkaard haben mir sehr imponiert.“
Der Computer-Freak
Doch das Interesse galt lange nicht einzig und allein dem Fußball. „Ich habe Telematik inskripiert, weil mich Computer immer schon interessiert haben“, erzählt der Ex-Student.
Der Trainingsalltag ließ ein geregeltes Studium aber nicht zu: „Dort waren aber so viele Pflichtveranstaltungen, dass das überhaupt nicht gegangen ist. Dann bin ich auf Sport umgestiegen – der Klassiker schlechthin. Mir hat aber der Biss gefehlt, um das Studium abzuschließen.“
Keine guten Erinnerungen ans Debüt
Auf dem Feld ging unterdessen einiges weiter. Ausgerechnet im Derby gegen den SK Sturm durfte Standfest sein Bundesliga-Debüt geben.
„Wir haben damals eine deutliche Niederlage einstecken müssen. Dementsprechend war die Freude über mein Debüt nicht allzu groß“, blickt er zurück.
Die Erinnerungen an sein Debüt räumt der Austrianer sofort wieder in ein Hinterstübchen seines Gedächtnisses. Anders die Erinnerungen an seinen damaligen Trainer.
Prägender Augenthaler
Ein Deutscher hat's ihm angetan: „Klaus Augenthaler hat mich am meisten geprägt. Unter ihm habe ich das ganze Profitum kennen gelernt. Er hat sich für uns junge Spieler immer extra Zeit genommen. Unter ihm habe ich den ersten großen Schritt gemacht.“
Damals war der 28-Jährige noch Offensivspieler. Erst unter Walter Schachner ist der Familienmensch zum Verteidiger geworden. Ursprünglich nur als Aushilfe. „Das ist mir dann irgendwie geblieben“, stört ihn seine nunmehr zumeist defensive Rolle aber nicht.
Die nimmt er auch bei seinem aktuellen Klub, der Wiener Austria, häufig ein. Nachdem die Veilchen die Option auf die einjährige Vertragsverlängerung gezogen haben, wird der Steirer auch künftig rechts in der Vierer-Abwehrkette zu sehen sein.
„Ein wahnsinniges Erlebnis“
Seit Oktober 2003 ist der Computer-Freak auch im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft zu sehen. „WM-Qualifikation gegen Tschechien“, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Wir haben leider unglücklich mit 2:3 verloren, es war aber trotzdem ein wahnsinniges Erlebnis.“
25 weitere Male ist er danach im ÖFB-Dress aufgelaufen. Dementsprechend oft war Standfest auch kaserniert.
Mit Lara Croft gegen die Langeweile
„Es ist nicht sehr angenehm, wenn man sehr viel Zeit totschlagen muss“, weiß er zu berichten. Deshalb ist der Laptop auch immer dabei.
„Von Anwendungsprogrammen bis zu Spielen beschäftige ich mit allem am Computer. Wenn ich alleine spiele, bin ich mehr der Adventure-Typ, Tomb Raider und so“, erzählt der Kicker.
Fast hätte er Lara Croft noch wesentlich öfter auf ausländischem Boden Abenteuer überstehen lassen.
Schon bei der WM 2006 dabei
„Die Chance auf ein Auslandsengagement war da. Genau zu diesem Zeitpunkt war meine Frau aber mit unserem zweiten Kind schwanger. Ich wollte ihr nicht antun, dass sie alleine in Österreich bleibt oder pendeln muss“, so der Austrianer, der sich mittlerweile aber gut vorstellen kann, Legionär zu sein.
Nun steht aber die EURO 2008 über allem. Was ihn erwartet, kann er schon ungefähr abschätzen, war Standfest doch bei der WM 2006 in München im Stadion.
Der Pokal-Spezialist
Ob er nun von einem Triumph im eigenen Land träume? „Träumen ist das richtige Wort. Aber träumen ist nicht verboten“, gibt sich der 26-fache Internationale diplomatisch. Das Viertelfinale sei aber ein realistisches Ziel.
Und mit einem Joachim Standfest in der Mannschaft, ist dann alles drinnen. Der 28-Jährige ist nämlich ein echter Spezialist für K.O-Phasen. Nicht weniger als vier Mal durfte er schon den Cup in die Luft stemmen.
Harald Prantl















