Ein Wrestling-Fan mit Schlangen-Faible

- Christian Fuchs wird die Mattersburger in diesem Sommer definitiv verlassen
Wien – Image ist alles. Auch und gerade für Fußballer. Nicht alle denken darüber nach. Christian Fuchs tut es.
„Es ist schon wichtig, dass man ein eigenes Image hat, weil man dann nicht unbedingt nur am Fußballerischen erkannt wird“, erklärt der Noch-Mattersburger im Gespräch mit LAOLA1 und reflektiert sich selbst:
„Ich glaube, ich transportiere, dass ich ein eher wilderer Typ bin, aber doch eine sanfte Seele habe.“
Zwei Herzen in einer Brust quasi. Beide schlagen für skurrile Hobbys – das wilde für Wrestling, das sanfte für Tiere, konkret Schlangen.
Wrestling-Fan und Schlangen-Liebhaber
„Ich bin ein Wrestling-Fan, ich weiß, das ist nicht normal. Aber ich würde gerne einmal mit dem Undertaker zu Abendessen“, outet der Niederösterreicher auch gleich seinen Favoriten aus der Show-Catcher-Szene.
Seine tierischen Favoriten kann er jeden Tag treffen. Fuchs ist gemeinsam mit seiner Ehefrau Michaela seit über zwei Jahren stolzer Besitzer einer Königsnatter und einer Königspython.
„Es ist schon etwas Außergewöhnliches, aber auf diesem Gebiet bin ich ein Freak. Es hat sich eigentlich von einem Tag auf den anderen ergeben. Wir waren auf einer Haustiermesse. Da gab es eine ganz kleine Babyschlange, die war so süß, wir haben uns gleich in dieses Viech verliebt.“
Kurze Zeit später war die erste Schlange Familienmitglied, die zweite folgte ein halbes Jahr später. „Das ist eine Sache, die auch in Mattersburg viele nicht verstehen“, gibt Fuchs zu und offenbart bevorstehenden Trennungsschmerz.
Beim angestrebten Wechsel ins Ausland bleiben die Haustiere nämlich bei den Eltern: „Wir wollen ihnen den Umzugsstress nicht antun.“
Fuchs ist meistens früh dran
Dass es diesen Sommer soweit sein soll, steht für Fuchs fest, aber dazu später mehr. Mit 22 Jahren wäre er – wie so oft in seinem Leben – früh dran.
Nicht nur im Fußball, auch privat. Bereits mit 21 trat er vor den Traualtar: „Wenn du die Richtige findest und alles passt, gibt es dafür keinen zu frühen Zeitpunkt.“
Sportlich nahm zunächst alles seinen normalen Lauf. Als Fuchs sechs Jahre alt war, wurde sein Vater Obmann beim niederösterreichischen Dorfklub SV Pitten, womit bei Fuchs jr. die Leidenschaft fürs runde Leder geweckt wurde. Acht Jahre später folgte der Wechsel zu Wiener Neustadt.
Mit 15 Jahren stand er in der Landesliga seinen Mann, mit 17 schnupperte er in Mattersburg erstmals Bundesliga-Luft, mit 19 wurde er erstmals in den Kreis der Nationalmannschaft berufen, kurz nach dem 20. Geburtstag feierte er im Mai 2006 gegen Kroatien sein Länderspiel-Debüt.
Bereits mit 15 im Erwachsenen-Fußball
Ein atemberaubendes Tempo für einen Hoffnungsträger, der nicht den heute üblichen Weg eines Talents ging, und die moderne Kaderschmiede namens BNZ niemals von innen gesehen hat. Dafür stählte er seinen Körper früh im Erwachsenen-Fußball:

- Im Spiel gegen Spittal durfte Christian Fuchs die Kapitänsschleife tragen
Inzwischen zählt(e) Fuchs aber selbst zu den Persönlichkeiten beim burgenländischen Fußball-Stolz. Einem Verein, mit dem man in der Bundesliga aber nur überraschen könne.
Endziel: Top-Klub aus der Premier League
Weshalb die Zeit gekommen sei, den nächsten Schritt zu machen, denn: „Ich will wirklich das Maximum aus meiner Karriere herausholen.“ Das Endziel ist ein Top-Klub der Premier League, zuvor soll bei einem Mittelständler aus einer großen Liga weitere Erfahrung gesammelt werden.
Nachdem sich Fuchs letzten Sommer bereits mit Leverkusen einig war, der Deal aber am Veto von SVM-Obmann Martin Pucher scheiterte, lautet die wahrscheinlichste Destination nach aktuellem Stand VfL Bochum.
Wobei er es auch interessant fände, in eine fremdsprachige Liga zu gehen: „Das wäre reizvoll, denn man will sich menschlich auch weiterentwickeln. Aber es sicher leichter, jetzt in ein Land zu gehen, deren Sprache man mächtig ist. Ich bin für alles offen. Man wird sehen, wohin es mich verschlägt.“
„Werde Anspruch der ersten Elf gerecht“
Sicher verschlagen wird es den inzwischen 16-fachen A-Team-Spieler zur EURO, für die er sich mit starken Performances speziell gegen Deutschland, aber auch gegen Holland qualifiziert haben sollte. Was auch dem Selbstbewusstsein nicht geschadet hat:
„Aufgrund der letzten Leistungen kann ich schon sagen, dass ich dem Anspruch der ersten Elf gerecht werde. Letztendlich stellt aber der Teamchef auf.“
Keine Frage: Der einstige Nobody hat sich in der ÖFB-Hierarchie einige Stufen nach oben gearbeitet. Kein Vergleich mit seinen ersten Berufungen, wie dem Trainingslager in Dubai Anfang 2006: „Wenn du mit 19 zum Nationalteam kommst, hast du dich unterzuordnen. Damals waren zum Beispiel ein Markus Schopp und auch andere gestandene Spieler noch dabei.“
„Anelka kannst du nicht vom Ball trennen“
Fuchs hebt hervor, wie sehr sich die ÖFB-Elf zuletzt weiterentwickelt habe, auch dank der gestiegenen Anzahl an Legionären. Doch auch für die Bundesliga-Kicker sei die Kluft zu Top-Nationen nicht unüberbrückbar:
„Der Unterschied ist nicht so extrem, wie man glaubt. Wir spielen in Österreich keinen schlechten Fußball. Aber das Tempo ist ein anderes. Wenn du gegen einen Anelka spielst, den du wirklich nicht vom Ball trennen kannst, ist es eben ein Unterschied zu einem Österreicher, den du mit einem Body-Check vom Ball trennst.“
Und da es Christian Fuchs in seiner Karriere gewohnt ist, früh dran zu sein, komme auch die EURO für das junge Nationalteam keineswegs zu früh:
„Wir haben gesehen, dass wir die Niederländer und die Deutschen an die Wand spielen können. Wenn du das gegen zwei internationale Top-Teams einmal zusammenbringst, kann ich mir nicht vorstellen, dass da irgendetwas zu früh kommt.“
„Viertelfinale? Ich will die EURO gewinnen!“
Und wenn schon, denn schon verbietet es Fuchs sein unbändiger Ehrgeiz, nur mit dem olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“ in den Mega-Event zu starten:
„Naja, für was sind wir bei der EURO dabei? Dass wir das Viertelfinale erreichen? Ich will die EURO gewinnen! Sonst brauche ich bei der EURO nicht anzutreten.“
Solch ein Jahrhundert-Triumph käme für den rot-weiß-roten Fußball keine Sekunde zu früh...
Peter Altmann













