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Letzter Mohikaner einer aussterbenden Generation

Mittelfeld-Motor Rene Aufhauser ist in der Luft eine Macht

Wien – "Früh übt sich, wer Meister werden will“. Kein Wunder also, dass Rene Aufhauser – immerhin dreifacher Gewinner der Meisterschale – bereits im zarten Kindesalter seine Liebe zum Fußball entdeckte.

Ausschlaggebend dafür war der Vater. „Er hat selber in Köflach als Tormann Fußball gespielt. Ich bin also von klein auf am Fußballplatz aufgewachsen. Während der Papa den Kasten gehütet hat, haben meine Freunde und ich hinter den Toren ein Match bestritten“, erinnert sich der mittlerweile 31-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 an seine ersten Gehversuche mit dem runden Leder.

"Mit sieben Jahren bin ich zu meinem Stammverein ASK Köflach gekommen. Dort habe ich mich von der U10 über die U16 bis zur Kampfmannschaft durchgearbeitet.“

Sturm oder GAK zunächst kein Thema

Die Ambitionen bei einem der beiden steirischen Großvereine, Sturm oder GAK, unterzukommen, hatte der Mittelfeldspieler als Kind nie.

"Durch meinen Vater gab es eigentlich nur Köflach. Entweder du bist als Kind mit auf den Fußballballplatz gegangen, oder nicht.“

Mit 19 verließ der gelernte Elektrotechniker seinen Stammverein und heuerte in der Nachbar-Gemeinde in Voitsberg an. „Nach Unterliga und Landesliga mit Köflach, habe ich in Voitsberg erstmals Regionalliga-Luft geschnuppert.“ Danach ging alles recht schnell und liest sich fast wie im Märchen.

Gregoritsch entdeckt Aufhauser

Werner Gregoritsch, der damals die steirische Amateurauswahl betreute, hatte ein Auge auf den talentierten Kicker geworfen. Er gab seinem Freund und damaligen Salzburg-Trainer Heribert Weber den Tipp, sich den Köflacher bei einem Bewerbspiel anzusehen.

Gesagt, getan. Weber war von Aufhausers Auftritt derart begeistert, dass er ihn noch am selben Tag kontaktierte. Der Rest ist österreichische Fußball-Geschichte.

Am 1. Jänner 1997 unterschrieb der damals 20-Jährige seinen ersten Profivertrag bei Austria Salzburg - um knapp fünf Monate später seinen ersten Meistertitel zu feiern. Zwei weitere sollten mit GAK (2004) und Red Bull Salzburg (2007) folgen.

"Das Unmögliche möglich gemacht"

"Mit Red Bull im zweiten Jahr gleich den Titel zu holen, war super. Von der Emotion, dem Mannschafts-Gefüge und dem Saisonverlauf war die Meisterschaft mit dem GAK aber etwas ganz Großes. In Graz hat sich über zwei, drei Jahre ein richtiger Freundeskreis entwickelt. Es war einfach fantastisch, denn die Wiener Austria hatte damals ein viel höheres Budget und wahrscheinlich auch die besseren Einzelspieler. Aber wir haben durch unseren eisernen Willen das Unmögliche möglich gemacht.“

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Der verlässliche Titelhamster

Arbeitsbiene und die Verlässlichkeit in Person Rene Aufhauser im Video-Portrait von LAOLA1.tv: Mehr

Der verlässliche Titelhamster

Aufhauser ist schon EURO-fit

Problem der jungen Generation

Im Zuge seiner Karriere-Stationen etablierte sich der hervorragende Kopfballspieler nicht nur still und heimlich zum Titelhamster, sondern auch zu einem Leistungsträger. Angesichts der vielen Legionäre in der Liga durchaus bemerkenswert.

"Mein Vorteil war, dass ich bereits mit 16 Jahren in eine Kampfmannschaft gekommen bin. Als ich dann 1997 in die Bundesliga gewechselt bin, habe ich schon vier Jahre mit „Erwachsenen“ gespielt – vor allem körperlich war ich daher schon geeicht. Das ist mir sehr entgegen gekommen – speziell um die harte Vorbereitungszeit durch zu halten. Deswegen ist es auch für die Jungen heutzutage so schwer den Sprung zu schaffen.“

Im gleichen Atemzug vergleicht der Familienvater Österreichs U20-Team und die A-Nationalmannschaft.

"Wir hatten in den letzten Jahren mit unseren Nachwuchs-Teams einige schöne Erfolge. Die Burschen konnten mit ihren Jahrgängen meistens mithalten – doch während sich die ausländischen Spieler weiterentwickelt haben und jetzt bei europäischen Tor-Teams spielen, haben viele rot-weiß-rote Youngsters den Sprung nicht geschafft. Es fehlt den Burschen einfach an Spielerfahrung bei ihren Klubs."

"Erst wenn den Vereinen kein Geld für teure Ausländer zur Verfügung steht, setzt man an auf die Jugend. Bestes Beispiel ist Sturm Graz, wo einfach viele Nachwuchs-Kicker zum Einsatz kommen. Säumel, Salmutter, Leitgeb, Prödl sind zu absoluten Fix-Größen 'mutiert'. Auch dahinter kommen Talente nach. Viele Klubs in Österreich sollten sich ein Beispiel nehmen.“

"Was ist ein Talent?"

Ob es in seiner "Jugendzeit“ leichter war sich durchzusetzen, kann der 50-fache Teamspieler nicht beantworten.

„Jede Zeit hat ihre Tücken. Heutzutage werden die Jungen sicher besser ausgebildet. Es bestehen bereits für Zehn-, Elfjährige gute Möglichkeiten sich zu entwickeln. Es gibt das BNZ - da erhalten die Kinder wirklich eine gute Ausbildung. Meine Generation und auch die davor hatten diese Möglichkeiten nicht. Dafür haben die Spieler meiner Altersgruppe mehr in der Freizeit gespielt. Da gab es Duelle im Hof, auf der Wies'n... Das geht der Fußball-Generation von heute ab.“

Auf die Frage, warum aus seiner Generation so wenig Talente den Durchbruch geschafft haben, entgegnet der zweifache Pokalsieger mit einer Gegenfrage:

"Was ist ein Talent? Ein Fußballspieler muss sich durchsetzen können. Wenn jemand mit 14, 15 und 16 in seiner jeweiligen Altersgruppe 100 Tore erzielt, wird er sofort in den höchsten Tönen gelobt – teilweise sogar verhätschelt. Dann heißt es sofort, dass er noch ein bisschen an seinem Körper arbeiten muss und ab die Post. Irgendwann ist dieser Spieler dann 22 Jahre alt und hat sich noch nirgends durchgesetzt. Meiner Meinung nach setzen sich diejenigen durch, die mental stark sind. Oft entscheidet nicht das Talent sondern der Willen.“

 

Nie im Ausland

Obwohl Aufhauser in Österreich zu einem absoluter Führungsspieler aufstieg, blieb dem Maturanten der große Traum vom Ausland verwehrt.

„Vor meinem Wechsel von Graz nach Salzburg gab es ein kurzes Techtelmechtel mit Everton. Der Transfer hat jedoch leider nicht geklappt. Schade, denn ich wäre zu Fuß auf die Insel gegangen. Es war immer mein großer Traum einmal im Ausland Fuß zu fassen.“

Auch, oder gerade weil ein Auslands-Engagement nie zu Stande kam, hat „Hickes Lieblingsschüler“ einen Rat für seine jungen Kollegen:

Auslands-Engagement förderlich

"Sollten sie die Möglichkeit besitzen ins Ausland zu wechseln, müssen sie diese Gelegenheit sofort nützen. Das Ansehen der österreichischen Liga ist leider nicht gut. Wenn du z.B. in Norwegen in der 2. Liga 10 Tore erzielst, zählt es mehr, als Tore in Österreich. Für die Karriere ist ein Auslands-Engagement sehr förderlich.“

Doch auch ohne jemals bei einem ausländischen Verein untergekommen zu sein, nimmt Aufhauser dank seiner Erfahrung und großem Kämpferherz eine Vorbildfunktion im ÖFB-Team ein. Dessen ist sich der Steirer auch bewusst.

Mit Entwicklung im ÖFB-Team zufrieden

"Das Team wurde vor zweieinhalb Jahren komplett neu geformt. Es war sehr schwer, denn zu Beginn waren oft Spieler dabei, die nur wenig Einsatzminuten im Nationalteam hatten. Da ist es einfach ungemein wichtig, mit ihnen im Vorfeld zu sprechen, ihnen die Sicherheit zu geben, dass ein Match für die Nationalmannschaft zwar etwas Spezielles, aber im Grunde ein ganz ‘normales‘ Fußballspiel ist.“

Mit der Entwicklung der letzten Jahren ist "Aufi“ jedenfalls voll auf zufrieden. „Das Potenzial der einzelnen Spieler ist wirklich groß. Etliche haben das Zeug, sich auch international durchzusetzen. Wir haben uns auf jeden Fall im Offensiv-Bereich gesteigert. Es fehlt uns noch ein bisschen an ‘Schlauheit‘ in machen Situation. Das hat man speziell gegen Deutschland und Holland gesehen."

Nichts desto trotz sehnt Aufhauser der EURO schon entgegen. „Es kribbelt! Es wird eine Riesensache. Wenn die Vorrunde anfängt, werden alle Augen auf uns gerichtet sein. Jeder wird dir Mut zu sprechen. Es wird einfach eine unglaubliche Begeisterung im Land herrschen. Egal, was in den letzten Jahren rund ums Team passiert ist, jeder wird uns unterstützen. Ein Schlüsselspiel ist sicher unser erstes Match gegen Kroatien. Können wir punkten, wird sich diese Euphorie weiter steigern.

Europameister Österreich?

Das Wort "Europameister“ nimmt der „Staubsauger“ aber trotz des sichtlich gestiegenen Stimmungsbaromters in- und außerhalb des Teams nicht in den Mund. Oder doch?

"Das wäre sehr gewagt. Okay, wenn du die Gruppenphase überstehst, kannst du natürlich auch das Viertelfinale positiv abschließen. Aber ins Finale kommen und dieses auch gewinnen...? Obwohl, das haben auch andere Teams geschafft: Die Dänen, die Griechen. Es gibt Außenseiter-Siege. Schaumamal, was raus kommt.“

Mega-Party im Teamquartier?

Wie er seinen 32. Geburtstag am 21. Juni (EM-Halbfinal-Termin) verbringt, steht noch in den Sternen. Eine gewisse Tendenz ist aber bereits vorhanden. „Es wäre natürlich super, wenn wir meinen Geburtstag in Stegersbach feiern können. Das würde nämlich bedeuten, dass wir noch im Turnier sind. Ich glaube, dann würde ich sogar eine Party zwischen Viertel- und Halbfinale schmeißen.“

Eines ist sicher: Ganz Österreich würde sich über eine fette Sause in Stegersbach freuen - wohl auch Teamchef Josef Hickersberger...

Andrea Geier/Martin Wechtl