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He-Man, der Furchtlose
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Karriere voller Nasenbeinbrüche und Turbans - die Pics des Jürgen Patocka: Mehr

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Patocka hat keine Chance - also nützt er sie

Patockas wallende blonde Mähne fiel dem Meistertitel mit Rapid zum Opfer

Wien – Sie nennen ihn He-Man, frei nach der Hauptfigur der Action-Serie „Masters of the Universe“.

Seiner wallenden blonden Mähne und dem Einfallsreichtum von Andreas Dober („Wem sonst soll so was einfallen…?“)  hat Jürgen Patocka diesen Spitznamen zu verdanken.

Auch wenn ihm inzwischen die Grundvoraussetzung dafür fehlt. Die Haarpracht fiel nämlich aufgrund einer Wette dem Meistertitel mit Rapid zum Opfer.

Streichholzkurz präsentiert sich der Wiener inzwischen. „Oben ohne“ in Meister-Proper-Manier kommt nicht in Frage, denn zu Hause gibt es auch so „Erklärungsbedarf“:

„Am Platz muss man nicht schön sein“

„Meine Frau sagt halt: ‚Du hast mir mit den längeren Haaren besser gefallen.’ Aber das ist eine Gewöhnungssache“, schmunzelt Patocka im Gespräch mit LAOLA1 und verweist darauf, dass er nun weniger Zeit vor dem Spiegel verspringen kann.

Was jetzt vielleicht nach Eitelkeit Marke Beckham klingt, ist das genaue Gegenteil. Glaubhaft versichert der robuste Innenverteidiger:

„Für mich ist es nicht wichtig, dass man schön ausschaut, sondern dass man am Platz Leistung bringt, und dafür muss man nicht schön sein.“

Nicht nur der eine oder andere Nasenbeinbruch im Verlauf seiner Karriere ließ ihn zu dieser Erkenntnis kommen. Patocka ist am Feld ein ehrlicher Arbeiter, ein furchtloser Rackerer, der sich seinen heutigen Stellenwert schwer verdienen musste.

„Ich bin nicht der Typ, der aufgibt“

Über zahlreiche Umwege. Man kann getrost behaupten, dass der 1,92-Meter-Hüne über eine der ungewöhnlicheren Kicker-Biographien im Nationalteam-Kader verfügt. Oder über eine typische für ein Mitglied der „Bosman-Opfer-Generation“.

Erst mit 27 Jahren gelang dem Spätstarter der Sprung in die höchste Spielklasse. Zeit seines Fußballer-Lebens musste er aus der Position des Unterschätzten heraus zuzuschlagen. Auch im Bezug auf die endgültige EURO-Nominierung ist Patocka tendenziell nicht in der Favoritenrolle:

„Natürlich ist es von der Konkurrenz her sehr, sehr schwer. Aber ich sage einmal, das war‘s auch bei Rapid. Ich bin nicht der Typ, der aufgibt und sagt: Ich habe keine Chance! Ich werde versuchen gut zu trainieren, und dem Teamchef die Entscheidung, wer mitfährt und wer zu Hause bleibt, so schwer wie möglich zu machen.“

 

Zum besseren Verständnis sein Werdegang, den der 30-Jährige unemotional, so wie es seine Art ist, kommentiert. Ohne Reue, und sowieso ohne Bitterkeit. Längst hat er die eine oder andere Verzögerung in seiner Karriere als Teil seiner Geschichte akzeptiert.

Keine Chance unter Dokupil

Nachdem er im Alter von sechs Jahren in Untersiebenbrunn erstmals die Fußball-Schuhe schnürte, wechselte er mit 10 Jahren zu Rapid.

Bis zum 18. Lebensjahr kickte er in Hütteldorf, für den Sprung ins Profi-Geschäft reichte es damals nicht: „Ich habe 1995/96 teilweise mit der Kampfmannschaft mittrainiert. Rapid hatte eine sehr gute Mannschaft, und unter Trainer Ernst Dokupil habe ich keine Chancen gesehen.“

Dieser Erkenntnis folgte der Gang zum FAC. Regionalliga – für viele hoffnungsvolle Talente der Anfang vom Ende aller Profi-Träume.

Dreieinhalb Jahre verbrachte Patocka in Wien-Floridsdorf, ehe es ihn ans andere Ende der Republik zu Austria Lustenau, wohin zuvor schon sein FAC-Kollege Dalibor Tolo wechselte, verschlug.

Privaten Jackpot in Lustenau geknackt

Vorarlberg, anfangs eine andere Welt, aber für die Entwicklung des Jürgen P. nicht von Nachteil: „Natürlich ist es etwas komplett anderes, 700 Kilometer vom Heimatort entfernt. Ich denke schon, dass ich gereift bin. Die Sprache war am Anfang ein bisschen schwierig - aber gut, den Dialekt kann man lernen.“

Mit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse hat es in vier Versuchen nie geklappt. Privat hat Patocka den Jackpot indes sehr wohl geknackt:

„Ich habe dort meine Frau kennen gelernt. Wir sind jetzt schon vier Jahre zusammen, davon zwei Jahre verheiratet. Somit hat es sich gelohnt, nach Lustenau zu gehen.“

Erst mit 27 Jahren feierte Jürgen Patocka bei Mattersburg sein Bundesliga-Debüt

Vor der Saison 2004/05, das Sommerkind steht kurz vor seinem 27. Geburtstag, gelingt endlich der lang ersehnte Sprung in die Bundesliga – zum SV Mattersburg. Aus den Augen war der Traum vom Profi-Fußball zwischendurch, aber auch aus dem Sinn?

„Eigentlich nie, der Traum war immer da. Ich habe fest daran geglaubt und hart an mir gearbeitet.“

„Immer step by step eine Klasse höher spielen“

Der damalige Trainer Muhsin Ertugral versteht nach einigen Trainingseinheiten die Welt nicht mehr, warum sein Neuzugang in diesem Alter noch kein Spiel in der Eliteliga am Buckel hat.

„Die Station Mattersburg war sehr wichtig“, erinnert sich Patocka und erzählt vom Vertrauen, das ihm Ertugral-Nachfolger Franz Lederer entgegenbrachte, auch wenn es einmal nicht nach Wunsch lief: „Das war sicherlich das Sprungbrett für den Wechsel zu Rapid.“

Rapid – der Lebensverein, ohne ein Leben lang dort gespielt zu haben. Die Erfüllung eines Bubentraums kurz vor der Zäsur des 30. Geburtstags.

„Ich wollte nach dem Gang in die Regionalliga step by step immer eine Klasse höher spielen, und das hat halt seine Jahre gedauert. Mir hat es bei jedem Verein sehr gut gefallen. Deswegen erst die späte Rückkehr zu Rapid, obwohl ich schon als Kind davon geträumt habe, dort einmal in der Kampfmannschaft zu spielen.“

Bei Rapid mit Ersatzbank gerechnet

Womit wir wieder beim Klischee des Außenseiters wären. Wer hätte letzten Sommer gedacht, dass der Neuzugang aus Mattersburg 35 Saison-Spiele (davon 34 über die volle Distanz!) absolvieren würde? Nummer 36 wurde nur durch eine Gelbsperre beim Ausklang in Ried verhindert.

Kaum jemand, auch Patocka selbst nicht: „Ich wollte sicherlich den Kampf annehmen. Aber natürlich denkt man, jetzt hat man Mario Tokic und Martin Hiden vor sich, Hannes Eder hat auch schon Bundesliga-Erfahrung. Da rechnet man, dass man erst einmal auf der Bank sitzt.“

Wobei alle Beteiligten die Rechnung ohne Wirt Peter Pacult („Das Vertrauen des Trainers war immens wichtig“) gemacht haben. Dieser opferte lieber seinen Kapitän Hiden, als Patocka auf die Bank zu setzen.

„Im ersten Jahr gleich Meister, die meisten Spiele gemacht. So ein Jahr kann man sich nicht besser vorstellen – einfach sensationell“, schwärmt Patocka von seiner Debüt-Saison als grün-weißer Profi.

„Ich bin als Stürmer zu Rapid gekommen“

Nicht besser vorstellen? Stimmt so nicht ganz. Eine Berufung in den EURO-Kader wäre fraglos die Krönung. Der 2-fache A-Teamspieler (Debüt im Mai 2007 gegen Schottland) bezeichnet es als Ehre, sich im Kreis des ÖFB-Teams zu befinden:

„Wenn du den Traum hast, dass du Profi wirst, hast du gleichzeitig den Traum, dass du einmal für Österreich spielst.“

Apropos Kindheitstraum: Wenn Patocka über seine Jugend-Idole spricht, fallen Namen wie Diego Maradona, Ruud Gullit oder Marco van Basten, dessen Treffer im EM-Finale 1988 es ihm besonders angetan hat – „ein Jahrhundert-Tor!“

Alles Offensivgenies – wie passt das zu einem beinharten Abwehrrecken? „Ich bin als Stürmer zu Rapid in den Nachwuchs gekommen und im Laufe der Jahre immer weiter zurück gegangen“, offenbart Patocka und setzt fort:

So ruhig wie kein He-Man zuvor

„Ab und zu darf ich jetzt eh wieder bei Eckbällen nach vor und mache das eine oder andere Tor. Aber es passt schon so, mir gefällt es in der Abwehr sehr gut. Ich könnte es mir eigentlich gar nicht mehr anders vorstellen.“

Eine pragmatische Sicht der Dinge, die wie die Faust aufs Auge zum ruhigsten und bedächtigsten „He-Man“ aller Zeiten passt. Pragmatisch, wie der Umgang mit der neuen Frisur:

„Viel pflegeleichter. Man wischt, zwei, drei Mal mit dem Handtuch drüber, und hat nicht so viel Theater.“

Peter Altmann