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Rundes Leder statt Skisprung-Ski
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Defensivspieler Joachim Standfest im Video- Portrait von LAOLA1: Mehr

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Der Computerfreak hat Absprung genau erwischt

Joachim Standfest verließ zum richtigen Zeitpunkt das sinkende Schiff

Stegersbach – Den Herbst 2006 wird Joachim Standfest wohl nie wieder vergessen.

Als Kapitän des GAK erlebte der Steirer eine denkbar schwere Zeit. Auf den Konten der Spieler herrschte durch die Bank Ebbe.

„Die Zeit war sehr schwierig, ich habe aber sicher auch sehr viel gelernt“, erinnert sich Standfest im Gespräch mit LAOLA1.

Alltägliche Probleme werden lächerlich

Noch heute ist ihm nicht ganz klar, wie der Konkurs der „Roten Teufel“ passieren konnte: „Wenn ich mir die Schuldensumme ansehe, kann ich das alles nicht nachvollziehen.“

Der Rechtsverteidiger, der auch im Mittelfeld zum Einsatz kommen kann, erlebte wie alltägliche Probleme im Profi-Fußball zu Lächerlichkeiten wurden.

Vor allem für ihn als Kapitän sei die Situation nicht gerade einfach gewesen: „Es war nicht leicht in die Kabine zu gehen und zu sagen: „Es gibt leider nichts“ oder „Wir müssen noch warten“.“

Kein Gejammer

Beeindruckt hat ihn die Einstellung seiner Mitspieler schon damals. Und tut sie auch noch heute. „Gejammer hat es fast keines gegeben. Ein einzigartiges Team.“

Doch noch bevor Konkurs angemeldet wurde, verließ der heute 28-Jährige die Steiermark und heuerte bei der Wiener Austria an.

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Tausche Skisprung-Ski gegen rundes Leder

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Standfest mit Freude am Werk

Eine schwere Entscheidung sei es gewesen, als er im Jänner 2007 bei den Violetten unterschrieb, wollte er die Mannschaft doch nicht im Stich lassen.

Der Grund – ein Lacher

Der damals ausschlaggebende Grund für seine Entscheidung kostet ihm Monate eineinhalb Jahre später nur noch einen Lacher.

„Als das Angebot gekommen ist, hat mir der Präsident mitgeteilt, dass das der Schritt zur Rettung des GAK ist. Ich habe mich also auch im Gedanken an meine Mitspieler für den Wechsel entschlossen“, erinnert er sich.

Sportlich habe er den Wechsel in die Hauptstadt schon damals als deutlichen Aufstieg gesehen. Ein weiterer Schritt in der Karriere des Joachim Standfest.

Auf dem Fußballplatz aufgewachsen

Begonnen hat alles beim SV Radmer, der Heimatgemeinde des Steirers. „Ich komme aus einem sehr kleinen Dorf und dort war es eine Verpflichtung jedes Wochenende auf den Fußballplatz zu gehen“, erzählt Standfest. Sonst hätte es ja nichts gegeben.

So kam es also, dass der Rechtsfuß auf dem Fußballplatz aufgewachsen ist. Schultasche ins Eck und auf auf den grünen Rasen – eine ballverliebte Kindheit.

Skispringen mit Loitzl

Doch das Jagen des runden Leders war nicht die einzige Sportart, der der dreifache Vater damals nachging. Das Skispringen hatte es ihm angetan.

 

Bis zum Alter von 14 Jahren stürzte sich der Kicker von diversen Schanzen. In einer Trainingsgruppe mit einem gewissen Wolfgang Loitzl.

Erst spät alles realisiert

Doch die Liebe zum Ballsport war größer. Und sie wurde auch belohnt. Im Sommer 1998 schnappte sich der GAK das Talent, dass damals beim SV Rottenmann kickte.

Ein später Transfer zu einem Top-Klub. Für den „Spätstarter“ nicht unbedingt ein Nachteil: „Es war für mich aber sicher gut, dass ich immer gegen ältere und körperlich stärkere Spieler antreten musste. Ich musste mir andere Sachen einfallen lassen, um mich durchzusetzen.“

Bis zum Zeitpunkt des Wechsel zum GAK war ein Leben als Profi-Sportler eigentlich kein Thema: „Erst als ich den Vertrag beim GAK – der war für die Kampfmannschaft, ich habe aber zuerst für die Amateure gespielt – unterschrieben habe, wurde mir klar, dass ich es tatsächlich zum Profi schaffen könnte.“

Nie Fan gewesen

Im Zuge eines Freundschaftsspiels durfte Standfest zum ersten Mal in seinem Leben ein echtes Fußball-Stadion von innen betrachten.

Lara Croft begleitete Joachim Standfest auf all seinen Vereins-Stationen

Fan war er nie. Sein Herz schlug als Kind für kein besonderes Team. Einzig die Holländer 1988 sind ihm in bleibender Erinnerung geblieben: „Vor allem Gullit, van Basten und Rijkaard haben mir sehr imponiert.“

Der Computer-Freak

Doch das Interesse galt lange nicht einzig und allein dem Fußball. „Ich habe Telematik inskripiert, weil mich Computer immer schon interessiert haben“, erzählt der Ex-Student.

Der Trainingsalltag ließ ein geregeltes Studium aber nicht zu: „Dort waren aber so viele Pflichtveranstaltungen, dass das überhaupt nicht gegangen ist. Dann bin ich auf Sport umgestiegen – der Klassiker schlechthin. Mir hat aber der Biss gefehlt, um das Studium abzuschließen.“

Keine guten Erinnerungen ans Debüt

Auf dem Feld ging unterdessen einiges weiter. Ausgerechnet im Derby gegen den SK Sturm durfte Standfest sein Bundesliga-Debüt geben.

„Wir haben damals eine deutliche Niederlage einstecken müssen. Dementsprechend war die Freude über mein Debüt nicht allzu groß“, blickt er zurück.

Die Erinnerungen an sein Debüt räumt der Austrianer sofort wieder in ein Hinterstübchen seines Gedächtnisses. Anders die Erinnerungen an seinen damaligen Trainer.

Prägender Augenthaler

Ein Deutscher hat's ihm angetan: „Klaus Augenthaler hat mich am meisten geprägt. Unter ihm habe ich das ganze Profitum kennen gelernt. Er hat sich für uns junge Spieler immer extra Zeit genommen. Unter ihm habe ich den ersten großen Schritt gemacht.“

Damals war der 28-Jährige noch Offensivspieler. Erst unter Walter Schachner ist der Familienmensch zum Verteidiger geworden. Ursprünglich nur als Aushilfe. „Das ist mir dann irgendwie geblieben“, stört ihn seine nunmehr zumeist defensive Rolle aber nicht.


Die nimmt er auch bei seinem aktuellen Klub, der Wiener Austria, häufig ein. Nachdem die Veilchen die Option auf die einjährige Vertragsverlängerung gezogen haben, wird der Steirer auch künftig rechts in der Vierer-Abwehrkette zu sehen sein.

Ein wahnsinniges Erlebnis“

Seit Oktober 2003 ist der Computer-Freak auch im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft zu sehen. „WM-Qualifikation gegen Tschechien“, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Wir haben leider unglücklich mit 2:3 verloren, es war aber trotzdem ein wahnsinniges Erlebnis.“

25 weitere Male ist er danach im ÖFB-Dress aufgelaufen. Dementsprechend oft war Standfest auch kaserniert.

Mit Lara Croft gegen die Langeweile

„Es ist nicht sehr angenehm, wenn man sehr viel Zeit totschlagen muss“, weiß er zu berichten. Deshalb ist der Laptop auch immer dabei.

„Von Anwendungsprogrammen bis zu Spielen beschäftige ich mit allem am Computer. Wenn ich alleine spiele, bin ich mehr der Adventure-Typ, Tomb Raider und so“, erzählt der Kicker.

Fast hätte er Lara Croft noch wesentlich öfter auf ausländischem Boden Abenteuer überstehen lassen.

Schon bei der WM 2006 dabei

„Die Chance auf ein Auslandsengagement war da. Genau zu diesem Zeitpunkt war meine Frau aber mit unserem zweiten Kind schwanger. Ich wollte ihr nicht antun, dass sie alleine in Österreich bleibt oder pendeln muss“, so der Austrianer, der sich mittlerweile aber gut vorstellen kann, Legionär zu sein.

Nun steht aber die EURO 2008 über allem. Was ihn erwartet, kann er schon ungefähr abschätzen, war Standfest doch bei der WM 2006 in München im Stadion.

Der Pokal-Spezialist

Ob er nun von einem Triumph im eigenen Land träume? „Träumen ist das richtige Wort. Aber träumen ist nicht verboten“, gibt sich der 26-fache Internationale diplomatisch. Das Viertelfinale sei aber ein realistisches Ziel.

Und mit einem Joachim Standfest in der Mannschaft, ist dann alles drinnen. Der 28-Jährige ist nämlich ein echter Spezialist für K.O-Phasen. Nicht weniger als vier Mal durfte er schon den Cup in die Luft stemmen.


Harald Prantl